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Ethik & Gesellschaft

Containern – eine absurde Diskussion

Kennen Sie das, wenn Sie in den Nachrichten eine Meldung vernehmen, die so kurios ist, dass Sie nicht wissen, ob Sie lachen oder weinen sollen und sich fragen, was bei uns gerade schief läuft?

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 5. Juni 2019

Seit Freitag kenne ich ein neues Wort: Containern. Laut Wikipedia bezeichnet Containern die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern. Die Beweggründe hierfür sind unterschiedlich: Manche sammeln ihre Lebensmittel aus dem Müll, weil sie einfach zu arm sind, sich welche zu kaufen. Andere wiederum setzen sich damit aktiv gegen Lebensmittelverschwendung ein.

Containern ist in keinem Fall zu verwechseln mit dem hippen Begriff Cornern, bei dem trendige Menschen sich mit einem coolen Bier in der Hand zum Quatschen an der Straßenecke des Szeneviertels treffen. Menschen, die Containern sind selten trendig, haben meist nicht das Geld für ein cooles Bier und treiben sich in Szenevierteln kaum an den Straßenecken rum, sondern eher in den Hinterhöfen. Eben dort, wo die Müllcontainer stehen. Doch immerhin hat diese Form der Armut nun einen modisch-schicken Namen, der sie plötzlich scheinbar gesellschaftsfähig macht.

Die Sache mit dem Containern hat allerdings einen Haken: sie ist illegal. Ja, Sie haben richtig gelesen – i l l e g a l. Denn wer Lebensmittel aus dem Müll rettet, begeht Diebstahl und Hausfriedensbruch. Der Müll, den die Supermärkte nicht wollen, gehört ihnen so lange, bis das beauftragte Entsorgungsunternehmen ihn abholt, um ihn dann eben ungenutzt zu entsorgen. Eine sinnvolle Verwendung, wie beispielsweise Mägen zu füllen, Menschen zu sättigen oder dafür zu sorgen, dass ein Kalb nicht für die Tonne getötet wurde, hat der Gesetzgeber nicht vorgesehen.

Genau an dieser Stelle kommen wir nun zu der eigentlichen kuriosen Nachricht: Der Hamburger Justizsenator Till Steffen (Grüne) ließ vergangene Woche verlauten, dass er das Containern in Hamburg legalisieren will. Dieser sozial-verpackte juristische Vorstoß zum Wohle der Gemeinnützigkeit wurde selbstverständlich umgehend heftig kritisiert. Zum Beispiel von den Handelsverbänden, die es für problematisch halten, fremdem Menschen das Betreten von privatem Betriebsgelände zu erlauben. Wie so oft, wird nun debattiert und diskutiert. Sollte das Thema noch auf Bundesebene gehoben und Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) eingebunden werden, kommt es vermutlich noch zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung mit einer Umsetzung bis 2050. Wohl dem, der bis dahin nicht verhungert ist.

Mit Verlaub, diese ganze Diskussion ist völlig absurd, denn würden wir uns einfach mal unsere europäischen Nachbarn zum Vorbild nehmen, wie beispielsweise Frankreich oder seit kurzem Tschechien, wäre Containern völlig überflüssig. Dort wurden Supermärkte per Gesetz dazu verpflichtet ihre nicht verkäuflichen Lebensmittel an soziale Einrichtungen zu spenden. Mit dieser Maßnahme bekämpft man die Lebensmittelverschwendung und sorgt für eine soziale Gerechtigkeit. Die wichtigste Auswirkung dieses Gesetzes ist es aber, den Menschen ihre Würde zu lassen. Denn wer so bedürftig ist, dass er seine Lebensmittel in Abfallcontainern suchen muss, dem wird es in Zukunft dabei nicht besser gehen, nur weil es plötzlich legal ist.

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