Japan ist im Juli aus der Internationalen Walfangkommission ( IWC ) ausgetreten. Den Antrag dafür hatten sie bereits im Dezember 2018 eingereicht.
Die IWC war 1948 geschaffen worden, um dem Walfang Einhalt zu gebieten und ihn zu regeln. Wale waren zu diesem Zeitpunkt fast ausgestorben, weil vor allem die USA, die Sowjetunion, Großbritannien und Norwegen bereits die Meere geplündert hatten. Die Japaner, ein Volk, das anderthalb Jahrtausende als Vegetarier gelebt hat, hatte bis dahin noch gar kein Interesse am Walfang. Das änderte sich mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Da die Bevölkerung an akutem Proteinmangel litt, drängte die amerikanische Besatzung zum großangelegten Walfang, da das Fleisch als billige Proteinquelle galt.
Als der IWC den Walfang 1987 dann verboten hat, begründete Japan die Fortsetzung der Aktivitäten mit Forschungszwecken und machte außer in den eigenen Küstengewässern auch vor der Antarktis und dem Nordpazifik weiter Jagd auf die Säugetiere. Die japanische Regierung bezuschusste den „wissenschaftlichen Walfang“ jährlich mit rund 40 Millionen Euro. Die geschätzten 5.000 Tonnen Walfleisch, die jedes Jahr durch die Fangflotte erbeutet wurden, gingen nach der angeblichen Forschung dann in den Verkauf.
Mit dem Austritt aus dem IWC hat Japan erklärt, nur noch in den eigenen Küstengewässern Walfang zu betreiben. Sam Annesley von Greenpeace Japan nennt diese Entwicklung deshalb einen Erfolg für den Tierschutz. Zudem muss man sich die Frage stellen, was Japan tatsächlich antreibt. Den meisten älteren Japanern ist Walfleisch nur noch aus der Nachkriegszeit bekannt und aus dieser Zeit auch nicht in bester Erinnerung geblieben. Jüngere Japaner kennen gar kein Walfleisch und können sich nicht vorstellen, es in Zukunft regelmäßig zu essen. Selbst YouTube-Videos mit Rezepten und die kostenlose Verteilung in Schulen haben es nicht geschafft, Walfleisch wieder populär zu machen.
Die Touristen, denen das Fleisch früher als besondere Delikatesse angeboten wurde, haben inzwischen ebenfalls ihre Interessen geändert: Whalewatching wird in der Tourismusbranche immer beliebter und zog 2015 bereits 220.000 Gäste in das Land. 148 Tourenanbieter erreichten damit einen Umsatz von 8 Millionen Euro. Auch wenn der Tourismus von Klima- und Artenschutzaktivisten also noch so verteufelt wird, bleibt es in diesem Fall zu hoffen, dass der Trend „Gucken statt Schlucken“ noch lange anhält.