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Neues Unterrichtsfach „Herkunft“ zum Schulbeginn

Die Sommerferien sind vorbei – ab heute wird in allen Bundesländern wieder fleißig unterrichtet. Bereits Anfang August wurden im Norden die ersten Kinder mit einem Paukenschlag begrüßt, als von Seiten der Politik die Frage aufkam, ob Deutschkenntnisse nicht die Bedingung für eine Einschulung sein müssten.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 11. September 2019

Zunächst ist festzustellen, dass sich die Lage an den deutschen Schulen seit der Flüchtlingskrise 2015 natürlich verschärft hat. Bezogen auf die Deutschkenntnisse, beherrschen etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Erstklässler die deutsche Sprache nur schlecht oder gar nicht. Deshalb ist es überraschend, dass Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann erst jetzt mit seiner Aussage eine Diskussion entfacht: „Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen“, behauptete der CDU-Politiker Anfang August.

Überraschend deshalb, weil die Schulen, insbesondere die Grundschulen, z.B. mit der Einrichtung von Willkommensklassen und Sprachunterstützung schon lange Maßnahmen ergriffen haben, die erfolgreich funktionieren. „Herr Linnemann fordert Dinge, die entweder schon längst realisiert sind oder völlig überflüssig“, sagt dementsprechend auch Jörg Ramseger, Forschung Grundschulpädagogik an der Freien Universität Berlin. „Nirgendwo lernt ein Kind so gut Deutsch wie in der Schule, wo es den ganzen Tag mit deutscher Sprache systematisch konfrontiert wird“, argumentiert Ramseger weiter. Die klassischen Vorschulklassen gibt es in Berlin schon seit 2000 nicht mehr, stattdessen gibt es die flexible Schuleingangsphase, bei der Kinder die zweite Klasse bei Bedarf ein zweites Mal durchlaufen können. Außerdem besuchen weit mehr als 90 Prozent aller Erstklässler auch das letzte Kindergartenjahr, wo es zumindest in Hamburg und Berlin obligatorische Deutschsprachtests gibt. Unterstützt werden seine Aussagen von der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD). Als Kind palestinänsischer Eltern hat auch sie erst richtig Deutsch in der Schule gelernt und ist dankbar dafür, dass zuhause nur Arabisch mit ihr gesprochen wurde. Auf diese Weise spricht sie heute fünf Sprachen und bestätigt die Studie, dass die Mehrsprachigkeit von Kindern auch einen Vorteil für ihre Entwicklung haben kann z.B. beim Erlernen weiterer Fremdsprachen.

Wenn man die großen Zahlen der „Neueinschulungen“ betrachtet, sollte sich also viel mehr die Frage gestellt werden, wie diese erfolgreichen Maßnahmen der Schulen weiter unterstützt und durch finanzielle Mittel, Lehrkräfte und Pädagogen weiter ausgebaut werden können. Denn, dass bei der Einschulung von mehr als 200.000 Kindern die Lehrer Unterstützung brauchen, ist nicht von der Hand zu weisen. Zumindest wird das Vorhaben dazu, in dem Schulentwicklungsplan von Hamburgs Schulsenator Ties Rabe, thematisiert. 900 Millionen Euro investiert der Senat 2019 und 2020 insgesamt in den Schulausbau, außerdem möchte er 333 neue Lehrer einstellen.

„Es geht hier um die Kinder. Wir sollten sie raushalten aus ausländerpolitischen Spielchen. 50 Prozent der Kinder in Hamburg haben einen Migrationshintergrund und die Welt in Hamburg ist nicht untergegangen sondern sogar schöner geworden. Der wahre Weg ist es, die Tür nicht zu-, sondern weit aufzumachen.“ (Ties Rabes Stellungnahme zur Aussage von Carsten Linnemann)

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Maßnahmen ist das Engagemnet an Schulen von unserem diesjährigen Hauptpreisträger des HanseMerkur Preises für Kinderschutz Teach First Deutschland. Mit ihrem Programm „Echte Teilhabe!“ unterstützen sie neuzugewanderte Kinder und Jugendliche in Internationalen Willkommensklassen. Dabei begleiten Fellows ihre Schülerinnen und Schüler, sich in Deutschland und im Bildungssystem zurecht zu finden. Neben den notwendigen Sprachkompetenzen unterstützen die Fellows im Fachunterricht und auch in Projekten, damit diese jungen Menschen in Deutschland ankommen und den Übergang in die Regelklasse erfolgreich meistern. Im Regelunterricht arbeiten Fellows mit erfahrenen Lehrkräften zusammen und bieten darüber hinaus im Ganztagsbereich eigene Kurse und Projekte an, um die Sprachkompetenz zu schulen.

In diesem Schuljahr erreichen insgesamt 28 Fellows ungefähr 1.400 neuzugewanderte Schülerinnen und Schüler in acht Bundesländern in solchen Willkommensklassen. In der Hansestadt sind davon vier Fellows tätig, die an vier Schulen ca. 200 Kinder und Jugendliche beim Übergang in die Regelklassen begleiten u.a. am Matthias-Claudius-Gymnasium.

Geht es also um finanzielle Mittel und Maßnahmen, um Kinder mit Migrationshintergrund zu integrieren, sollte zu Beginn des nächsten Schuljahres die Lobeshymnen der Schulentwicklung sich nicht an erster Stelle darauf konzentrieren, dass es nun an fast allen Hamburger Schulen WLAN gibt, sondern Programme wie das von Teach First und allgemein die Lehrkräfte personell unterstützt und erwähnt werden.

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