HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2021. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2021. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ethik & Gesellschaft

Zusammen überleben wir das Ende der Welt

„Ein kleines Dorf. Eine Epidemie und eine globale Krise. Und eine große Geschichte über die Menschlichkeit.“ Diese Beschreibung könnte auf einen Roman aus dem Jahr 2020 passen. Erstaunlich ist aber, dass John Ironmonger „Der Wal und das Ende der Welt“ bereits 2015 veröffentlicht hat. Es ist kaum zu glauben, aber für uns alle nicht denkbare Szenarien wurden von Ironmonger schon lange vor dem Corona-Virus vorhergesehen.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 15. Januar 2021

Die Geschichte ist kurz erzählt. Erst wird ein junger Mann angespült. Dann strandet ein Wal. Grund genug für das sonst ereignislose Leben der dreihundertsieben Bewohner des Fischerdorfs St. Piran anzunehmen, dass etwas Eigenartiges vor sich geht. Doch keiner von ihnen ahnt, wie existentiell ihre Gemeinschaft bedroht ist. So wie das ganze Land. Und vielleicht die ganze Welt. Weil in unserer globalisierten Welt alles mit allem zusammenhängt.

John Ironmonger gelingt es in seinem Roman „Der Wal und das Ende der Welt“ die verworrenen Beziehungen und Abhängigkeiten auf der Erde zu erklären. Naturkatastrophen und Aktienkurse. Ölpreise und Lieferketten. Eine Grippeepidemie und Hungersnot. Mensch und Wal.

„Uns trennt gar nicht so viel, dachte Joe. Wir sind beide Säugetiere. Wir atmen dieselbe Luft. Wir betreten diese Welt durch einen blutigen Geburtskanal, wir halten uns mit aller Kraft an diesem zerbrechlichen, vergänglichen Moment der Magie fest, den wir Leben nennen. Und dann, eines Tages, gehen wir.“

„Ironmonger erzählt eine mitreißende Geschichte über das, was uns als Menschheit zusammenhält. Und stellt die wichtigen Fragen: Wissen wir genug über die Zusammenhänge unserer globalisierten Welt? Und wie können wir gut handeln, wenn alles auf dem Spiel steht?“ Ohne das Ende des Romans vorweg zu nehmen, die Menschlichkeit wird zur einzigen nicht berechenbaren Göße in diesem Spiel, das wir Leben genannt haben.

Diese Menschlichkeit scheint mir persönlich in der aktuellen Zeit manchmal verloren zu gehen. Es ist nicht zu erwarten, dass in der zweiten harten Lockdown-Phase, nach dem überstandenen Frühjahr, die Menschen in ihrer Freizeit erneut auf die Balkone hinausgehen und Konzerte geben. Dass täglich für Ärzte und Pfleger applaudiert wird und in jeder geschäftlichen sowie privaten Nachricht „bleiben Sie gesund“ gewünscht wird. Denn ebenso wie wir Menschen faszinierend schnell den Virus in unseren neuen Alltag integriert haben, umso weniger besonders ist diese Situation für uns. Fernab von den großen Gesten und Aktionen gilt es aber, vor allem in diesem schwierigen neuen Alltag, unsere Menschlichkeit zu bewahren. Abstand halten ist gut, aber es sollte mich nicht davon abhalten, die Menschen auf der Straße zu grüßen. Die Nachbarn in Ihrem Haus brauchen ebenso Ihre Hilfe bei Einkäufen & Co., wie auch im ersten Lockdown. Mir hat dieses neue Gemeinschaftsgefühl in meiner Nachbarschaft gefallen und die dunkle Jahreszeit ist für mich kein Grund, diese Menschlichkeit hinter verschlossenen Türen zu verstecken. Wenn Sie dafür neue Motivation brauchen werfen Sie ein Blick in „Der Wal und das Ende der Welt“ und lassen Sie sich mitreißen von den Bewohnern des kleinen Dorfes St. Piran und ihrer Gemeinschaft. Sie hätten zusammen auch das Ende der Welt überlebt.

Der Wal und das Ende der Welt, John Ironmonger
ISBN: 3596704197
EAN: 9783596704194 Originaltitel: Not Forgetting The Whale.
13. Auflage.
Übersetzt von Maria Poets, Tobias Schnettler
FISCHER Taschenbuch
476 Seiten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*