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Ethik & Gesellschaft

Integration in Deutschland. Schaffen wir das wirklich?

Fünf Jahre nach „Wir schaffen das“ hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im August 2020 Zahlen zur Integration der von 2013 bis 2016 nach Deutschland geflüchteten Menschen veröffentlicht. Hierbei wird deutlich, dass die Integration in einigen Bereichen besser gelungen ist, als in anderen.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 18. Januar 2021

Von 2013 bis Ende 2019 wurden ingesamt 1,8 Millionen Asylanträge gestellt. Davon allein 1,1 Millionen in den Jahren 2015 und 2016. Diese Zahl verlangte von der Regierung und den Behörden veränderte Vorgehensweisen. Die Asylanträge wurden schneller bearbeitet und 74 % der Schutzsuchenden erhielten einen anerkannten Schutzstatus. Bei diesem Schutzstatus handelt es sich aber keinesfalls um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Nur etwa jeder fünfte geflüchtete Mensch konnte sich Ende 2019 über einen unbefristeten Aufenthaltstitel freuen. Alle anderen erhielten Aufenthaltsgenehmigung für maximal ein bis drei Jahre. Diese ungewisse Zukunft macht es den Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt nicht unbedingt leichter.

Die Firmen stellen ungerne Menschen ein, bei denen nicht klar ist, ob sie für längere Zeit in Deutschland bleiben können. Der Titel, der eine unbefristete Zukunft in Deutschland ermöglicht wird jedoch gerne erst vergeben, wenn der geflüchtete Mensch eine feste Arbeit hat. Ein Teufelskreislauf, den Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbund immer wieder kritisiert. Die Schutzsuchenden arbeiten vorwiegend in Helferjobs. Wido Geis-Thöne, Forscher am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), gibt zu bedenken, dass den geflüchteten Menschen die Möglichkeit gegeben werden muss, ihre Qualifikationen zu verbessern, in dem man sie fördert. Nur so ist ein Sprung aus den Helferjobs in die anspruchsvolleren Fachkraftstellen vorstellbar. Der Bericht legt weiter offen, dass auch hier die Chancen für Frauen geringer sind, als für Männer. Immer wieder bleiben Frauen erwerbslos. Gründe sieht der Bericht darin, dass besonders geflüchtete Frauen sich um die Kinder kümmern müssen, weil das Betreuungsangebot für diese nicht wirklich vorhanden ist. Außerdem wird deutlich, dass eine frühe Sprachförderung wichtig ist, um in Deutschland und auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. 

Abschließend lässt sich sagen, dass die Integration einen langfristigen Plan benötigt und es nicht mit einem kurzen Sprachkurs getan ist. Die Zahlen zeigen auf, dass es wichtig ist, einen Sprachkurs erfolgreich abzuschließen. Dies gibt den Menschen nicht nur ein so stark benötigtes Erfolgserlebnis sondern verringert auch die Hürden im Beruf und der alltäglichen sozialen Umgang. Die Corona-Krise trifft gerade die schutzsuchenden Menschen besonders hart. Dadurch, dass sie oft in Zeitarbeitsfirmen für die Gastronomie oder das Handwerk arbeiten, haben viele ihren Job und somit auch die deutsch-sprechenden sozialen Kontakte verloren. Hoffen wir, dass sich die Integration weiterentwickelt und wir bald von Inklusion sprechen können. 

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