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Umwelt & Nachhaltigkeit

Die Lage der Natur

In Erinnerung an die Eröffnung der Konferenz der Vereinten Nationen zum Schutz der Umwelt am 5. Juni 1972 in Stockholm haben die Vereinten Nationen und vier Jahre später auch die Bundesrepublik Deutschland den 5. Juni zum jährlichen „Tag der Umwelt“ erklärt. Bereits vor diesem Tag lag der Bericht zur Lage der Natur vor, der einmal mehr verdeutlicht, dass über diesen Aktionstag hinaus, großer Handlungsbedarf besteht, um unsere Natur und ihre Arten zu retten.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 9. Juni 2020

Alle sechs Jahre nehmen Bund und Länder eine Bewertung des Zustands der Natur in Deutschland vor. Dazu werden umfassende Berichte erstellt, die durch die Bundesregierung an die EU-Kommission zur Erfüllung der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie und der EU-Vogelschutzrichtlinie übermittelt werden. Für den Bericht wurden im Zeitraum von 2013 bis 2018 Daten aus insgesamt rund 14.000 Stichproben von den Sandbänken in der Nordsee bis zu den Lärchenwäldern in den Alpen sowie vielen weiteren Beobachtungen aus dem bundesweiten Vogelmonitoring erhoben.

Die Ergebnisse sind insbesondere beim Insektensterben besorgniserregend. Im Einzelnen sind 25 Prozent der untersuchten Arten in einem günstigen Erhaltungszustand, darunter der Seehund und die Kegelrobbe in der Nordsee oder der Steinbock in den Alpen. 30 Prozent sind in einem unzureichenden Zustand. 33 Prozent sind in einem schlechten Zustand, das betrifft vor allem Schmetterlinge, Käfer und Libellen. Bei den Lebensräumen sieht es ähnlich aus. Hier sind 30 Prozent in einem günstigen Zustand, zum Beispiel verschiedene Wald-Lebensräume, alpine Heiden und Gebüsche sowie Fels-Lebensräume. 32 Prozent weisen einen unzureichenden Zustand auf, während sich 37 Prozent der untersuchten Lebensräume in einem schlechten Zustand befinden, vor allem die landwirtschaftlich genutzten Grünland-Flächen, aber auch Seen und Moore. Außerdem legt der Bericht offen, dass renaturierte Feuchtgebiete, intakte Moore und nachhaltig genutzte Wälder entscheidend zu Klimaschutz und Klimaanpassung beitragen könnten, erklärt die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz Prof. Dr. Beate Jessel ihre Schlussfolgerung.

„Die Generalinventur unserer biologischen Vielfalt in Deutschland zeigt ein sehr gemischtes Bild. In manchen Teilen des Landes erholt sich die Natur: Vielen Buchenwäldern geht es gut, in den Wäldern und Siedlungen gibt es wieder mehr Vögel. Auch die Renaturierung von Flüssen und Auen trägt zur Erholung der Natur bei. Vor allem in der Agrarlandschaft geht es der Natur dagegen besorgniserregend schlecht. Das gilt besonders für Schmetterlinge und andere Insektenarten, die auf blütenreiche Wiesen und Weiden angewiesen sind. Denn diese wichtigen Ökosysteme gibt es in der intensiven Landwirtschaft immer seltener. Starke Verluste sehen wir auch bei vielen Vogelarten der Agrarlandschaft wie Kiebitz und Rebhuhn.“ (Bundesumweltministerin Svenja Schulze)

Anlässlich der kritischen Lage, wie es um unsere Natur steht, lässt Stimmen laut werden, dass die Corona-Krise die gewünschte Pause der Natur ist. Vielleicht hat diese sich auch einfach die Pause geholt, die sie benötigt. Diese Spekulationen lassen sich aber leider kaum belegen. Denn was definitiv der falsche Schluss wäre, dass diese Pause für die Natur ausreichen würde, um sich zu regenerieren. Positive Messwerte bei der Luftqualität in den Großstädten zeigen leider nur, wie furchtbar schlecht sie vorher war. Umweltsenator Jens Kerstan sieht trotzdem eine Chance in der Corona-Krise, wichtige Lehren für den Klimaschutz zu ziehen. „Denn echter Klimaschutz bezieht (…) immer ökonomische und soziale Folgen für die Menschen mit ein – und macht auch strukturelle Änderungen bei der Art erforderlich, wie wir wirtschaften und unsere Freizeit organisieren“, erklärt Kerstan in einem Interview. Wichtig sei seiner Meinung nach, beim Ankurbeln der Wirtschaft keine klimaschädlichen Maßnahmen zuzulassen, wie etwa nach der Finanzkrise 2008 mit der Abwrackprämie. Stattdessen sollten mit den sehr umfassenden Konjunkturhilfen unbedingt auch klimafreundliche Innovation gefördert werden.

„Die Jungen sind gerade solidarisch mit den Älteren. Vielleicht sind Ältere bald solidarischer mit den Jungen beim Klimaschutz“, hofft Umweltsenator Kerstan auf eine weitere positive Auswirkung aus den Erfahrungen in der Corona-Krise. Denn es ist vor allem der Mensch selbst, der die Vielfalt und Stabilität der Umwelt bedroht. Ein stärkeres Bewusstsein dafür, der durch alle Altersklassen und Gesellschaftsteile geht, ist für den Klimaschutz unverzichtbar.

Den vollständigen Bericht zur Lage der Natur finden Sie hier

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