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Umwelt & Nachhaltigkeit

Zwischen Katastrophe und Moral

Zum Jahreswechsel stand das Symbol des Feuers im Mittelpunkt der Medien und des öffentlichen Interesses. Nicht vorrangig in Form vom Neujahrsfeuerwerk, aber genau dieser gesellschaftliche Brauch beschreibt das Dilemma unserer Zeit. Während in Sydney das alljährlich große Feuerwerk im Hafen der Stadt in die Luft gejagt wurde, gingen Bilder von riesigen Buschbränden und verkohlten Kängurus von demselben Kontinent um die Welt. 

Veröffentlicht von Marie Mävers am 21. Januar 2020

Sie sind nicht mehr weg zu diskutieren, die „Vorboten“, die bereits jetzt auf unsere Erde treffen und laut Wissenschaftlern die Konsequenz der aktuellen Prognose einer drei Grad Erwärmung entsprechen. Bei den seit September wütenden Buschbränden in Australien sind bisher 28 Menschen und schätzungsweise eine Milliarde Tiere ums Leben gekommen. Mehr als 2000 Häuser wurden zerstört. Zehn Millionen Hektar Land brannten nieder, eine Fläche die größer als Portugal ist.

Laut dem nationalen Forschungsinstitut Csiro und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik  stehen dem Kontinent „gefährliche Jahrzehnte“ bevor. Wie auch in anderen Regionen der Welt werden die Extreme des Wetters größer. Auch in Australien werden die Zeiträume der Buschfeuer, wie die im Sommer oft auftretenden Waldbrände in Australien genannt werden, in Zukunft früher beginnen und später enden. „Bis zum Jahr 2020 werde die Zahl solcher Extremtage um bis zu 65 Prozent zunehmen“, prognostizierten die Forscher bereits vor Jahren. Wie groß die Gefahr tatsächlich werde, hänge von der Entwicklung des Klimawandels ab, so Experten des Instituts. Seit 1990 ist die Durchschnittstemperatur in Australien um 0,9 Grad gestiegen. „In der Zukunft rechnen wir mit einem Anstieg des Ausstoßes von Treibhausgasen, was zu einer weiteren Erwärmung führen wird und damit in Bezug auf Südaustralien zu weiterer Trockenheit, die das Feuerrisiko verstärkt“, bestätigt auch Kevin Hennessy, einer der bekanntesten Klimaforscher Australiens.

Nirgendwo sind die Folgen des Klimawandels so sichtbar wie in Australien. Doch Umweltpolitik spielt kaum eine Rolle. Insbesondere Australiens Premierminister Scott Morrison hält weiterhin an seiner Industriepolitik fest: „Wir werden nicht die Existenzgrundlage der Australier zerstören, indem wir rücksichtslose Ziele festlegen, die die Strompreise in die Höhe treiben“, sagte er in seiner Neujahrsansprache, zu einem Zeitpunkt, wo einer der größte Buschbrände aller Zeiten in Australien nicht zu stoppen war und immer noch ist. Die Brände, die bereits dutzende Leben gekostet haben überspielte er bislang mit Kommentaren wie: „Solche Katastrophen hat es schon immer in Australien gegeben.“

Diese Diskrepanz die beim Klimawandel in Australien herrscht, wird um ein Vielfaches deutlicher, wenn aktuell Roger Federer & Co. ihre Bedenken äußern, wie es um die Luftqualität in Melbourne steht – kurz vor Beginn des weltbekannten Tennisturniers, der Australien Open. Das Leistungssport und der Klimawandel in vielen Bereichen im Widerspruch stehen, dem nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird, habe ich Ihnen bereits anhand des Beitrages zur Leichtathletik Weltmeisterschaft im arabischen Doha im vergangenen Jahr veranschaulicht. Als großer Sportfan und selbst Leistungssportler ist es für mich unerklärlich, dass wie auch in vielen anderen Bereichen des Klimawandels, einfache Maßnahmen nicht ergriffen werden bzw. es keine strikten Regeln gibt, die dem Klimawandel entgegen wirken würden. Am Beispiel der Leichtathletik WM: sie in einem Land stattfinden zu lassen, wo es zu heiß ist, um Leistungssport zu betreiben und ein Stadion mit tausenden Plätzen mit Klimaanlagen drastisch herunterkühlen zu müssen, damit die Veranstaltung stattfinden kann.

Am Beispiel von den Australien Open wird die Diskrepanz von Leistungssport und Klimawandel ein weiteres Mal deutlich, wenn sich die Turnierleitung und Sportler um die Beeinträchtigung der Buschbrände für das Turnier sorgen. So heißt es von der Turnierleitung um Direktor Craig Tiley: „Wetter, Wind und Luftqualität können sich schnell ändern. Bei schlechter Luftqualität kann es zu Verzögerungen oder Unterbrechungen kommen.“ Mehrere Spieler hatten zuletzt über gesundheitliche Probleme geklagt und teilweise zu Bedenken gegeben, auch eine Verlegung in Erwägung zu ziehen. Aufgrund des Rauches wurde nun ein Regelkatalog erstellt. Mit Messgeräten auf der gesamten Anlage wird die Luftqualität in kurzen Abständen gemessen. Sollte ein Richtwert überschritten werden, wird das Match bei einer geraden Anzahl von Spielen oder einem abgeschlossenen Tiebreak unterbrochen. Bei den drei großen Plätzen werden vorsorglich von Vornherein die Dächer geschlossen.

Die Sportler können nichts für die Gegebenheiten vor Ort und machen letztendlich auch nur Ihren Job – dass sie allerdings in eine Situation gebracht werden, in der sie moralisch gezwungen werden in einem Land zu spielen, die sich so wenig mit dem Klimawandel auseinander setzen, obwohl sie so offensichtlich betroffen sind, macht die Diskrepanz zwischen Leistungssport und dem Klimawandel mehr als deutlich.

Auch der Hockeysport hat mit einem ähnlichen Dilemma zu kämpfen. Die in 2019 neu eingeführte Hockey Pro League verlangt von allen teilnehmenden Nationen, ihre Mannschaft zu Heim- und Auswärtsspielen um die ganze Welt fliegen zu lassen. Eine solche Liga auf internationaler Ebene gab es bisher nicht –  wie auch in den meisten anderen Sportarten fanden Vorbereitungs- und Qualifikationsturniere an einem Ort statt, wo über einen bestimmten Zeitraum mehrere Spiele ausgetragen wurden. Mit Auswärtsspielen, die 2019 u.a. in Neuseeland, Australien und Argentinien stattfanden, hat die Deutsche Hockey Nationalmannschaft einen großen ökologischen Fußabdruck auf der Erde hinterlassen. Vor allem einen viel größeren als die Jahre zuvor.

Die FIH (International Hockey Federation) hat immerhin eine minimale Reaktion gezeigt und für die kommenden beiden Jahre veranlasst, dass  zwei Spiele an einem Ort ausgetragen werden d.h. Deutschland bestreitet in einem Jahr gleich zwei Auswärtsspiele hintereinander in Australien und Australien im darauffolgenden Jahr zwei Spiele in Deutschland. Auf diese Weise reisen die Nationen „nur“ in zwei Jahren um die ganze Welt.

Um ihm Rahmen der eigenen Möglichkeiten aktiv zu werden, hat die Damen Hockey Nationalmannschaft (DANAS) jetzt das Projekt „Hockey-Wald“ ins Leben gerufen, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern. „Wir sind uns unseres CO2-Ausstoßes und unserer Verantwortung für unseren Planeten bewusst und möchten daher jetzt handeln: Wir eröffnen einen Danas-Hockey-Wald!“, so Janne Müller-Wieland, die Kapitänin des Teams. Mithilfe der Grootbos Foundation werden bei dem anstehenden Lehrgang in Südafrika jede Menge Bäume gepflanzt. Auch Fans und Supporter können sich dem Projekt anschließen und ihre eigenen Bäume im Hockey-Wald pflanzen. Die Pflanzung eines Baumes kostet 25 Euro. Dafür stellen die DANAS sicher, dass die Bäume in ihrem Hockey-Wald gepflanzt werden und senden ein Zertifikat mit den Koordinaten der Bäume.

„Es steht mit der FIH Hockey Pro League und Olympia ein weiteres wildes Reisejahr für uns und den ganzen Hockeysport bevor. Und uns ist bewusst, dass wir rein rechnerisch mit den Bäumen kaum hinterherkommen. Doch wollen wir uns davon nicht aufhalten lassen und einen Anfang zu machen. Mit der Hoffnung, dass sich viele andere Nationen, Sportler und Unterstützer uns anschließen und wir so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können“, erklärt eine weitere Nationalspielerin. „Unser Ziel ist es im Olympischen Jahr 2020 Bäume zu pflanzen!“ Weitere Informationen und die Möglichkeit einen Baum zu spenden finden Sie hier.

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