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Kultur

Nichts für Kinder: Geschichten aus der Grundschule

Auf den Autor des Buches „Nichts für Kinder: Geschichten aus der Grundschule“ Johannes „Herr Müwie“ Müller-Wieland treffen viele Beschreibungen zu, der Beruf des Autors ist es wohl am wenigsten. Auf der einen Seite ist er in der Familienhilfe tätig und war als Schulbegleiter für „Problemkinder“ aktiv. In dem anderen Teil seines Lebens ist er Rapper der Musikgruppe Eliot Quent. Ein Glück, dass er es mit dem Schreiben auch noch probiert hat, denn sonst wären uns die vielen bunten, witzigen und gleichzeitig tiefsinnigen Kurzgeschichten verborgen geblieben. Er erzählt 25 kurze Anekdoten aus der Grundschule, die so absurd sind, dass man sie sich nicht hätte ausdenken können.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 9. Oktober 2018

Wie bist dazu gekommen Pädagoge zu werden? Was gefällt dir an der Arbeit mit Kindern?

Ich habe zuerst BWL studiert, weil man das Anfang der 2000er so gemacht hat, wenn man nicht wusste was man machen soll. Die Uni hat mir dann nach drei Semestern nahegelegt etwas zu machen, was ich besser kann. Das habe ich mir zu Herzen genommen und mich dafür entschieden auf meinen Bauch zu hören und einfach das zu machen was mich am meisten interessiert. Ich hatte nie die eine große Leidenschaft in meinem Leben, dafür fand ich immer viel zu viele Sachen gleichzeitig spannend. Aber ich hatte schon immer ein Talent für den Umgang mit Menschen. In der Pädagogik hatte ich die Freiheit mich auf alles zu konzentrieren was ich gerne wissen und können wollte.

Wie bist du auf die Idee zu dem Büchlein gekommen?

Das Buch war ein Abschiedsgeschenk für das Kollegium der Grundschule an der ich über drei Jahre gearbeitet habe. Ich konnte mir schon immer Witze und Anekdoten gut merken und dachte, dass es schade wäre wenn ein paar der Geschichten verloren gehen würden.

Die Geschichten sind witzig geschrieben, hinter vielen versteckt sich aber ein trauriger tieferer Sinn. Sie erzählen die Geschichten von Kindern, die es schwer haben. Nehmen dich diese Geschichten auf diese Weise auch mit? Nimmst du auch schlechte Erlebnisse mit nach Hause?

Man muss sich als Pädagoge natürlich irgendeine Form aneignen, die einem Hilft schwierige Situationen zu verarbeiten. Humor ist für mich in allen Schieflagen eine gute Methode gewesen den Kopf zu bewahren. Dabei ist es aber wichtig über sich selbst genauso lachen zu können, sonst stimmt das Verhältnis nicht mehr. Zweite Voraussetzung ist, dass man, auch wenn man lacht, ehrliche Wertschätzung für die Person empfindet. Ich habe nur aufgeschrieben was ich ehrlich gefeiert habe. Es macht einen großen Unterschied zu lachen und zu sagen „haha, du bist so dumm“ oder „haha, du bist so geil“! Und ja, trotz all den lustigen Situationen nimmt man das was dahinter steckt natürlich mit nach Hause. Das war auch nicht immer einfach, weil ich viele Jahre selbstständig gearbeitet habe und dementsprechend keine professionelle Betreuung hatte. Erst in meinem neuen Job habe ich festgestellt wie wichtig und befreiend eine angeleitete Aufarbeitung in Form von wie Supervision ist.

Du berichtest, dass du zunächst für einen Jungen persönlich zuständig warst. Hätten deiner Meinung nach mehr Kinder diese Form der Einzelbetreuung nötig?

Schulbegleitung ist super wichtig und ich bin sehr vielen Kindern begegnet, denen jemand wie ich das Leben in der Schule viel leichter hätte machen können. Leider ist es sehr umständlich dafür tatsächlich eine Bewilligung zu bekommen. Aus politischen Gründen werden diese Stunden sogar überall gekürzt. In Schleswig-Holstein gibt es zum Beispiel überhaupt keine Schulbegleiter mehr für Kinder mit sozial-emotionalen Defiziten. In Hamburg wurde beschlossen, dass man jetzt überall inklusiv arbeitet und damit die Problemlösung an die Schulen abgegeben wird. Ich vermute, wenn die Zahlen sinken, die bisher den Förderbedarf dargestellt haben, kann das Bundesland am Ende sagen es geht bergauf. Dabei wird es an den Schulen eher schwieriger. Für diese Schwierigkeiten sollen sie jetzt aber „schulinterne Lösungen“ gefunden werden.

Wie verbindest du deine unterschiedlichen Welten damals als Schulbegleiter, jetzt in der Familienhilfe tätig und immer als Rapper bei Eljot Quent?

Dass ich mein ganzes Arbeitsleben lang gleichzeitig semi professionell Musik gemacht habe war zum einen ein guter Ausgleich und zum anderen eine gute Ergänzung. Die Welt der Musiker ist ja ganz eigen, da kommt jeder aus einem anderen Background, hat andere Interessen und Erlebnisse zu teilen. Jedes Konzert, bei dem man mit einer anderen Band spielt, ist also eine Bereicherung für den eigenen Horizont. Außerdem ist es schön mit Erwachsenen zu tun zu haben, die „spielen“ wollen. Für meine Arbeit mit „schwierigen“ Jungs ist es dazu vorteilhaft Rap Musik verstanden zu haben. Ich glaube ich kann mit einem Kind besser über den Umgang mit dreckigen Texten reden, als seine Mutter.

Welche anderen Aufgaben hast du bei der Familienhilfe?

In der Familienhilfe bin ich viel näher an der Ursache für etwaige Probleme als in der Schulbegleitung. Wir arbeiten immer im Co-Team und immer systemisch. Das heißt die ganze Familie wird mit einbezogen und wir gucken wie wir die Umwelt so gestalten können, dass ein Kind nicht mehr blockiert ist und sich weiter entwickeln kann. Für mich ist diese Form von Arbeit sehr viel effektiver als die Symptom-Bekämpfung mit der man es im schulischen Kontext zu tun hat.

Der Gewinn aus den Buchverkäufen kommt dem Martinswerk zu Gute und soll dort zur Weiterentwicklung und dem Ausbau pädagogischer Angebote beitragen.

Mehr Infos bekommen Sie hier.

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