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Beruf & Familie

Wenn Mitarbeiter Hilfe brauchen

Wie weit sollte die Verantwortung reichen, die Unternehmen für ihre Mitarbeiter übernehmen? Geht es den Arbeitgeber etwas an, wenn Angestellte Sucht- oder Schuldenprobleme haben oder der Haussegen ständig schief hängt? Private Sorgen lassen sich nicht einfach abstellen, wir schleppen sie immer mit uns herum. Häufig führt die andauernde Belastung zu psychischen Problemen. Der Arbeitgeber ist dabei sicher kein guter Gesprächspartner. Aber es gibt einen anderen Weg, wie er Verantwortung für das Wohl seiner Mitarbeiter übernehmen kann.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 17. Februar 2021

Laut dem DAK-Psychoreport 2019 hat sich die Anzahl der Fehltage, die von Depressionen oder Anpassungsstörungen verursacht werden, seit 1997 mehr als verdreifacht. Am häufigsten fehlen Arbeitnehmer mit der Diagnose Depression. Ein guter Grund für Arbeitgeber, ihr betriebliches Gesundheitsmanagement nicht nur auf Betriebssport und eine Salatbar in der Kantine zu beschränken, sondern auch für das psychische Wohl ihrer Mitarbeiter zu sorgen. Allerdings ist das für alle Beteiligten meist ein sehr schmaler Grat, denn die Themen, um die es geht, sind hochsensibel und der betroffene Mitarbeiter bietet nachhaltig eine Angriffsfläche, wenn er sich seinem Arbeitgeber anvertraut.

Um eben diese Situation zu vermeiden, nutzt die HanseMerkur seit vielen Jahren den Beratungs-Service TALINGO EAP. Er wird von der INSITE-Interventions GmbH angeboten, dessen Experten Hilfesuchende in den unterschiedlichsten Themenfeldern beraten – von der Erziehungsberatung über Arbeitsthemen, Suchtproblemen, Depressionen bis hin zur Krisenintervention. Ein tolles Unterstützungsangebot, auf das Mitarbeiter und auch deren Angehörige zugreifen können. Wir haben mit Geschäftsführerin Dr. Maren Kentgens gesprochen.

Frau Dr. Kentgens, haben die Hilfesuchenden Angst im Hinblick auf die Anonymität? Wie garantieren Sie, dass der Arbeitgeber nicht über die Probleme seiner Mitarbeiter informiert wird?
MK: Absolute Vertraulichkeit ist einer unserer wichtigsten Grundsätze. Ohne Vertraulichkeit würde ein Angebot wie unseres nicht funktionieren. Der Arbeitgeber wird informiert, wie viele Beschäftigte das Programm nutzen, erhält aber keine personenbezogenen Daten wie Name oder Abteilung. Alle unsere Mitarbeiter sind vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet und unterliegen teilweise aufgrund ihrer Tätigkeit zusätzlich der ärztlichen Schweigepflicht. Wer darüber hinaus ganz sicher gehen möchte, kann sich vollkommen anonym beraten lassen.

Ein paar Kennzahlen: Wie viele Klienten beraten Sie durchschnittlich pro Jahr? Wie viele Beratungen sind im Durchschnitt nötig und wie groß ist Ihr Beraterteam?
Bei der INSITE-Interventions GmbH, zu der das Beratungsangebot von TALINGO EAP gehört, stehen den Beschäftigten insgesamt über 200 Berater im gesamten Bundesgebiet zur Verfügung, zum Teil fest angestellt oder aber als freie Berater. Damit stellen wir sicher, dass jedes Thema durch einen Experten abgedeckt wird. Mit diesem großen Team beraten wir insgesamt 10.000 Mitarbeiter oder Angehörige im Jahr. Wie viele Beratungssitzungen pro Beratung durchgeführt werden, ist abhängig vom Thema und kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal ist ein Anliegen nach einem Gespräch geklärt, manchmal braucht es mehrere Termine.

Ist der Bedarf in 2020 durch die Corona-bedingten Umstände gestiegen?
Ja, definitiv! Und zwar in zweifacher Hinsicht. Erstens bemerken Mitarbeiter und Organisationsvertreter, wie schnell das Leben und das Gefühl der Sicherheit aus dem Gleichgewicht kommen kann. Viele unserer Anrufer sind sehr belastet und brauchen professionelle Hilfe. Zweitens hat die Corona-Pandemie gezeigt, dass eine systemische und komplexe Krise auch systemische Antworten und Möglichkeiten der Unterstützung braucht. Oder anders formuliert: die Auswirkungen der Coronakrise auf den Einzelnen ist höchst individuell, daher braucht es unterschiedliche Fachrichtungen, die Antworten liefern.

Haben sich die Beratungsthemen durch die Pandemie verändert?
Die Themen selbst haben sich nicht nennenswert verändert, allerdings haben die Schieflagen deutlich an Intensität und Schwere zugenommen. Man kann dies einfach erklären: die Lebensthemen und Probleme der Menschen bleiben im Kern gleich, jedoch verschärfen sie sich durch die gefühlte Bedrohung und die erlebten Einschränkungen. Corona wirkt sozusagen wie ein „Brennglas“ auf bestehende Probleme.

Kommende Woche erfahren Sie mehr über das Programm TALINGO EAP.

Dr. Maren Kentgens ist Dipl.-Psychologin, promovierte Arbeitspsychologin, Systemische Beraterin, Supervisorin und Geschäftsführerin der INSITE-Interventions GmbH, einem der führenden Anbieter für Employee Assistance Programme (EAP) in Deutschland.

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