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Beruf & Familie

Lernen lernen: Digitaler Mentor werden!

Sie sind unsere Zukunft – und sie leiden in der Corona-Pandemie sicherlich mit am meisten: Unsere Kinder. Zwischen familiären Stresssituationen dank Homeoffice und verordnetem Homeschooling dank geschlossener Schulen bleiben soziale Kontakte äußerst limitiert und Lernstoffe auf der Strecke. Unsere Kinder drohen den Anschluss ans Leben zu verlieren. Auch das kürzlich beschlossene Milliardenpaket der Bundesregierung für Nachhilfe wird daran wenig ändern, denn es reicht nicht aus. Gefordert sind wir alle. Und wer nicht weiß, wie er mitwirken kann, sollte einen näheren Blick auf den Hamburger Verein „Zeit für Zukunft. Mentoren für Kinder e.V.“ werfen.

Veröffentlicht von Tanja Johannsen am 10. Mai 2021

Rund 10,91 Millionen Schüler gab es laut Statista insgesamt im Schuljahr 2020/2021 an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland. Das sind rund 11 Millionen Kinder und Jugendliche, die in den kommenden Jahren unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten werden. Das sind aber auch die Kinder und Jugendliche, die in der Pandemie in puncto Bildung zum großen Teil auf sich allein gestellt sind. In den vergangenen Wochen wurde in den Medien wiederholt darüber berichtet, dass viele Schüler durch den monatelangen Ausfall des Präsenzunterrichts den Lernanschluss zu verlieren drohen.

Tägliche Lernzeit laut ifo Institut: 4,3 Stunden

Aufschluss zur Situation in puncto Homeschooling gibt eine Mitte April dieses Jahres vom ifo Institut München veröffentlichte repräsentative Studie. Demnach hatten etwa rund 26 Prozent der Schüler täglich gemeinsamen Unterricht für die ganze Klasse, zum Beispiel per Videostream. Im Gegensatz zum Frühjahr 2020 konnten so zwar mehr Schulkinder mit digitalem Fernunterreicht erreicht werden, aber nach rund einem Jahr Corona-Pandemie haben immer noch ca. 39 Prozent der Schüler maximal einmal pro Woche Unterricht per Video. Der Studie nach sind das etwa 58 Prozent der Grundschüler, 20 Prozent der Gymnasiasten und 30 Prozent der Schüler an weiterführenden Schulen. Demnach besteht allerdings für mehr als ein Drittel der Schüler der Schulalltag fast ausschließlich aus eigenständigem Lernen.

Insgesamt beträgt die durchschnittliche Lernzeit 4,3 Stunden, was drei Stunden weniger als an einem üblichen Schultag vor Coronazeiten sind. „Besonders bedenklich ist, dass 23 Prozent der Kinder sich nicht mehr als zwei Stunden am Tag mit der Schule beschäftigt haben“, sagt der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann. „Die Coronakrise ist eine extreme Belastung für die Lernentwicklung und die soziale Situation vieler Kinder.“

Nachhilfe nach dem Patenschafts-Prinzip

Die Studie macht deutlich: Unterstützung für die „Großen von morgen“ muss her.  Ein Verein, der sich dafür in Hamburg und Umgebung einsetzt, ist „Zeit für Zukunft. Mentoren für Kinder e.V.“. Mit seinem neuen Programm „Lernen lernen“ bietet er digitale Lernpatenschaften an. Und das Besondere daran: Jeder kann mitmachen.

Dem Verein geht es darum Kindern und Jugendlichen verlässliche individuelle Hilfe im Lernprozess zu bieten. Das bedeutet, ihnen jemanden an die Seite zu stellen, der geduldig erklärt was schwer zu verstehen ist, der Mut zuspricht, wenn etwas zunächst nicht gelingen will – und der sich mit ihnen freut, wenn etwas geschafft ist.

In der Umsetzung sieht das so aus, dass sich sorgfältig ausgewählte und geschulte Lernpaten mit ihren sogenannten „Mentees“ zu einem Lern-Tandem per Videokonferenz für mindestens anderthalb Stunden pro Woche über mindestens sechs Monate verabreden. Neben der Vermittlung von fachlichen Inhalten geht es dabei auch darum, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und Motivation und Freude am Lernen zu wecken. Im Mittelpunkt steht dabei nicht, auf jede Frage die richtige Antwort zu haben. Es geht um einen weiteren wichtigen Teil des Lernens: den Weg dorthin zu begreifen. Dazu gehört beispielsweise auch zu erkennen, wo man weitere Informationen zu einem Thema findet, wie man verlässliche Quellen erkennt oder wie man sich am besten merken kann, was man gelernt hat. Guter Schlaf spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie auch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Pausen und Wiederholungen.

Mit dem Programm „Lernen lernen“ können die Mentees aber nicht nur Lern-Rückstände aufholen. Ziel ist es auch den Umgang mit digitalen Medien und hilfreichen Ressourcen einzuüben. Darüber hinaus gilt es zu lernen, den eigenen Unterstützungsbedarf zu formulieren und durch verschiedene Lerntechniken auch ein Gespür für Bedürfnisse und Vorlieben zu entwickeln. Mentees, die keinen Zugang zu Hard- und Software haben, werden bei Bedarf dank Spenden entsprechend vom Verein ausgestattet.

Der Bedarf ist enorm – „Mitmacher“ dringend gesucht!

Man kann sich vorstellen: ein Programm wie dieses braucht dringend Unterstützung. Und zwar in Form von Menschen, die Lust haben ein Mentor zu werden. Jeder ist dabei gefragt – denn jeder wird gebraucht. Der Bedarf ist angesichts der Anzahl der Schüler enorm!

Für jedes Lern-Tandem von Zeit für Zukunft werden Mentoren von festen Ansprechpartnern unterstützt. Die so genannten Mentoring-Berater verfügen aufgrund ihrer Ausbildung und Berufspraxis über ausgeprägte pädagogische Kompetenzen und Beratungserfahrung. Geht es um besonders anspruchsvolle fachliche und technische Fragen stehen ausgewiesene Experten, sogenannte „Master Minds“, pro bono im Hintergrund zur Verfügung. Regelmäßige digitale Austauschtreffen ermöglichen zudem die Vernetzung der Mentoren untereinander.

Wer mitmachen möchte möglichst viele Lern-Tandems auf den Weg zu bringen, hat die Möglichkeit sich als Lernpate mit Zeit und Know-How, als Botschafter mit dem Freundes- und Kollegenkreis oder als Spender mit finanzieller Unterstützung zu engagieren.

Für jede Art der Unterstützung gibt es vom Verein Zeit für Zukunft regelmäßig einen digitalen Infoabend. Der nächste Termin ist der 18. Mai 2021 um 19.00 Uhr. Nähere Informationen sind hier zu finden.

 

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