HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2021. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2021. Weitere Informationen finden Sie hier.

Beruf & Familie

Sind Eltern die neuen Lehrer?

Der heutige Geh-zur-Arbeit-Tag steht deutschlandweit unter dem Motto Homeoffice. Nicht zu vergessen sind im Zuge dessen die geschlossenen Bildungseinrichtungen, die auch die Schüler zur HomeSchool zwingen. Unterricht zu Hause, Kinderbespaßung und Isolation, wie sollen Eltern ihren Kindern und vor allem den Anforderungen der Schule gerecht werden? Dabei gilt vor allem im HomeSchooling für die Eltern, nicht auch noch zum Lehrer zu werden. Es folgt eine Bestandsaufnahme und ausgewählte Expertentipps.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 3. April 2020

Um in diesen schwierigen Zeiten, direkt ein bisschen Druck von den Schultern der Eltern zu nehmen formulierten Renate Schäfer-Pietig, Leiterin der Grundschule an der Stuntzstraße in München und Maresi Lassek vom Grundschulverband bereits Mitte März, dass Eltern nicht für die Lernfortschritte ihrer Kinder verantwortlich sind: „Die unterrichtsfreie Zeit ist zwar keine Ferienzeit, aber wir erwarten keine Lernfortschritte, als wenn die Kinder drei Wochen lang in der Schule wären. Es geht weniger darum, neuen Stoff zu vermitteln, als vielmehr darum, Gelerntes zu wiederholen und zu festigen.“

Insbesondere in der Grundschule geht es darum, dass Eltern sich auf Aktivitäten konzentrieren sollen, die sonst zu kurz kommen. Dafür gibt der Verband den Eltern jetzt auch ein paar Anregungen:

Lesen Sie mit ihren Kindern. Abhängig von der Lesestufe des Kindes kann das Vorlesen sein, aber auch eigenständiges Lesen, Partnerlesen und gegenseitiges Vorlesen. Auch Kopfrechnen ist eine schulische Aktivität, die sich leicht spielerisch einbauen lässt z.B. beim gemeinsamen Kochen oder dem Schreiben einer Einkaufsliste. „Das sollte aber nicht so lange gehen wie eine Schulstunde, denn die Ansprache und Interaktion ist zu Hause viel intensiver“, erklärt Lassek. Sie empfiehlt konzentrierte 10 bis 15 Minuten pro Tag. Um das in der Schule vermittelte technische Verständnis, räumliche Vorstellungsvermögen, Handgeschicklichkeit, Feinmotorik, Wahrnehmung, Ausdauer und Geduld zu vermitteln, sollte regelmäßiges Basteln und Bauen eingeplant werden. Zu gelungenen Bauwerken schreiben viele Kinder auch gerne die Bauanleitungen für andere auf. Auch Kinderfilme schauen kann einen Lerneffekt haben, vorausgesetzt man schaut sie zusammen und tauscht sich währenddessen oder anschließend darüber aus z.B. über das Land oder die Region, in dem der Film spielt, welche Tiere dort leben und wie sie leben. Das könne man dann alles zusammen recherchieren. Um die Kreativität der Kinder zu fördern, können Lieder, Gedichte oder Theaterstücke einstudiert werden. Soweit möglich bieten sich auch Ausflüge in die Natur an. Sie können dabei mit Ihren Kinder auf Entdeckungsreise nach Tieren und Pflanzen gehen, die sie noch nicht kennen. Anschließend lässt sich über Herkunft und Art recherchieren. „Bei allen Aktivitäten sollten Eltern die Kinder fragen, was sie interessiert, was sie wissen und tun wollen, und dann zu gemeinsamen Absprachen kommen. Beim Tagesablauf sei zwar eine Struktur wichtig, es sollte aber auf einen ausgewogenen Wechsel von fremdbestimmten und selbstbestimmten Tätigkeiten geachtet werden“, rät Lassek.

Geht es über die Grundschule hinaus sind die Schüler immer mehr in ihrer Eigenverantwortung gefragt. Unterstützend sollten die Eltern hier vorrangig bei dem Zugang zum Lernmaterial tätig werden z.B. beim Onlinezugriff auf Lernmaterialen oder den E-Mail Austausch für Rückfragen mit den Lehrkräften. Im Großen und Ganzen sind die Eltern folglich nicht als die neuen Lehrer zu sehen, aber natürlich dafür zuständig ihre Kinder sinnvoll zu beschäftigen, was in der aktuellen 24/7-Betreuung schon schwer genug ist.

Wie diese Woche bereits thematisiert ergeben sich auch bei der HomeSchool noch ganz andere Problemfelder, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, sich um ihre Kinder zu kümmern und bereits vor der Corona-Krise auf Hilfe angewiesen waren. Mit einem von 100 Wissenschaftlern unterzeichneten Appell forderten diese deshalb von der Landes- und Bundespolitik, eine Wende beim Kinderschutz in der Corona-Krise anzugehen. Bezüglich einer Gleichberechtigung und grundsätzlich einer Chance auf Bildung, fordern sie eine zentrale landesweite und sehr gut ausgestattete Online-Anlaufstelle. Diese Chat- und Rufnummer sollte auf jeder Lernplattform der Schulen stehen, sie muss auch über Instagram, TikTok usw. kommuniziert werden.

Langfristig sollte das Thema Kindesschutz auch im Schulunterricht selbst aufgegriffen werden, um deutlich zu machen, dass Lehrer ansprechbar sind und um Kinder über ihre Rechte und Initiativrechte, u.a. auf vertrauliche Beratung und Inobhutnahme ohne Angabe von Gründen, zu informieren. Die Schulsozialarbeit braucht der neuen Situation angepasste Konzepte, die dafür sorgen, dass misshandelte und vernachlässigte Kinder in der abgeschotteten Familie durch ihre Lehrer gesehen und gehört werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*