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Umwelt & Nachhaltigkeit

Die Lebensmittelretter

„Containern“ legalisieren, ein Lebensmittel-Wegwerfverbot oder besser gleich die Verschwendung eindämmen – diese Diskussionen werden alle auf dem Hintergrund der Tatsache geführt, dass unsere Gesellschaft nicht verantwortungsvoll mit Lebensmitteln umgeht. Es ist schwer zu glauben, wenn man sich dabei erwischt, sich darüber zu ärgern, wenn es beim Einkauf plötzlich nur steinharte Mangos gibt und andere Menschen Hunger leiden.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 16. Oktober 2019

Die Zahl der hungernden Menschen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, steigt jedoch langsamer als die Bevölkerung an: 1990 waren es etwa 822 Millionen, im Jahr 2008 etwa 963 Millionen Menschen. Am 19. Juni 2009 berichtete die BBC, dass nun offiziell eine Milliarde Menschen hungern. Das ist etwa jeder siebte Mensch auf der Erde. Die meisten Hungernden leben in Asien und der Pazifikregion (524 Millionen), gefolgt von Afrika südlich der Sahara (206 Millionen). Auch in Lateinamerika (52 Millionen), dem Nahen Osten (38 Millionen) und vielen osteuropäischen Ländern ist Hunger ein Problem. Der heutige Welthungertag, soll das weltweite Hungerleiden in einer scheinbar großen Welt des Überflusses bewusst machen. Bereits am 16. Oktober 1945 wurde von den Vereinten Nationen (UNO) die Sonderorganisation „Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO“ gegründet, mit der Aufgabe, die weltweite Ernährung sicherzustellen. Seit dem wird dieser Tag gewählt, um weltweit das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Lebensmitteln und Unterstützung der Hungerleidenden in unserer Konsumgesellschaft zu schärfen. Der Förderverein Welthungertag e.V. hat anlässlich dieses Tages die Aktion „Dein Essen gegen den Hunger“ gestartet. Mithilfe einer virtuellen Speisekarte können Sie Ihre heutige Mahlzeit auswählen und den ermittelten Preis dafür spenden, um einen an Hunger leidenden Menschen zu Ihrem Essen einzuladen.

Unternehmen wie ToGoodToGo, SirPlus sowie die Initiativen Restlos Glücklich und foodsharing sind auf dem Vormarsch und schärfen das Bewusstsein in Deutschland gegen die Lebensmittelverschwendung. Zusammen mit dem Bündnis Lebensmittelrettung fordern sie von der Regierung sogar ein Wegwerfverbot von Lebensmitteln. Als Vorbild fungieren hier die Franzosen, die Supermärkte ab einer Größe von 400 Quadratmetern gesetzlich dazu verpflichten, Vereinbarungen mit gemeinnützigen Organisation zu treffen, die sich um die Verteilung der Lebensmittel kümmern, die sonst entsorgt werden würden. Auch der Hamburger Senat bekennt sich deutlich zu einer gesetzlichen Verpflichtung des Handels zur Abgabe genießbarer, einwandfreier Lebensmittel, um deren Verschwendung Einhalt zu gebieten.

Den Standpunkt der Regierung vertreten auch die 120 Lebensmittelretter der Hamburger Tafel. Seit 25 Jahren versorgt die Initiative Hamburgs Bedürftige über ein ausgeklügeltes System und sie wissen ganz genau, dass der Bedarf größer ist, als die Lebensmittel der Spender-Märkte und -Bäckereien. Einer Gesetzesänderung zur Pflichtabgabe von Lebensmitteln müsste aber vor allem eine logistische Planung vorausgehen, wissen die freiwilligen Helfer der Tafel. Allein ihr Projekt, dass sich nur aus Spenden finanziert, ist eine tagtägliche logistische Meisterleistung. Außerdem fallen allein jeden Monat Benzinkosten für die Transporter in Höhe von 3000 Euro an. Hinzu kommen Versicherungen und Reparaturen. Und alles muss reibungslos laufen, sonst besteht schnell die Gefahr, dass die Anzahl der freiwilligen Helfer zurückgeht. „Es ist fantastisch zu sehen, dass wir bestehen und wachsen, weiß auch Julia Bauer, Vorstand der Hamburger Tafel, die Arbeit ihrer Helfer zu schätzen. „Das allein tragen die Hamburger durch ihr freiwilliges Engagement und die Nächstenliebe!“ Durch diesen beständigen Einsatz der Tafel werden jede Woche 40 Tonnen Lebensmittel gerettet.

Neben dem Erhalt und Ausbau von Projekten wie der Hamburger Tafel, gilt es auch neue Ideen zu schaffen und vor allem das digitale Zeitalter und deren großem Zuspruch in der Gesellschaft, einfache Lösung gegen Lebensmittelverschwendung zu präsentieren. Profi auf diesem Gebiet ist der Berliner Raphael Fellmer, Mitbegründer der Berliner SirPlus-Supermärkten und Gründer des Vereins Foodsharing. Sein nächstes Projekt möchte er in Hamburg aufbauen: ab 2020 soll es in unserer Stadt einen Supermarkt geben, der nur abgelaufene Lebensmittel verkauft. Fellmer sieht in seinem Engagement außerdem ein Geschäftsmodell mit dem sich Geld verdienen lässt. Derzeit werden noch alle Überschüsse seiner Projekte investiert, „um deutschlandweit Märkte zu eröffnen und das Lebensmittel-Retten zum Mainstream zu machen“, erklärt Fellmer. Langfristig sollen aber natürlich Überschüsse erzielt werden, die dann an Lobbyisten in Berlin und Brüssel fließen, um sich verstärkt gegen Lebensmittelverschwendung einzusetzen.

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