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Sport & Gesundheit

Grünes Licht für die Gesundheit

Bereits auf den 12. August fiel der diesjährige „Kinder-Überzuckerungstag“. Bis zu diesem Tag haben die Kinder und Jugendlichen in Deutschland schon so viel Zucker konsumiert, wie für das ganze Jahr empfohlen wird. Basis dieser Berechnungen sind die Empfehlungswerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach höchstens zehn Prozent der täglichen Ernährung aus Zucker bestehen sollte. Männer erreichten das empfohlene Zucker-Jahreslimit übrigens am 20. September, Frauen am 8. Oktober.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 25. Oktober 2019

Das frühe Erreichen des „Zuckerlimits“ unterstützt die Kritik der Initiative foodwatch, dass von der Branche überzuckerte Lebensmittel zu aggressiv beworben werden dürfen und damit nachhaltig im Gedächtnis der Kinder bleiben. foodwatch appelliert schon seit längerem an die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner, dass Werbebeschränkungen eingeführt werden müssten und das nur noch ausgewogene Produkte gezielt an Kinder vermarktet werden dürften.

Die Ernährungsministerin verfolgt dieses Vorhaben aktuell nicht, hat aber kürzlich ihren Widerstand gegen die Nutri-Score-Ampel aufgegeben. Grundlage ihrer Entscheidung war das Ergebnis einer Verbraucherumfrage, die zugunsten des Nutri-Scores ausgefallen war. Mit 57 Prozent hat sich das Nutri-Score-Modell bei den Verbrauchern deutlich gegen die anderen Kennzeichnungsmethoden durchgesetzt. Auf einer fünfstufigen Skala von Rot bis Grün, signalisiert das Modell wie eine Ampel, ob die angebotenen Lebensmittel gut oder schlecht sind. Dabei bewertet das System nicht nur den einfachen Kaloriengehalt sondern bezieht neben dem Gehalt an Zucker, Fett und Salz empfehlenswerte Bestandteile wie Proteine, Vitamine und Ballaststoffe in eine Bewertung mit ein und gibt dann einen einzigen Wert an: von „A“ auf dunkelgrünem Feld für die günstigste Bilanz über ein gelbes „C“ bis zu einem roten „E“ für die ungünstigste. Das zutreffende Feld wird hervorgehoben.

Die Orientierung für die Verbraucher, auf dem sich kontinuierlich füllenden Lebensmittelmarkt, wirkt einfach und die Chancen stehen gut, dass sich das Modell ebenso wie in Frankreich und Belgien etablieren wird. Zum Beispiel hat die französische Regierung anhand einer groß angelegten Studie unter realen Einkaufsbedingungen bewiesen, dass der Nutri-Score nachweislich zu einem gesünderen Einkaufsverhalten führt. Der Umsetzung in Deutschland steht bald nur noch die tükische Freiwilligkeit gegenüber. Denn der Verordnung Klöckners, die es deutschen Unternehmen in Zukunft ermöglichen soll, den Nutri-Score zu nutzen, wird zunächst freiwillig bleiben. Eine gesetzliche Verpflichtung allein auf nationaler Ebene ist nach europäischem Recht nicht möglich.

Als erste große Supermarktkette hat Aldi bereits angekündigt den Nutri-Score umzusetzen, sobald die Verordnung in Kraft tritt. Andere Handelsketten wie Rewe, Edeka und Lidl reagierten verhaltener auf die Ankündigung Klöckners und möchten wie z.B. Edeka erst eigene Praxistests durchführen.

Neben der Einführung des Nutri-Scores und dem Appell zur Einführung von Werberegulierungen, wurden kürzlich auch Stimmen von Medizinern und Gesundheitsexperten laut, die sich für die Einführung einer Zuckersteuer aussprachen. „Immer mehr Kinder hierzulande sind übergewichtig“, erklärt Gesundheitsexperte und Sozialdemokrat Karl Lauterbach und fordert deshalb neben dem überfälligen Tabakwerbeverbot, mit der Zuckersteuer, das zweite große Präventionsprojekt, was dringend angegangen werden muss. Dass eine Zuckersteuer funktionieren kann, zeigt das Beispiel Großbritanniens. Auch wenn die Briten in Entscheidungsfindungsprozessen aktuell keine Vorreiterrolle einnehmen, gelingt ihnen das immerhin bei der Umsetzung von Gesetzen. Der im April 2018 eingeführten Steuer auf zuckerhaltige Getränke, folgten bereits ein halbes Jahr später die Anpassungen der Hersteller. Die Hälfte aller Hersteller senkte den Zuckergehalt ihrer Softdrinks unter die Fünf-Gramm-Grenze. „Im Endeffekt müssen wir zu einer gesunden Mehrwertsteuer kommen, also weniger Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel und höhere Steuern auf ungesunde“, appelliert auch Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storck von der SPD an ihre politischen Mitstreiter. Wiederspruch findet die Zuckersteuer vor allem in der Union. Wenn das einzige Argument allerdings die „Bevormundung“ der Verbraucher bleibt, sollte auch in diesem Punkt der Widerstand von Julia Klöckner bald dahinschwinden.

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