Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2019. Die Bewerbungsfrist endet am 31. August 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ethik & Gesellschaft

Zweifelhafte Hall of fame

Vergangene Woche wurde das Unwort des Jahres 2018 bekanntgegeben. „Sieger“ wurde der Begriff „Anti-Abschiebe-Industrie“, eine Wortschöpfung des Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe, Alexander Dobrindt. Gemeint sind damit diejenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen, indem sie deren Abschiebungen auf dem Rechtsweg prüfen. Er unterstellt ihnen damit auch die Absicht, kriminell gewordene Flüchtlinge zu schützen, um sich daran wirtschaftlich zu bereichern.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 25. Januar 2019

„Wir stimmen den Einsendern zu, dass es sich hierbei um ein Unwort handelt, weil mit diesem Begriff das geltende Gesetz verhöhnt wird, welches Grundlage unserer Wertegemeinschaft ist“, hieß es in der Pressemitteilung der Sprachkritischen Aktion UNWORT DES JAHRES, die die Auszeichnung bereits seit 1991 vergibt.

Ein weiteres Unwort des Jahres 2018 ist unter anderem der Begriff Menschenrechtsfundamentalismus, mit dem Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer in einer Facebook-Debatte um die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer, mit der Überschrift „Menschenrechtsfundamentalismus bringt die Rechtsextremen an die Regierungen in Europa“ eine erschreckende Diskussion darüber auslöste, ob ertrinkende Menschen gerettet werden sollen oder nicht.

Auch die politische Wortschöpfung Ankerzentrum aus dem aktuellen Koalitionsvertrag darf den Titel Unwort des Jahres 2018 für sich verbuchen. In der Pressemeldung wird vor allem der verschleiernde Charakter kritisiert, wo doch der Anker für einen sicheren Hafen steht und er ein christliches Symbol der Hoffnung ist. Tatsächlich handelt es sich bei den Ankerzentren aber um Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge, die dort bleiben müssen, bis entschieden wird, ob sie auf die Kommunen verteilt oder wieder abgeschoben werden.

Das Thema Immigration ist in der Geschichte der Unwörter nicht neu. Bereits im ersten Jahr wurde der Ausdruck „ausländerfrei“ Unwort des Jahres 1991. Der Begriff entstammte einer Parole im Zusammenhang mit den Ausschreitungen von Hoyerswerda, bei denen rechtsradikale Aktivisten und ausländerfeindliche Bürger über mehrere Tage unter anderem ein Flüchtlingswohnheim angegriffen hatten.

Die Ausschreitungen in Hoyerswerda haben damals schockiert und nachdenklich gemacht. Dass aber drei der Unwörter 2018, die sich dem gleichen Thema widmen, allesamt von Vertretern der etablierten Regierungsparteien kommen, sollte uns ebenso zu denken geben. Denn ausgezeichnet werden nur Begriffe, die gegen das Prinzip der Menschenwürde oder die Prinzipien der Demokratie verstoßen.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*