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Kinderschutz

Scannen des Smartphones gegen Kindesmissbrauch? Pro und Contra

Die Meldung verbreitete sich schnell und wird seitdem kontrovers diskutiert: Apple möchte Daten und Inhalte auf den eigenen Geräten wie iPhone oder iPad scannen, um kinderpornographisches Material zu lokalisieren und die jeweiligen Nutzer den Strafverfolgungsbehörden melden. Was der Eindämmung von Kinderpornographie dient, ist gleichzeitig ein Eingriff in den Datenschutz – und damit ein Streitthema.

Veröffentlicht von Lars Wöhrmann am 30. August 2021

Es ist ohne Frage ein mutiger Schritt: 2019 kündigte Apple in den Datenschutzbedingungen an, „hochgeladene Inhalte auf potenziell illegale Inhalte“ auf iPhones und iPads zu scannen; „darunter Materialien in Zusammenhang mit der sexuellen Ausbeutung von Kindern“. Dies wird mit dem Softwareupdate iOS 15, das im September vorgestellt wird, ausgerollt und soll vorerst nur in den USA greifen. Technisch sollen Fotos mit denen aus einer Datenbank mit Missbrauchsbildern, die von einer Kinderschutzorganisation zur Verfügung gestellt wurden, abgeglichen werden. Gibt es eine Übereinstimmung, meldet Apple den Vorfall den Strafverfolgungsbehörden.

Grund für solch eine Überwachung gibt es – leider – zur Genüge: Allein in Deutschland gab es im letzten Jahr laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2020 einen Anstieg bei „Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von sexuellen Missbrauchsabbildungen, sogenannter Kinderpornografie“ um 53 Prozent, Kindesmissbrauch ist um 10 Prozent gestiegen. Erschreckende Zahlen, die durch die Pandemie noch verstärkt wurden und den Vorstoß von Apple als notwendig erscheinen lassen.

War on your Privacy
Doch es gibt auch Kritik seitens Bürgerrechtler und Datenschützer. Dabei müssen nicht nur Fragen wie die Rechtmäßigkeit, alle Fotos auf dem eigenen Smartphone scannen zu lassen, geklärt werden. Edward Snowden warnte in seinem Newsletter davor, dass er sich „keine gefährlichere Bedrohung für die Sicherheit eines Produktes als den Missbrauch durch seinen eigenen Hersteller.“ – das iPhone wird demnach zum „spyPhone“. Er spricht von „War on your privacy“. Bürgerrechtler sehen die Gefahr, dass totalitäre Regime diese Möglichkeit nutzen, Oppositionelle zu identifizieren und zu verfolgen.

Dass gegen Kindermissbrauch dringend etwas getan werden muss, ist jedem klar – insbesondere bei den oben erwähnten steigenden Zahlen. Ob dafür 1,65 Milliarden Apple-Nutzer in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt werden sollen und können, steht auf der anderen Seite. Wir meinen, dass die neue Funktion ein Schritt in die richtige Richtung ist, Täter zu identifizieren und den Missbrauch einzuschränken. Apple tut gut daran, den Prozess von Datenschützern und Bürgerrechtlern begleiten zu lassen und so sicherzustellen, dass private Daten auch privat bleiben, Täter aber trotzdem überführen zu können. Das wäre der elegante Mittelweg.

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