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Ethik & Gesellschaft

Du bist also so zufrieden mit Deinem Körper? Ja! Nein? Vielleicht ein bisschen?!

Das Thema Bodyshaming ist allgegenwärtig und begleitet uns vermutlich alle. Dabei sind die Kritikpunkte widersprüchlich. Während die eine Person zu groß ist, ist die andere zu klein, zu dünn oder zu dick, zu sportlich oder zu kurvig. Die Gesellschaft strebt nach einem Idealkörper, aber gibt es den so, wie die Gesellschaft sich ihn vorstellt?

Veröffentlicht von Pia Kracke am 13. Juli 2021

Die Urlaubszeit hat begonnen. Für viele ist es die schönste Zeit im Jahr. Doch um diese besondere Zeit genießen zu können, verfallen die meisten erst einmal in Stress. Es wird ein straffer Sportplan erstellt und alle möglichen Diäten werden ausprobiert. Zeit, um das Leben in vollen Zügen zu genießen, bleibt da kaum – hauptsache, die Sommerfigur sitzt. Doch warum verlieren die Menschen sich immer wieder in diesen Verhaltensweisen? Sind das Rituale, die dem Menschen Sicherheit geben? Ist es der eigene Wunsch, sich und seinen Körper zu fordern und möglicherweise zu fördern? Oder ist es die Gesellschaft, die uns suggeriert; Dein Körper ist so, wie er ist nicht gut genug und präsentabel? Fragen, die sich vermutlich nicht pauschal klären lassen, aber in jedem Fall einen Denkanstoß bei jedem selbst verursachen sollten.

Bei dem Wort Bodyshaming denken die meisten zuerst an dicke Menschen, die auf Grund ihres Gewichts, ihrer nicht ebenen erdigen Haut beispielsweise an den Oberschenkeln oder der Kleidergröße, die sie tragen, nicht in den abgesteckten Normbereich der Gesellschaft passen. Doch Bodyshaming ist genauso vielfältig wie die Gesellschaft an sich. Die vermeintliche Idealfigur wird von den meisten nicht erreicht – und von denen, die sie erreichen, wird eine Menge abverlangt, diese zu halten, um im Business weiter interessant zu bleiben. Brigitte hat sechs Frauen die Möglichkeit gegeben über sich, ihren Körper und ihr Empfinden zu sprechen. Dabei ist ein Dossier entstanden, das sich sehen lassen kann und der Gesellschaft exemplarisch zeigt, wie schön die Vielfalt der Menschen ist.

Da ist zum Beispiel die 18-jährige Zoe Wees, die jahrelang an Epilepsie litt. Sie selbst sagt: „Als ich 15 war, haben die Anfälle aufgehört; die Krankheit ist verheilt, aber sie ist immer noch in meinem Kopf.“ Weiter sagt sie: „Dein Körper glaubt nur dir. Was von außen kommt wirst du niemals checken.“ Der Weg, bis Zoe Wees die Krankheit auch im Kopf überwunden hat, wird gewiss Zeit in Anspruch nehmen, es zeigt aber auch, wie wichtig das eigene Wahrnehmen des eigenen Körpers ist und wie leicht wir uns doch von äußeren Faktoren beeinflussen lassen. Dies führt uns auch die Geschichte von Tabea Ernst vor Augen. Die heute 28-jährige hat eine Magersucht überwunden und führt eine gute Beziehung zu ihrem jetzt gesunden Körper. Ihre Aussagen: „Bewegung ist etwas Tolles, Essen ist etwas Tolles, mein Körper ist etwas Tolles!“ und „Danke, dass du mich nie verlassen hast, auch wenn ich dich so ausgebeutet habe! Ich bin stolz auf dich (Körper)!“ lösen in mir viel aus. Sie machen deutlich, dass es wichtig ist, Sport und Essen zu verbinden. Dies aber in einem angemessenen Maße. Nicht jeder dünne Mensch lebt gesund, genauso wenig lebt nicht jeder dicke Mensch ungesund. Dies bringt Tanja Marfo mit Ihrer Geschichte zum Ausdruck. Sie ist 41 Jahre und nebenbei als Plus-Size-Model tätig. Von sich selbst behauptet sie, dass sie sich „dick diätet“ hat. Dieses Phänomen kennen gewiss viele. Nicht ganz unschuldig sind dabei die ‚Klatschhefte‘, die zum Beispiel beim Friseur liegen und in mir gegensätzliche Gefühle auslösen. Auf den ersten Seiten werden Models, Schauspieler, Influencer usw. gezeigt, die sich für Galaabende in Schale geworfen haben. Es folgen Seiten zum Thema Diäten und Lebensoptimierung. Am Ende gibt es dann noch eine Menge Rezepte die zu keiner der genannten Diäten passen, sondern mehr Sahne beinhalten als der Kuchen tragen kann.

Natürlich sollen die Zeitschriften so viele Menschen wie möglich ansprechen, doch jede Woche eine andere Super-Diät, bei denen immer unterschiedliche Lebensmittel als ‚Dickmacher-Lebensmittel‘ bezeichnet werden und unbedingt vermieden werden sollten, gefolgt von Rezepten, die gegen all diese Regeln verstoßen, führen zu mehr Verwirrung und Resignation. Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Jana Momeni, einer starken, selbstbewussten Frau, die sich aufgrund einer Brustkrebserkrankung ihre Brüste hat abnehmen lassen: „Zur Weiblichkeit gehört mehr als ein straffer Busen. (…) Und es stimmt: Gesundheit ist flüchtig, auf jeden Fall ist sie nicht selbstverständlich. Wir sollten gut auf uns achten.“ Die Geschichten der vorgestellten Frauen zeigen exemplarisch, dass jeder Körper unterschiedlich ist und nicht unbedingt der gesellschaftlichen Norm entspricht. Vielleicht finden Sie sich an der einen oder anderen Stelle wieder.

Ich wünsche mir, dass wir durch offene Gespräche fähig sind (oder es werden),  unseren Körper zu akzeptieren. Lernen, dass er so wie er ist, respektiert und akzeptiert werden kann, denn er trägt uns durch das Leben, macht gute und schlechte Zeiten mit uns durch und weicht uns nicht von der Seite. Vielleicht ist es an der Zeit ihm mit ein wenig Akzeptanz zu danken. Ich spreche hier nicht direkt von Liebe, den Druck möchte ich nicht aufbauen. Aber man sollte sich vor Augen führen, was der Körper alles leistet. Meine Hoffnung ist, dass sich die Gesellschaft so verändert, dass wir Körper nicht mehr unaufgefordert kommentieren, weder wenn jemand ab- oder zunimmt noch wenn Körperstaturen nicht der vermeintlichen Norm entsprechen, sondern die Diversität endlich akzeptieren – und leben. Vielfalt ist bunt, schön und um einiges bereichernd.

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