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Wenn der Schulhof zum Austragungsort der Politik wird

Vergangene Woche haben wir in einem Beitrag zur politischen Bildung in Schulen erläutert, wie der Politikunterricht in den Schulen aussieht. Wie die Schüler in Deutschland ausgebildet werden und welches politische Wissen ihnen vermittelt wird. Abgesehen von den thematischen Schwerpunkten ist aufgefallen, dass die Schüler auf eine gute politische Grundausbildung angewiesen sind, damit sie sich im weiteren Verlauf ihres Lebens selbst eine Meinung bilden können.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 16. Januar 2019

Was bedeutet es aber für unsere Gesellschaft, wenn aufgrund von extremen politischen Meinungen, Kinder nicht von einer Schule aufgenommen werden?

Die Welt berichtete erst kürzlich von dem Fall, dass eine Berliner Waldorfschule das Kind eines AfD-Politikers abgelehnt hat. Der Schüler erfülle die Vorraussetzungen, aber die Schulleitung sieht fortwährendes Konfliktpotential. „Angesichts (des) Konfliktes sieht die Schule keine Möglichkeit, das Kind mit der nötigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit aufzunehmen. Beides seien jedoch Grundvoraussetzungen, um die Entwicklung des Kindes angemessen zu fördern“, äußerte sich die Schulleitung zu dem Fall. Die Befürchtungen waren zu groß, dass die AfD-Politiker Einfluss nehmen würden und durch ihre ausländerfeindlichen und nationalistischen Positionen den Schulfrieden gefährden könnten.

Nicht überraschend war der Protest der Eltern, die sich mit der Ablehnung ihres Kindes an die Öffentlichkeit wanden und auch in anderen politischen Kreisen eine Diskussion entfachten. SPD Bildungssenatorin Sandra Scheeres sieht es sehr kritisch, wenn ein Kind für das politische Engagement der Eltern verantwortlich gemacht wird. „Das Schulsystem solle aus Kindern schließlich eigenständige Persönlichkeiten hervorbringen“, bekräftigte sie. Auch ihr SPD Kollege Karl Lauterbach twitterte: „Ich bin der Letzte, der sich für die Rechte der AfD Abgeordneten einsetzen würde. Sie wollen die Demokratie von innen zerstören, verdienen null Schonung. Da sich aber kein Kind seine Eltern ausgesucht hat, ist die Diskriminierung dieses Kindes hier falsch.“

Das Verhalten der Schulleitung deckt sich auch nicht mit der Willenserklärung gegen Diskriminierung der Waldorfschulen aus dem Jahr 2007. Dort steht geschrieben, dass „Waldorfschulen alle Menschen als frei und gleich an Würde und Rechten ansehen, unabhängig von ethnischer Zugehörigkeit, nationaler oder sozialer Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung.“

Diese Willenserklärung verdeutlicht, dass für Diskriminierung kein Platz an Schulen ist. Dafür sollte jede Schule, ob Waldorfschule oder nicht, stehen und es auch seinen Schülern vermitteln. Denn ebenso wie die Schüler über politischen Extremismus und Gruppierungen aufgeklärt werden müssen, sollten ihnen vor allem die Grundrechte und die Würde eines jeden Menschen beigebracht werden. Es kann zur Unglaubwürdigkeit führen, wenn Verhaltensweisen, wie das der Schulleitung der Berliner Walddorfschule, sich in den Aufnahmekriterien von weiteren Schulen verankern. Trotzdem sollte auf keinen Fall weggeschaut werden, wenn sich insbesondere im Kindesalter, ausländerfeindliche oder nationalistische Positionen, wie die der AfD, auf dem Schulhof verbreiten. Denn jede Form von Diskriminierung widerspricht allen Grundsätzen unserer Gesellschaft und darf in keiner Art und Weise geduldet werden.

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