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Umwelt & Nachhaltigkeit

Mehr Müll auf den Teller

Rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel werden weggeworfen. In den USA werden 90 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel nicht fachgerecht entsorgt und produzieren auf Müllhalden Methan, ein Treibhausgas, das über 23-mal stärker wirkt als Kohlenstoffdioxid. Die weltweite Lebensmittelverschwendung in den Industrieländern kostet uns jährlich rund 683 Mrd. Dollar während laut den Vereinten Nationen 821 Millionen Menschen, also jeder neunte, im Jahr 2017 an Hunger litten.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 6. April 2021

Die Dokumentation „Wasted! Die Geschichte der Lebensmittelverschwendung“ liefert erschreckende Zahlen, aber sie zeigt auch Lösungswege auf, mit denen wir der Verschwendung Einhalt gebieten, wesentlich mehr Menschen satt machen und  klimafreundlich wirtschaften können. Dabei sind die Ideen, die dort vorgestellt werden und die unzählige Start-Ups gerade umsetzen, nicht einmal neu. Unsere Großeltern wussten noch, wie man Lebensmittel vollständig verwertet, so dass kaum etwas weggeworfen werden musste. Sie wussten wie Äcker bepflanzt werden müssen, so dass jeder Anbau die beste Bodenbeschaffenheit für die nächsten Pflanzen schafft. Das erste, was Köche lernen, ist die nahezu vollständige Verwertung von Lebensmitteln.

Was ist also schiefgegangen bei uns in den letzten Jahrzehnten?  Warum ruinieren Bauern ihre Erde mit Monokulturen und vernichten komplette Ernten, weil das Gemüse optisch nicht Supermarkt-tauglich ist? Warum stopfen Supermärkte ihre Regale bis zum Ladenschluss randvoll mit frischen Waren, die dort binnen kürzester Zeit verderben? Warum haben mittlerweile sogar Wasserflaschen ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und weshalb wird die Spanne zwischen MHD und dem eigentlichen Verfallsdatum immer größer? Weshalb überfrachten viele Restaurants die Teller, anstatt ihren Gästen einen Nachschlag anzubieten?

Wer die Schuld an dieser Entwicklung trägt, ist eigentlich egal, denn entscheidend ist nur, die Situation endlich zu ändern. Wir produzieren definitiv nicht zu wenig Lebensmittel, aber wir verteilen sie falsch. Wenn wir Nahrungsmittel aus entfernten und ärmeren Ländern kaufen, schädigen wir nicht nur durch die langen Transportwege das Klima, sondern nehmen sie den Menschen weg, die dort leben und sich die Lebensmittel nicht leisten können, weil sie durch den Export so teuer geworden sind. Zudem haben viele Bauern in den Ländern zwar die Möglichkeit zum eigenen Anbau, aber keine Gelegenheit zur Lagerung oder dem Transport.

Die US-Umweltschutzbehörde (US EPA) hat eine Lebensmittelabfallpyramide (s. Beitragsbild) veröffentlicht, die darstellt, wie Lebensmittel bestenfalls verwendet werden sollten. Angefangen mit einem bewussten Konsumverhalten, sollten die Lebensmittel vorrangig der Ernährung der Menschen dienen. Was für Menschen nicht mehr genießbar ist, sollte zu Tiernahrung verarbeitet werden. Falls das auch nicht mehr möglich ist, kann der Abfall immer noch der Energiegewinnung dienen bzw. kompostiert und somit dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt werden.

Die Dokumentation stellt Schulprojekte vor, in denen nicht nur das Gemüse selbst angebaut, sondern der gesamte natürliche Kreislauf von den „Kompostierkapitänen“ der einzelnen Schulklassen umgesetzt wird. Die Folge ist, dass sich die Kids plötzlich nicht mehr von Burgern, sondern von „ihrem“ Gemüse ernähren wollen, die ökologischen Zusammenhänge verstehen und eine ganze Gesellschaft verändern.

Weltweit haben Köche es sich zur Aufgabe gemacht, nachhaltige Gerichte zu kreieren, in dem sie aus dem, was wir als Abfall bezeichnen, Delikatessen  zaubern. So landet die Parmesanrinde in der Brühe, um umami zu erzeugen. Gemüse, wie beispielsweise Blumenkohl, bringt plötzlich 60 Prozent mehr in die Küche, weil die köstlichen und hochnährstoffreichen Blätter mit verwertet werden. Schweineenddarm, -uterus und -zitzen sind sicher die größeren Herausforderungen. Doch auch sie landen am Ende als Delikatessen auf dem Teller.

In der Refettorio Ambrosiano, der Armenküche Mailands, gilt es nicht nur Mägen zu füllen. Die Köche verwandeln die Lebensmittel, die sie von Wochenmärkten sammeln, mit viel Liebe, Mühe und gutem Design in etwas Zauberhaftes, um ihre Gäste nicht nur satt zu machen, sondern ihnen ihre Würde wiederzugeben.

Ich könnte Ihnen noch endlos viele Beispiele aufzählen. Der Appell der Doku ist ganz einfach: Werden Sie ein aktiver Bürger! Kaufen Sie bewusst, regional, saisonal! Experimentieren Sie und denken Sie darüber nach, wie Sie Lebensmittel durch Dörren, Einfrieren oder ähnlichem haltbarer machen. Mein persönlicher Appell ist noch viel einfacher: Schauen Sie diese Doku!

Wasted! Die Geschichte der Lebensmittelverschwendung

 

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