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Beruf & Familie

Wenn Mitarbeiter Hilfe brauchen – Teil II

Wie weit sollte die Verantwortung reichen, die Unternehmen für ihre Mitarbeiter übernehmen? Geht es den Arbeitgeber etwas an, wenn Angestellte Sucht- oder Schuldenprobleme haben oder der Haussegen ständig schief hängt? Private Sorgen lassen sich nicht einfach abstellen, wir schleppen sie immer mit uns herum. Häufig führt die andauernde Belastung zu psychischen Problemen. Der Arbeitgeber ist dabei sicher kein guter Gesprächspartner. Aber es gibt einen anderen Weg, wie er Verantwortung für das Wohl seiner Mitarbeiter übernehmen kann.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 24. Februar 2021

Vergangene Woche hatten wir Ihnen bereits das Programm TALINGO EAP vorgestellt, mit dem die HanseMerkur einen wichtigen Beitrag für die psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter leistet. Der Beratungs-Service ist eine wichtige Säule unseres betrieblichen Gesundheitsmanagements, das nicht nur aus Sport und Ernährung bestehen darf. Das Programm bietet Hilfesuchenden anonyme Beratung in den unterschiedlichsten Themenfeldern – von der Erziehungsberatung über Arbeitsthemen, Suchtproblemen, Depressionen bis hin zur Krisenintervention.

Ein tolles Unterstützungsangebot, auf das Mitarbeiter und auch deren Angehörige zugreifen können. Wir haben mit Geschäftsführerin Dr. Maren Kentgens gesprochen.

Frau Dr. Kentgens, was sind die häufigsten Themen zu denen Sie um Hilfe gebeten werden?
Die Beschäftigten kommen sehr häufig mit Schieflagen, die mehrere Lebensbereiche betreffen. Wenn man den Versuch einer Kategorisierung vornimmt, dann stehen drei Beratungsfelder im Vordergrund: (a) berufliche Themen wie Konflikte, Überforderung, Arbeitsstress oder Führungsfragen, (b) familiäre Schieflagen wie beispielsweise Partnerschaftskonflikte, Probleme mit Kindern oder Schwierigkeiten mit den Großeltern und (c) private Themen der mentalen Gesundheit, die meist ihren Ursprung in einer persönlichen Orientierungslosigkeit haben.

Was tun Sie bei akuten Krisensituationen, wenn sich abzeichnet, dass der Klient eine Gefahr für sich oder sein Umfeld ist? Haben Sie die Möglichkeit über die Beratung hinaus einzugreifen, sofern der Anrufer nicht anonym ist?
Zunächst: wir kümmern uns um jeden Anrufer, der in einer lebensbedrohlichen Krise steckt – rund um die Uhr, d.h. auch nachts und am Wochenende! Wir gehen hierbei in mehreren Deeskalations-Stufen vor. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das strikte Vieraugenprinzip auf unserer Seite. All unsere Berater weisen diesbezüglich eine umfassende Qualifikation und Erfahrung auf.

Ziel ist immer, den Mitarbeiter die bestmögliche Hilfe anzubieten, Gefahr abzuwenden und Sicherheit für Betroffene und deren Umfeld zu erlangen.

Ihr Beratungsangebot schließt die Angehörigen von Mitarbeitern mit ein. In welchem Umfang werden Ihre Leistungen von diesen genutzt?
Das stimmt, Angehörige, die im gleichen Haushalt leben, dürfen das Beratungsangebot ebenso nutzen wie die Mitarbeiter. Wie hoch der Anteil ist, hängt sehr davon ab, wie im Unternehmen und auch zu Hause über die EAP-Beratung gesprochen wird. Wir freuen uns, wenn die Angehörigen das EAP ebenso selbstverständlich nutzen wie die Beschäftigten, denn es geht ja darum, die Menschen zu entlasten. Und wir wissen alle: wenn unsere Liebsten mit Herausforderungen zu kämpfen haben, dann belastet dies auch uns selbst.

Nicht nur Mitarbeiter, auch Führungskräfte von Unternehmen nutzen Ihr Angebot. Geht es bei den Beratungen dann primär um Führungsthemen?Führungskräfte können das EAP-Angebot auf dreierlei Weise nutzen: für Anliegen im eigenen privaten, persönlichen Bereich, für Beratungen im Zusammenhang mit ihrer Führungsfunktion und als Unterstützung für belastete Mitarbeiter. Wenn das EAP dazu beiträgt, ein Teammitglied zu entlasten, profitiert das ganze Team und letztendlich das gesamte Unternehmen davon.

Sofern Sie unter Berücksichtigung der Verschwiegenheit darüber sprechen dürfen: Entspricht die HanseMerkur in ihrem Beratungsbedarf dem Mainstream oder gibt es Abweichung?
Auch hier möchten wir auf unsere Verschwiegenheit bestehen. Soviel können wir aber sagen: die meisten Unternehmen überschätzen die Eigenheiten ihres Unternehmensprofils und ihrer Beschäftigten. Die Hauptthemen ähneln sich firmenübergreifend, denn wir alle sind Menschen und haben daher ähnliche menschliche Probleme.

 

 

Dr. Maren Kentgens ist Dipl.-Psychologin, promovierte Arbeitspsychologin, Systemische Beraterin, Supervisorin und Geschäftsführerin der INSITE-Interventions GmbH, einem der führenden Anbieter für Employee Assistance Programme (EAP) in Deutschland.

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