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Umwelt & Nachhaltigkeit

Die Verpackungs-Sackgasse

Der Name müsste eigentlich Grund genug sein, dieses Produkt aus unserem Alltag zu entfernen. Einweg bedeutet, dass die Flaschen und Trinkverpackungen in den Supermärkten nur „einen Weg“ nehmen. Dieser Hinweg endet beim Verbraucher und landet dann im Müll – kein Rückweg. Trotz dieser Unmissverständlichkeit, gepaart mit unserem technologischen Fortschritt und Wissen über die Schädigung unseres Klimas, nehmen die Einwegflaschen und Verpackungen in Deutschlands Supermärkten wieder stark zu.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 18. August 2020

Diesen Erkenntnissen zum Trotz ist die Mehrwegflasche hierzulande wieder auf dem Rückzug. Laut Bundesumweltministerium werden derzeit nur noch 43 von 100 verkauften Verpackungen für Bier, Wasser und Limonaden wieder befüllt. Vor 20 Jahren waren es noch 65 von 100.

Ausgeschlossen bei diesen Zahlen ist die Milch. Ein Produkt, das diesen Negativtrend unterstützt. Milch kommt wieder vermehrt in Einweg-Plastikflaschen ins Kühlregal. Grund dafür sind laut den Supermarkt-Riesen Lidl und Penny das Kaufverhalten der Verbraucher. Die Kunden stellen den Gewichtsvorteil und die Unzerbrechlichkeit, über den größeren ökologischen Fußabdruck. Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe hält diese Schlussfolgerungen für einen großen „ökologischen Irrsinn“:

„Pro Jahr werden in Deutschland 16,4 Milliarden Plastikflaschen weggeschmissen. Das sind 470.000 Tonnen Müll. Stellt man all diese Flaschen übereinander, reicht das 14-mal von der Erde bis zum Mond.“

Diese Entwicklung sollte eigentlich durch das neue Verpackungsgesetz gestoppt werden. 2019 trat es in Kraft und schreibt dem Einzelhandel seitdem vor, dass eine Mehrwegquote von 70 Prozent bei Getränkeverpackung erfüllt werden muss. Außerdem müssen die Händler jede dieser Verpackungen deutlich als Mehrweg oder Einweg kennzeichnen, sodass dem Verbraucher ein umweltfreundliches Einkaufen erleichtert wird. Die Lücke in diesem Gesetz ist offensichtlich: es fehlen Sanktionen, wenn das 70-Prozent-Ziel nicht erreicht wird. In diesem Sinne entwickelt sich der Einzelhandel zurück, was auch Folgen für die Produktion von Mehrweg-Glasflaschen bedeutet. Wenn die Produzenten keine Abnehmer für ihre Produkte finden, fahren sie die Produktion runter oder stellen sie gar ein. Diesen Produktionskreislauf wieder hochzufahren, würde bereits jetzt schon ein Millioneninvestition zur Folge haben.

Die Frage, ob eine Mehrweg-Glasflasche wirklich besser ist, wird ebenfalls mehr diskutiert als das gehandelt wird. Die Mehrweg-Glasflasche benötigt durch ihr Gewicht mehr Energie für den Transport. Da sie aber in der Regel etwa 50 Umläufe im Verbrauch schafft, macht sie zu einem deutlich umweltschonenderen Produkt. Zum Vergleich: eine Mehrweg-Plastikflasche schafft ca. 15 Umläufe. Eine positive Entwicklung ist sicherlich, dass die Mehrweg-Plastikflasche hierzulande mittlerweile bis zu 28 Prozent aus Recyclingmaterial besteht. Aber auch diese müssen, ebenso wie die Glasflasche, erst einmal präpariert werden. Bei Plastik heißt das: einsammeln, zerkleinern, reinigen und einschmelzen bevor daraus Neumaterial entstehen kann. Es ist eine Innovation, aber gelöst wird das Plastikmüllproblem durch diese Lösung der Wiederverwertbarkeit noch nicht.

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