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Umwelt & Nachhaltigkeit

Die Natur schlägt zurück

Eigentlich sollten am kommenden Wochenende die Aktionstage Nachhaltigkeit beginnen und eine Woche vieler Aktionen einläuten, bei denen die Gesellschaft auf eine nachhaltige Lebensweise aufmerksam gemacht wird. Wie bei vielen aktuellen Themen und Veranstaltungen kam aber auch hier die Corona-Pandemie dazwischen und machte eine Veranstaltungsreihe über das gesamte Bundesgebiet unmöglich. Die Aktionstage wurden auf September verschoben – eine nachhaltige Lebensweise und damit eine Gegenwehr dem Klimawandel verträgt den Aufschub allerdings nicht.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 27. Mai 2020

Wagen wir einen Sprung weit weg von unseren Problemen, auf einen anderen Kontinent – um genau zu sein nach Afrika. Neben dem unkontrollierten Infektionsgeschehen durch COVID-19 haben die Menschen hier aktuell noch ganz andere Probleme. Mehrere afrikanische Länder, haben mit massiven Heuschreckenschwärmen zu kämpfen. Die Tiere fressen alles, was sie kriegen können und damit die Grundnahrungsmittel von Millionen von Menschen.

Die sogenannte Wüstenheuschrecke ist kein neuer Bewohner des afrikanischen Kontinents. Es gab sie schon immer. Doch nur wenn das Wetter sich massiv änderte wurden sie immer wieder zu einer Plage. Doch wie kommt es dazu? Normalerweise leben die etwa sieben Zentimeter langen Tiere als Einzelgänger. Am Ort ihrer Geburt – irgendwo in den Steppen und Halbwüsten Nordafrikas, des Nahen und Mittleren Ostens, Indiens oder Pakistans – fressen sie Gräser, legen ihre Eier und sterben. Sie fressen auch schon zu diesen Zeiten Pflanzen von der Masse ihres eigenen Körpers, etwa 20 Gramm. Das fällt aber nicht ins Gewicht, wenn die Population normal voranschreitet. Zum Problem werden die Insekten erst, wenn sie sich durch zu gute Lebensbedingungen zu stark vermehren. Sind die Heuschrecken durch diese Vermehrung zu eng beieinander, wird eine katastrophale Kettenreaktion ausgelöst. Konkret ist wohl die Berührung an den hinteren Schenkeln entscheidend – durch diese wird in ihrem Körper der Botenstoff Serotonin ausgeschüttet. „Und der sorgt dafür, dass im Körper ein anderes Bauprogramm initiiert wird“, erklärt Axel Hochkirch, Naturschutzbiologe an der Universität Trier und nächster Präsident der internationalen Gesellschaft der Heuschrecken Forscher. „Das führt auch zu Änderungen des Verhaltens. Die Tiere bewegen sich mehr, sie bilden Gruppen und können besser fliegen.“ Von diesem Zeitpunkt an schließen sich die Individuen zu einem Schwarm zusammen und gehen willkürlich auf Nahrungssuche. Ein Schwarm von nur einem Quadratkilometer Ausdehnung braucht täglich so viel Nahrung wie 35.000 Menschen.

In Kenia, wo die Heuschreckenplage aktuell am schlimmsten ist, wurde ein Schwarm mit einer Größe von 40 mal 60 Kilometern gesichtet. Ein Gebiet – fast so groß wie das Saarland. Nicht überraschend, dass man in Kenia von der schlimmsten Plage seit 70 Jahren spricht. Denn die Heuschrecken suchten bislang Dreiviertel des Landes heim. Die Corona-Pandemie erschwert die Bekämpfung und die damit verbundenen fehlenden Hilfen aus dem Ausland. In Kenia wurde bereits im Februar begonnen, durch Trainer der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), junge Männer für den Bodeneinsatz gegen die Heuschrecken auszubilden. Denn sie müssen genau wissen wie sich Wüstenheuschrecken verhalten und wie man sie gezielt mit Pestiziden bekämpfen kann. Es gilt in erster Linie, die Babyheuschrecken zu töten, weil diese noch nicht fliegen können und in Gruppen am Boden sitzen.

Neben dem Bodeneinsatz werden auch aus dem Flugzeug Pestizide über den Heuschreckenschwärmen ergossen, was auf die Fläche gesehen effizient ist, aber auch Menschenleben gefährdet. Denn ebenso wie auf die Heuschrecken, rieseln die Chemikalien auf die Felder, angrenzenden Dörfer und ihre Bewohner nieder.

In Kenia und auch in den Nachbarländern hat es über längere Zeit stark geregnet  – viel mehr als in den Jahren zuvor. Das kommt daher, dass der indische Ozean vor Ostafrika ungewöhnlich warm ist. Der feuchte Boden ist ein idealer Brutkasten für die Heuschrecken. Diese ungewöhnlichen klimatischen Bedingungen und Wetterumschwünge haben die aktuelle Plage bereits vor zwei Jahren auf ähnliche Weise entstehen lassen. Auf der Arabischen Halbinsel hatte es damals in der größten Sandwüste der Erde, der Rub al-Chali, zwei starke Regenperioden hintereinander gegeben. Schuld daran waren zwei Zyklone, die ihre Niederschläge über der sonst so wasserarmen Region niedergehen ließen. Der Regen ließ vermehrt Heuschrecken aus Eiern schlüpfen, die lange Zeit im Wüstensand überdauert hatten. Und weil durch die Feuchtigkeit in der Region auch Pflanzen wuchsen, fanden die Tiere zu fressen. Also vermehrten sie sich weiter.

„Das Wetter ist weiterhin sehr vorteilhaft für die Heuschrecken“, sagt Keith Cressman von der FAO und lässt in einem Dreimonats-Rhythmus neue Generationen heranwachsen. Ab Mitte Juni wird die neue Generation erwachsen werden und damit sehr bedrohlich – denn diese fällt mit dem Beginn der Ernte zusammen. Nach Uno-Schätzungen sind in der Region in diesem Jahr rund 25 Millionen Menschen von Hunger bedroht. Die Weltbank hat zugesagt, Kleinbauern, Viehhirten und Familien auf dem Land mit insgesamt 500 Millionen Dollar zu unterstützen. Doch bis das Geld fließen kann, ist der Hunger vielerorts wohl schon längst da.

Im NDR Info – Das Forum – vom 5. Mai 2020 finden Sie eine ausführliche Sendung zu diesem Thema und ist hier in der Mediathek zum Nachöhren hinterlegt.

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