HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2019. Die Bewerbungsfrist endet am 31. August 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

Kultur

Ich will mich nicht verstecken

Vanessa Münstermann ist Kosmetikerin aus Hannover. Schönheit spielte in ihrem Leben eine große Rolle. Bis zu jenem Morgen im Februar 2016, an dem ihr Ex-Freund ihr Leben veränderte.

Veröffentlicht von Anna-Katharina Haag am 12. April 2019

Die Lebensgeschichte von Vanessa Münstermann ist schockierend und schön zugleich. Nach der Trennung von ihrem Ex-Freund Daniel geht Vanessa wie jeden Tag früh am Morgen mit ihrer Beagle-Dame spazieren. Ihre Gedanken kreisen noch immer um die Trennung und das Verhalten ihres Ex-Freundes. Zu Beginn der Beziehung ist Daniel fürsorglich und liebevoll, doch nach einiger Zeit wird er sowohl psychisch als auch physisch gewalttätig. Zu Beginn sind es kleine Wutausbrüche über alltägliche Dinge, die Vanessa noch nicht aufhorchen lassen. Eines Tages beginnen dann Vorwürfe über ihr Verhalten, etwa wenn sie beim Fernsehen einschläft oder nicht mit Daniel intim werden möchte. Vanessa lässt all dies über sich ergehen, beginnt an sich selbst zu zweifeln und sucht die Fehler zunächst bei ihr. Daniels Verhalten wird immer unerträglicher und es geht sogar so weit, dass sie lieber sterben würde, als noch eine weitere Sekunde mit ihm verbringen zu müssen.

Irgendwann wird es Vanessa zu viel und sie trennt sich endlich von ihm, doch er lässt sie noch immer nicht in Ruhe und auch ihre Familie wird von ihm mit Anrufen tyrannisiert. Plötzlich wird Vanessa bei ihrem Spaziergang aus ihren Gedanken gerissen, denn Daniel steht vor ihr – und schüttet ihr Schwefelsäure über das Gesicht.

Ab diesem Morgen ist für Vanessa nichts mehr wie es einmal war: Sie erwacht auf der Intensivstation –  ihre linke Gesichtshälfte und Teile ihres Körpers sind durch die Säure verätzt. Was nun folgt ist ein langer steiniger Weg, auf dem sie sich Stück für Stück wieder ins Leben zurück kämpft.

Über die Zeit nach dem Säureanschlag hat sie ein Buch geschrieben, in dem sie den Leser unverblümt und ehrlich an ihren Gefühlen und Gedanken teilhaben lässt. Anfangs im Krankenhaus ist sie dauerhaft auf die Hilfe des Pflegepersonals angewiesen, kann nicht alleine zur Toilette gehen und nicht alleine Essen. In ihr beginnen Gedanken zu kreisen: Werde ich je wieder attraktiv für einen Mann aussehen? Werde ich je wieder Sex haben? Wie wird mein Leben danach aussehen und habe ich überhaupt noch ein selbstbestimmtes Leben?

Doch Aufgeben ist für Vanessa keine Option, denn das wäre ein Triumph für Daniel und würde sie zu einem Opfer machen. Nach einer Weile sieht sie ihr Gesicht zum ersten Mal im Spiegel und stellt nach einem kurzen Schockmoment fest, dass sie ab jetzt hässlich sein darf. Dieser Gedanke ist für Vanessa eine ungemeine Entlastung, denn zuvor drehte sich in ihrem Leben vieles darum, dem heutigen Schönheitsideal zu entsprechen.

Heute ist Vanessa Mutter und mit ihrer Jugendliebe verlobt. Sie hat den Verein AusGezeichnet gegründet, der Menschen, die ähnliches wie Vanessa erlebt haben, unterstützt. „Ich will mich nicht verstecken“ ist eine ergreifende Geschichte, die schockiert und Mut macht. Eben die Geschichte von Vanessa Münstermann.

„Ich will mich nicht verstecken“
Vanessa Münstermann
Rowohlt Taschenbuch (Verlag), 10,00 Euro
ISBN 978-3-499-63378-2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*