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Kinderstadt Hamburg

Wahrscheinlich ist es Ihnen auf dem täglichen Weg zur Arbeit oder in die Uni aufgefallen: Hamburgs Straßen, Busse und Bahnen sind wieder richtig voll – die Hamburger Herbstferien sind zu Ende. Der rot-grüne Senat, um Schulsenator Ties Rabe, hat die Ferien genutzt und die Anpassungen des Schulentwicklungsplans für Hamburg beschlossen. Die Kosten belaufen sich auf mehr als vier Milliarden Euro.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 22. Oktober 2019

Der angepasste Schulentwicklungsplan von Mai 2019 umfasst in erster Linie die Errichtung einer größeren Anzahl neuer Schulen. Geplant waren für das kommende Jahr 39, jetzt sollen es im Hamburger Raum 44 neue Schulen werden. Mit dieser Anpassung greift Schulsenator Ties Rabe die Anmerkungen und Vorschläge aus den Bezirksversammlungen, den Schulgemeinschaften sowie die von Kammern und Verbänden auf. Insgesamt sollen 21 Grundschulen, 13 Stadtteilschulen und sieben Gymnasien neu gebaut werden. Insbesondere in den Bezirken Bergedorf und Harburg sieht die Schulbehörde großen Neubaubedarf, weil aufgrund massiven Wohnungsneubaus, hier die Anzahl der schulpflichtigen Kinder ansteigen wird. Hinzu kommt, dass in ganz Hamburg bis 2030 ein Anstieg der Grundschüler um 25 Prozent erwartet wird. Insgesamt muss Hamburg sogar mit einer wachsenden Schülerzahl von 40.000 auf 215.000 Jungen und Mädchen rechnen. Dementsprechend werden neben den Neubauten auch 123 Schulen in Hamburg vergrößert und modernisiert.

Welche Auswirkungen diese Fakten nicht nur auf den Ausbau der Kapazitäten von Hamburgs Schulen haben, sondern vor allem was das für das Fachpersonal bedeuten wird, ist Rabe sehr wohl bewusst, aber gelöst ist das Problem noch lange nicht. „Wie enorm diese Aufgabe ist, zeigt sich daran, dass rechnerisch jeder zehnte Abiturient in Hamburg Lehrer werden müsste. Dabei soll es ja auch andere interessante Berufe geben“, bezieht Rabe zu dem bestehenden und wachsenden Lehrermangel Stellung. Die Schulbehörde hat bereits reagiert und die Zahl der Refendarsstellen aufgestockt. Im nächsten Schritt geht es darum, die Anzahl der Studierenden zu erhöhen. Aktuell machen rund 650 Lehramt-Studenten ihren Masterabschluss und sind somit für das Referendariat qualifiziert. Rabes Kalkulationen nach müssen es perspektivisch 900 werden.

Der Plan der Campus-Stadtteilschulen wurde aufgrund großer Kritik allerdings abgeschwächt und ein Neubau von zehn auf sechs Schulen reduziert. Bei dem Modell der Campus-Schule werden die Stadtteilschulen um einen Gymnasialzweig ergänzt. Dieses Modell befürwortet Rabe weiterhin nur erkennt er an, dass das Modell in einigen Stadtteilen nicht funktionieren würde.

Neben den Rahmenbedingungen geht es den Kritikern schon lange auch um die Inhalte der Lehrpläne. Die größten Kritiker sind die Eltern der Schulkinder. Laut der „Bildung und Schule Elternstudie 2019“ vergeben die Eltern schlechte Noten an die staatlichen Schulen. Zum Beispiel wünschen sich neun von zehn Eltern, dass Schule nicht nur auf Prüfungen ausgerichtet sein sollte, sondern vor allem eine selbstbewusste Persönlichkeit fördern müsste. Diese Meinung unterstützt auch der Erziehungswissenschaftler Heiner Barz: „90 Prozent der Wissensinhalte in den Lehrplänen kann man streichen. Es kommt darauf an, das Lernen zu lernen. Und Selbstbewusstsein, Persönlichkeitsentwicklung zu entwickeln, also Soft Skills – das ist mindestens genauso wichtig wie akademische Inhalte.“ Diese Idee unterstützt auch die Initiative der Patriotischen Gesellschaft Hamburg. Ihr Vorhaben zu einer „Kinderstadt“ lehnt sich an das Münchener Vorbild an, wo die Ferien seit vier Jahrzehnten auch dazu genutzt werden, den Kindern andere Lern- und Lebensinhalte zu vermitteln. In „Mini-München“ können Kinder zwischen sieben und 15 Jahren, drei Wochen in den Sommerferien, aktiv sein und z.B. Pflanzen in einer Gärtnerei gießen, Häuser in einem Architektenbüro entwerfen, zu Köchen und Taxifahrern werden, zu Journalisten, Hochschullehrern, Künstlern oder Politikern. Helga Treeß, zweite Vorsitzende der Patriotischen Gesellschaft sieht hier großes Potenzial für Hamburg: „Wir wollen ein Nachdenken in Hamburg anstoßen, wie wir Lernen und Bildung organisieren.“ Es fehle aktuell oft der direkte Bezug zu unserem Gemeinwesen, es mangele an Erlebnissen und damit verbundenen Gefühlen. Auf diese Weise bleibe das Lernen meist oberflächlich, heißt es in ihrer Stellungnahme weiter.

Alles gute Gründe, um weiterhin nicht still zu sein und sich für die Zukunft unserer Gesellschaft – der Kinder – zu engagieren.

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