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Kultur

Mira Thompson legt erstes Album vor: „Festina Lente“

Die holländische Jazzsängerin Mira Thompson hat mit ihrem Auftritt nicht nur die Gäste der Verleihung der HanseMerkur Preise für Kinderschutz im Sommer 2018 verzaubert. Auch bei der Vergabe des 12. Eva Luise Köhler Forschungspreises in Berlin im Februar (s. unser Bericht am 1.3.2019) setzte sie die musikalischen Akzente. Jetzt haben wir Mira, die Botschafterin der NGO-Organisation Care4BrittleBones, in Amsterdam besucht, wo sie am 31. März ihr erstes Album mit dem programmatischen Titel „Festina Lente“ („Eile mit Weile“) im Kulturzentrum De Nieuwe KHL vorstellte.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 10. April 2019

Mira Thompson (26) ist Absolventin des Konservatoriums in Utrecht, wo sie den Pop & Jazz-Studiengang belegte. Ihrer Mutter Bea Goethart, einer klassischen Sängerin und Musiklehrerin, war sie nach dem Gymnasium einst – und wie sie betont, „widerwillig“, da sie Literatur studieren wollte – zu einem Tag der offenen Tür an die Musikhochschule gefolgt. Ihr Vorsingen dort war ein Erfolg, zumal sie schon im Kinderchor ihre Liebe für den Gesang unter Beweis gestellt hatte. Und ihren Humor, der sie schon in jungen Jahren als Moderatorin auf die Probe stellte. Bühnenerfahrung sammelte sie als junge Schülerin auch bei einem Vorlesewettbewerb, den sie natürlich gewann. Mira sagt heute: „Ich bin ein sozialer, offener, kontaktfreudiger Mensch. Aber umso scheuer, wenn ich auf die Bühne muss.“

Im Restaurant des Amsterdamer Stedelijk Museum sprechen wir einen Tag vor Miras Konzert auch über ernste Themen wie ihre Glasknochenkrankheit und die sie oft verstörende Frage, warum sie nur so eloquent sei. Ihre Antwort: „Physically disabled people focus on intellect.“ Und so hadert sie auch mit dem Motto der Care4BrittelBonesOrganisation, die sie unterstützt: „Breakable Bones – Unbreakable Spirit.“ Diese Herangehensweise – so Mira –sei sehr verbreitet im Umgang mit behinderten Menschen. „I do not have an unbreakable spirit. Sometimes it’s very breakable.” In der angelsächsischen Fachliteratur hat sich dafür der Begriff „Inspiration Pornography“ durchgesetzt. Behinderte, die reduziert werden auf ihre Rolle als Motivationsträger. „If he/she can do it, so can you!“

Und so erzählt Mira sehr bewegt vom Tod ihrer Großmutter Anna mit 91 Jahren im Juni 2017, der sie in große Trauer und Verzweiflung stürzte – nicht zuletzt, weil sie in ihrer unkonventionellen Art ein großes Vorbild für sie war. Da reifte ihr Entschluss, eine EP (Extended Play) mit fünf eigenen Titeln zu produzieren. „For Anna“ ist der erste Track des Tonträgers. Schon vor einem Monat durften 300 Konzertbesucher im Amsterdamer Podium Mozaiek Titel aus der EP hören, ein Auftritt als Dankeschön für Crowdfunder, die es ihr ermöglicht hatten, für 30.000 Euro ein Auto zu erwerben, in das sie mit ihrem Rollstuhl hineinfahren und es dann steuern kann. Es wurde ein sehr emotionaler Abend.

Am 31. März dann das EP Release Concert im intimen Rahmen mit 40 Zuhörern, darunter Miras amerikanischer Vater Terry, der u.a. klassische Posaune im Maastricht Orchestra spielte. Und natürlich ihr Pianist Thijmen Schoute, den sie beim Amsterdamer Jazz Summer vor fünf Jahren kennenlernte. Mit Zugabe bringen Mira und Band 13 Titel – davon vier von „Festina Lente“ – zu Gehör, welche die ganze Bandbreite ihres Könnens unterstreichen. Neben Jonas Kroese (Drums) und Florean Kruijswijk (Bass) stehen Mira auch mit Suze Terwisscha und Sara Tompkins zwei Background-Sängerinnen zur Seite, die gerade mit „Daphne“ ihr erstes Album herausgebracht haben. „They are my angels“, sagt Mira in einer Zwischenmoderation und zollt dann mit „Man From Mars“, „Big Yellow Taxi“ und „Both Sides Now“ der großen kanadischen Musikerin Joni Mitchell Tribut. Sie habe schließlich Musik „von einem anderen Planeten“ geschrieben. Eine sehr sensible Interpretation von Chaka Khans „Fever“ bleibt ebenso im Gedächtnis wie der grandios missverstandene Randy Newman-Hit „Short People“ aus dem Jahre 1977, den Mira als Zugabe eines wundervollen und intimen Jazznachmittags in Amsterdam interpretiert. Einen Tag später dann eine WhatsApp der Sängerin: „Did you find sticky toffee cake?“ Nein, aber den besten Apfelkuchen meines Lebens im Café Winkel , Noordermarkt 43.

Foto: Britta Wilkens
Foto: Britta Wilkens
Foto: Britta Wilkens
Foto: Britta Wilkens
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