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Ethik & Gesellschaft

P.S. Ich liebe Dich

Heute, am Weltbuchtag möchten wir Ihnen die Fortsetzung des Spiegelbestsellers P.S. Ich liebe dich vorstellen. „Postscript – Was ich dir noch sagen möchte“ ist eine eigene Geschichte, der man problemlos folgen kann, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat. Der Roman befasst sich mit dem Sterben, dem Abschiednehmen und der Angst vergessen zu werden.

Veröffentlicht von Pia Kracke am 23. April 2021

Holly hat ihren Mann Gerry viel zu früh an Krebs verloren. Im ersten Teil begleitet man das Paar auf ihrem gemeinsamen Weg bis zum Tod und darüber hinaus. Denn Gerry sendet Holly jeden Monat einen Brief, in dem er ihr eine Aufgabe stellt, die sie immer weiter zurück ins Leben führen soll. Jahre später arbeitet sie im Secondhandladen ihrer Schwester, die sie zu einem Podcast überredet, in dem sie von ihrer Geschichte mit Gerry erzählen soll. Anfangs sträubt Holly sich, doch nachdem sie sich überwindet an dem Podcast teilzunehmen, wird ihr die Tragweite erst bewusst. Der Podcast wird nicht nur live im Laden vor Publikum aufgenommen, sondern auch auf Streaming Plattformen veröffentlicht. Immer mehr Menschen kommen in den Laden, um die Geschichte von Holly und Gerry weiter zuhören oder Tipps zu erhalten.

Eines Tages kommt Angela in den Laden, nicht nur um erneut ihre sehr hochwertige Kleidung den Schwestern für den Secondhandladen zu spenden, sondern auch um Holly zu erzählen, dass sie einen P.S. Ich liebe dich-Club gegründet hat. Sie bittet Holly bei einem Treffen dabei zu sein, um die Mitglieder bei ihren Vorhaben zu unterstützten. Für Holly bricht eine Welt zusammen. Jahrelang hat sie versucht eine Schutzmauer um sich zu errichten und das Thema Sterben, Tod und Abschiednehmen so weit wie möglich von sich zu weisen. Wird es ihr möglich sein sterbende Menschen zu begleiten und zu unterstützen? Auch ihre Familie ist da zwiegespalten. Ist sie schon so weit und kann andere unterstützen oder wird sie sich durch die Arbeit nur weiter aus dem realen Leben zurückziehen? Ohne zu viel verraten zu wollen, der P.S. Ich liebe dich-Club bringt einiges ins Rollen und hilft nicht nur den Sterbenden und deren Angehörigen.

Während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, was bleibt von uns, wenn wir die Erde verlassen? Werden die Erinnerungen an die schönen Momente mit dem Verstorbenen immer bleiben? Werden sie langsam verblassen, bis sie irgendwann verschwunden sind? Was ist möglich, um diese so lange wie möglich aufrecht zu erhalten oder wird das gar nicht gewünscht? Und was ist mit den Gefühlen, die man hat, aber aus Scham niemandem mitgeteilt hat? Werden die Hinterbliebenen wissen, dass man sie geschätzt und geliebt hat, obwohl man sich auch das ein oder andere Mal mit ihnen gestritten hat?

In dem Zusammenhang ist mir das Buch Frederick die Maus in den Kopf gekommen. Während alle anderen Mäuse Früchte, Getreide und andere Dinge für den Winter sammeln und sich anstrengen, so viel wie möglich zu arbeiten, sitzt Frederick auf einem Stein und guckt sich alles ganz genau an, spürt die Sonne, den Wind und nimmt die Gerüche und Geräusche ganz deutlich wahr. Immer wenn ihn jemand fragt, warum er nicht hilft, sagt er, er hat eine wichtige Aufgabe, die sie erst im Winter wirklich zu schätzen wissen werden. Dem Herbst folgt ein langer Winter und die Mäuse werden in ihrem dunklem Bau immer trauriger. Dann beginnt Frederick von seinen Erinnerungen zu erzählen und lässt den Bau leuchten, bringt den anderen Mäusen die Gerüche und Geschmäcker des Sommer ins Gedächtnis zurück und auf einmal ist es nicht mehr so schwer den Winter im Bau zu überbrücken.

Das letzte Jahr fühlt sich für mich manchmal auch wie ein verdammt langer Winter an, in dem ich an die Zeit vor Corona denke und mir immer wieder mit meinen Freunden und meiner Familie Bilder aus vergangenen Zeiten angeguckt um mich in die Situation zurückzuversetzen. Die Fotos lösen Gefühle aus, die es mir leichter machen, mich mit der aktuellen Situation zu arrangieren. Ähnlich wünsche ich es mir nach meinem Tod. Ich möchte, dass meine Freunde und meine Familie sich an die schönen Momente erinnern. Ob das nun durch Fotos, kleine Texte oder bloße Erinnerungen sind, ist mir dabei vollkommen egal. Vergessen werden möchte ich nur nicht und darum möchte ich so viele Erfahrungen wie möglich sammeln und mit besonderen Menschen teilen. Was wäre ihnen wichtig, sollten Sie die Erde verlassen? Würden ihre Liebsten wissen, was Sie an ihnen schätzen und warum genau diese Menschen zu ihrem Club der Liebsten gehören?

Postscript – Was ich dir noch sagen möchte
Fischer Verlag (23.10.2019), Taschenbuch, 432 Seiten, ISBN 978-3-596-29683-5

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