HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2021. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2021. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ethik & Gesellschaft

Weltfrauentag – Rückfall in die Rollenbilder?

Anlässlich des internationalen Weltfrauentages am 8. März haben wir uns am Montag zusammen mit Ihnen einem Tabuthema angenommen – das weibliche Geschlechtsorgan. Die Autorinnen Josefine Britz und Iris Schmitt haben es in ihrem Buch „V“ -Alles über das weibliche Geschlecht schonungslos auf den Punkt gebracht: jeder kann einen Penis malen, aber kaum einer eine Vulva. Diese Frauen sind Antreiberinnen, wie so viele andere – die sich für Gleichstellung einsetzen und das bei jedem noch so kleinen alltäglichen Thema. Diese positiven Wellen der letzten Tage möchten wir noch einmal aufgreifen – teils auf politischer Ebene – damit diese Menschen und ihre Taten in den Vordergrund rücken.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 10. März 2021

Warum feiern wir eigentlich den Weltfrauentag? Die Initialzündung für den ersten internationalen Frauentag gab der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und Gleichberechtigung. Aus diesem Grund gingen am 19. März 1911 zum ersten Mal Millionen von Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark, Ungarn und in den USA auf die Straße, um für Wahlrecht, Mindestlöhne, bessere Arbeitsbedingungen sowie für die Schwächung des Abtreibungsgesetzes zu kämpfen. 1921 wurde der Weltfrauentag von der internationalen kommunistischen Frauenkonferenz auf den 8. März festgelegt und 1975 zum ersten Mal von den Vereinten Nationen die erste UN-Weltfrauenkonferenz abgehalten.

Das Motto des Weltfrauentages in diesem Jahr lautete: „Mehr Gewerkschaft, mehr Gleichstellung, mehr denn je“. Denn insbesondere Krisensituationen, in eben einer wie der Corona-Pandemie, darf nicht dazu führen, dass wir in „überwunden geglaubte Rollenmuster“ zurückfallen, mahnte auch Angela Merkel zum Weltfrauentag. „Es kann nicht sein, dass Frauen unsere Gesellschaften maßgeblich tragen und gleichzeitig nicht gleichberechtigt an wichtigen Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt sind. (…) Deshalb brauchen wir Parität in allen Bereichen der Gesellschaft. Dazu gehört auch: Frauen müssen endlich so viel verdienen können wie Männer.“, appellierte die Bundeskanzlerin.

Bedenkt man, dass der erste internationale Frauentag auf das Jahr 1911 zurückzuführen ist, dann ist es erschreckend welche elementaren Ungleichheiten der Geschlechter es weltweit noch gibt. Selbst in Deutschland ist Vergewaltigung in der Ehe erst seit 1997 strafbar, um nur ein Beispiel zu nennen. „Die Pandemie verschlimmert die ohnehin schon großen Ungleichheiten, denen Frauen und Mädchen ausgesetzt sind, und macht jahrelange Fortschritte bei der Gleichstellung zunichte.“, erklärt auch UN-Generalsekretär António Guterres.

Bleiben wir aber in Deutschland und sprechen über die aktuelle Pandemie-Situation – denn diese bringt, wie auch Angela Merkel mahnt, klassische Rollenmuster wieder verstärkt zum Vorschein: Frauen übernehmen den weitaus größeren Anteil der Arbeit in Haus und Familie. Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. 69 Prozent der Frauen gaben an, sich überwiegend selbst um die Hausarbeit wie Kochen, Kinderbetreuung und Homeschooling zu kümmern. Hingegen gaben nur elf Prozent der befragten Männer an, hier die antreibende Person zu sein. Damit einher gehen die Überlastungserscheinungen. 49 Prozent der Frauen gaben an, durch die Corona-Krise an ihre individuellen Grenzen gebracht zu werden – psychisch, emotional als auch körperlich. Bei den Männern waren es dagegen nur 30 Prozent. Von einer Trendverstärkung durch die Pandemie gingen die Fachleute der Bertelsmann-Stiftung nicht aus. „Die Befragung scheine weniger einen „Rückfall“ zu belegen als die Tatsache zu verdeutlichen, dass traditionelle Rollenmuster in Deutschland bisher kaum aufgebrochen worden seien“, erklärt Barbara von Würzen, Projektmanagerin der Bertelsmann-Stiftung.

Schließen wir aber noch mit ein paar erfreulichen Nachrichten im Sinne der Gleichstellung ab. Denn 100 Jahre sind nicht ohne Erfolge an uns vorbeigegangen und hier gilt es anzusetzen und weiterzumachen:

  • Von 453.000 Abiturienten (2016) in Deutschland waren 53 Prozent Mädchen.
  • Jede vierte Führungskraft auf oberster Leitungsebene ist bei uns eine Frau.
  • 48 Prozent der Ärzte in Deutschland sind Frauen.
  • Jede dritte neue Firma in Berlin wird von Frauen gegründet.
  • Bis heute gingen 48 Nobelpreise an Frauen, an Marie Curie sogar zwei.
  • Kanzlerin Merkel ist laut „Forbes“-Liste drittmächtigster Mensch.
  • Frauen erwerben über 45 Prozent der deutschen Doktortitel.
  • 13 Länder haben eine Präsidentin.
  • (Quelle: https://www.bz-berlin.de/deutschland/40-fakten-zum-internationalen-frauentag-am-8-maerz)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*