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Umwelt & Nachhaltigkeit

Die grünen Superreichen

Wir gehen unverantwortlich mir unserer Lebensgrundlage, der Erde, um. Wir konsumieren ohne groß darüber nachzudenken. Seien es Unmengen an tierischen Lebensmitteln oder technischen Geräten, die nach einem Jahr wieder veraltet sind. In der Weltwirtschaft dominiert Geld und Macht vor dem Umweltschutz. Mit dieser vorherrschenden Lebensweise haben wir die Welt zu dem gemacht, was sie heute ist – kaputt. Zudem haben wir mit dieser unverantwortlichen Lebensweise, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, auch die Corona-Pandemie zu verantworten.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 23. Juni 2020

Die letzten Monate müssen uns schon jetzt einiges gelehrt haben, auch wenn die Auswirkungen auf unsere Zukunft, bislang größtenteils nur zu erahnen sind. Im positiven Sinne kann das konsequente Handeln in der Corona-Pandemie aber auch Auswirkungen auf den Klimaschutz haben.

Weltweit ist zu beobachten, dass sich unsere Erde durch die Corona Krise sicht- und messbar erholt. In Hamburg hat sich nachweislich die Luftqualität aufgrund des geringeren Verkehrsaufkommen verbessert und in der Ostsee wurde ein Delfin gesichtet – wir müssen gar nicht über die deutschen Grenzen hinweg schauen um zu erkennen, dass die Natur sich aktuell von uns erholt. Warum wir uns aber nicht auf diesen Fortschritten ausruhen können und vor allem nicht zum erneuten Ankurbeln der Wirtschaft über Klimaregularien hinweg sehen dürfen erklärt Vivian Dittmar, Gründerin der Be the Change Stiftung für kulturellen Wandel, Initiatorin des Projekts Bäume für den Wandel, Beraterin beim Terra Institute und Autorin mehrerer Bucherfolge. Außerdem verdeutlicht sie, wie viele Parallelen die Klimakrise und die Corona-Krise haben und was wir heute für den Umgang mit der Erderwärmung lernen können. Hier nur einige Beispiele: „Wie bei Corona, so ist es auch beim Klima: Wenn wir die Auswirkungen spüren, könnte es für wirksame Maßnahmen zu spät sein.“; „Gleichgültigkeit für das, was danach kommt: In der Klimakrise sind es die Älteren, in der Corona-Krise die Jüngeren, die keine Einsicht haben.“; Was ist wirklich wichtig? Corona zeigt uns, dass Menschlichkeit vor wirtschaftlichen Interessen geht.

Den letzten Punkt zum Anlass genommen, kann sogar noch weitergedacht werden. Denn neben dieser wichtigen Erkenntnis wurde bereits in der Vergangenheit schon deutlich, dass Klimaschutz und wirtschaftliches Interesse nicht auseinandergehen müssen. Bereits heute kann ein Vermögen damit verdient werden, wer in Ideen investiert, die den Klimawandel stoppen sollen. Die sogenannten „grünen Superreichen“ verdienen ihr Geld mit Fleisch- und Fisch-Alternativen, Batterien, E-Autos, Windrädern und Recycling und wurden dadurch Millionäre. Höchstwahrscheinlich sind sie bald sogar Milliardäre.

In dem Sektor Ernährung machen aktuell die Hersteller von veganen Fleischalternativen ein großes Geschäft. Patrick Brown, der Gründer und Chef von Impossible Foods ist mit seiner Schweinefleischfrikadelle vor allem in den USA stark gefragt. Auch sein Namensvetter Ethan Brown erschließt sich diesen neuen Markt mit seinem Unternehmen Beyond Meat und den veganen Burger-Patties und Würstchen. Fast alle US-Fast-Food-Ketten verkaufen die Fleischalternativen dieser beiden Unternehmen. Kein Wunder, dass prognostiziert wird, dass vegane Würstchen und Burger in 10 Jahren weltweit bis zu 140 Milliarden Dollar Umsatz einbringen sollen. Ein weiteres Milliardengeschäft steckt in der Mobilität der Zukunft. In diesem Sektor sind insbesondere die E-Autos und ihre Batterien das am stärksten wachsende Geschäftsfeld. Vorreiter in der Entwicklung von Batterien ist der Chinese Zeng Yuqun, der mit seinem Unternehmen CATL Batterien für E-Autos herstellt. Laut dem Bloomberg Billionaires Index besitzt der Chinese 16,7 Milliarden Dollar aus seinen Geschäften. Grund dafür: Yuqun ist der wichtigste Akku-Lieferant der Welt. Der größte Player im Bereich der E-Autos ist Elon Musk mit seinem Unternehmen Tesla. Vor kurzem überschritt das Unternehmen zum ersten Mal einen Börsenwert von 100 Milliarden Dollar. Damit zog das Unternehmen an vielen Autoriesen vorbei: an Ford, General Motors und sogar an Volkswagen. Anthony Pratt gilt als Australiens Recycling-König und rettet jeden Tag 68.000 Bäume und hilft weltweit 100 Millionen Liter Wasser zu sparen. Seine Verpackungsfirma Visy Industries verwendet ausschließlich Altpapier. Außerdem betreibt Pratt einen Großteil seiner Fabriken mit Energie aus Sonne und Wind. Mit dieser grünen Strategie brachte er es zu einem Vermögen von 6,8 Milliarden Dollar und damit zum reichsten Mann Australiens.

Dies sind nur ein paar wenige Beispiele, die aufzeigen sollen, dass Innovation im Klimaschutz nicht nur mit Reglementierungen und Verlust gleichzusetzen sind. Im Umkehrschluss, dass die Vernachlässigung unserer Natur auch eine große Gefahr für bestehende Wirtschaftszweige ist. Diese Erkenntnis wurde auch auf dem World Econmic Forum (WEF) Anfang des Jahres in Davos bekanntgegeben. Beim Zusammentreffen der 3000 Top-Manager und Staatenlenker wurde erklärt, dass die ganze Weltwirtschaft „am Tropf der Umwelt“ hänge. 44 Billionen Dollar an ökonomischer Wertschöpfung sind demnach direkt oder indirekt von einer intakten Natur abhängig. Auf dieser Basis verkündeten die Davos-Veranstalter bereits vor der Veranstaltung das Ziel, dass bis zum Jahr 2050 sämtliche Konzerne klimaneutral wirtschaften sollen.

Erst vor einem Jahr stieg Greta Thunberg in eben dieser Stadt aus dem Zug und sprach auf dem WEF nicht nur die mächtigen Staatenvertreter, sondern uns alle an: „Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt, die ich jeden Tag spüre.“ In dem vergangenen Jahr hat die junge Schwedin auf der ganzen Welt eine Protestaktion und vor allem ein Nachdenken zum Klimaschutz in Gang gesetzt. Wenn jetzt die führenden Parteien unserer Weltwirtschaft ins Grübeln kommen und nachhaltige Ziele formulieren wollen, besteht die Hoffnung, dass aus Protesten und dem Nachdenken auch endlich ein gemeinschaftliches Handeln wird.

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