HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2021. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2021. Weitere Informationen finden Sie hier.

Sport & Gesundheit

Krebs-Awareness oder Quoten-Strip?

Gestern fand zum 21. Mal der Weltkrebstag statt. Er wurde ins Leben gerufen, um auf Krebs und die Möglichkeiten der Früherkennung aufmerksam zu machen. Der Fernsehsender VOX hat zu diesem Zweck ein TV-Format ins Leben gerufen, bei dem Promis für die gute Sache die Hüllen fallen lassen. Eine gute Idee oder Quotenhascherei?

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 5. Februar 2021

Blank ziehen ist ein altbekanntes Mittel. Quasi ein Garant für maximale Aufmerksamkeit. Vor allem, wenn es in einem Zusammenhang steht, den man nicht sofort mit Nacktheit verbindet, wie beispielsweise die Anti-Pelz-Kampagne die die Tierschutzorganisation PETA im Februar 2020 nach 30 Jahren beendet hat.

Krebs ist eine altbekannte Krankheit. Die Vorsorgemöglichkeiten verdienen maximale Aufmerksamkeit. Das hat der Fernsehsender VOX sich nicht zweimal sagen lassen und pünktlich zum Weltkrebstag ein recht eigenwilliges Format ins Leben gerufen: in „Showtime of my life“ lernen Promis durch verschiedene Challenges ihre Hemmungen zu überwinden, um am Ende auf der Bühne vor Publikum zu strippen.

Nun denken Sie vielleicht, dass das doch ein normaler Prozess ist, den die meisten professionellen Stripteasetänzer und -tänzerinnen einmal durchlaufen haben. Vielleicht fragen Sie sich auch, was das nun mit Krebs zu tun hat und warum das ein Millionen-Publikum verdient. Diese Frage habe ich mir auch gestellt und kann sie bis heute nur bedingt beantworten. Die Promis, die in dem Format (das wie eine Mischung aus Dschungel-Camp, Shopping Queen und The Biggest Looser daherkommt) auftreten, hatten allesamt entweder selbst Krebs oder kennen jemanden im nahen Umfeld, der Krebs hatte. Das ist traurig und bisweilen berührend, doch bei einer der Top-Volkskrankheiten wenig überraschend. Zwischen den einzelnen Challenges finden Gesprächskreise statt, in denen sich die Protagonisten über ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit der Krankheit austauschen. Im Fazit sind sich alle einig: Frühzeitige Krebsvorsorge kann Leben retten!

Um das Ganze wieder auf das gewohnte Unterhaltungsniveau eines Privatsenders zu bringen, übt Tanzjuror Joachim Llambi mit den Teilnehmern die Choreographie für den Bühnenstrip, während Guido Maria Kretschmer Backstage im Einzelinterview deren charakterliche und physische Beschaffenheit analysiert und kommentiert. So beschreibt er den Comedian Faisal Kawusi beispielsweise als „Masse Mensch“, was die blumige Übersetzung für Adipositas ist. Im Gegensatz zu den anderen – recht schlanken und oft durchtrainierten – Teilnehmern bestach der aber durch Gelassenheit und Selbstbewusstsein.

Im Laufe der Sendung stellte sich schnell ein Dschungelcamp-Effekt ein, so dass die Promis gar nicht mehr wahrnahmen, dass ständig Kameras für ein Millionen-Publikum filmten. Stattdessen entstand eine fast schon intime Atmosphäre, die sich auch auf die Abschluss-Show erstreckte. Während des finalen Gestrippes saßen nur wenige Menschen aus dem direkten Umfeld im Publikum und applaudierten euphorisch als das beste Stück ihres Lieblings hinter der Stripper-Kapitänsmütze verschwand. Um den eigentlichen Schwerpunkt nicht aus den Augen zu verlieren, stand währenddessen  in Leuchtlettern „VORSORGE RETTET LEBEN! LASST EUCH UNTERSUCHEN!“ im Hintergrund geschrieben.

Ich habe fast meine ganze Familie durch Krebs verloren und weiß, wie viel Mut mit der Krankheit, den Vorsorgeuntersuchungen und den Therapiemaßnahmen verbunden ist. Vielleicht ist das der Grund, weshalb mich diese Form der Awarness-Kampagne nicht besonders angesprochen hat. Wenn aber auch nur die Hälfte der 1,36 Millionen Zuschauer die Sendung am Dienstag zum Anlass genommen hat, sich zur Krebsvorsorge anzumelden, dann haben die TV-Macher meine vollste Hochachtung.

Wir haben im vergangenen Jahr übrigens auch eine Brustkrebs-Awareness-Kampagne ins Leben gerufen. Allerdings haben wir hierzu keine Kleidung ab-, sondern angelegt: den Schnutenpulli von „Hamburg wird pink!“. Um ein Zeichen gegen Brustkrebs zu setzen, haben wir gemeinsam mit der Agentur hesse und hallermann den leuchtenden Mund-Nasen-Schutz kostenlos verteilt und mit den eingesandten Selfies in Zeiten des Social Distancing Gemeinschaft geschaffen. Entstanden ist ein Kampagnen-Film, der auch ohne Nacktheit berührt und auf den Social Media Kanälen eine große Fangemeinde hat:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*