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Ethik & Gesellschaft

13 zu viel!

Hamburg verzeichnet seit Mittwoch einen besonders traurigen Rekord: 13 obdachlose Menschen sind in diesem Winter bereits gestorben, erfroren. Gemeinnützige Initiativen, Diakonien und Sozialarbeiter laufen Sturm. „Shame on you, Hamburger Senat!“ hieß es wütend in einem Facebook-Post von Susanne Groth, Vorsitzende vom Leben im Abseits e.V., die nicht begreifen kann, dass der Hamburger Senat keine vorübergehende Einzelunterbringung ermöglicht.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 12. Februar 2021

Seit einer Woche schlafe ich unter zwei Bettdecken und lasse die Heizung nachts ein bisschen laufen. Die Raumtemperatur in meinem Schlafzimmer beträgt 19 Grad. -10 Grad beträgt die Außentemperatur auf der Straße. „Für Obdachlose ist es akut lebensgefährlich, wenn es so kalt wird. Trockene Kälte ist auszuhalten, aber Nässe und kalter Wind sind schlimm. Die, denen wir auf der Straße begegnen, sind steifgefroren, können ihre Hände nicht mehr bewegen oder nicht mehr laufen, einfach, weil es so kalt ist“, berichtet Monika Kelting in einem Interview mit der taz.  Die resolute 74-jährige ist für die Obdachlosenhilfe des Deutschen Roten Kreuzes im unermüdlichen Einsatz. Zurzeit fährt sie mehrmals pro Woche mit einem ehrenamtlichen Team mit dem Kältebus durch die Stadt und verteilt pro Tour rund 50 Liter heiße Suppe. Schlafsäcke, Wolldecken, Isomatten und oft auch warme Kleidung sind ebenfalls an Bord, denn der Bedarf ist riesig.

Die Stadt Hamburg bietet zwar ein Winternotprogramm, doch viele Obdachlose haben Angst vor den beengten Sammelunterkünften, in denen sich kein Sicherheitsabstand einhalten lässt. Zudem haben sie Angst dort bestohlen zu werden und es gibt häufig Streit und gewalttätige Auseinandersetzungen.

„Einzelzimmer würden vieles ändern, so ein Angebot würde sofort angenommen. In geringem Umfang werden Obdachlose auch jetzt schon in Hotels untergebracht. Und diejenigen, die dort unterkommen, sind begeistert. Auch die Hotels nehmen die Obdachlosen meist gerne auf, die Stadt zahlt schließlich. Man könnte auch die Container-Unterkünfte aufmachen, in denen früher Flüchtlinge gewohnt haben und von denen im Moment viele leer stehen. Das würde helfen, ist aber wohl politisch nicht gewollt. Die Stadt fürchtet, dass noch mehr Obdachlose kommen, wenn es denen zu gut geht, die schon hier sind“, vermutet Kelting.

Tatsächlich gibt es viele Möglichkeiten, die der Hamburger Senat nicht wahrnimmt und stattdessen mit den Sammelunterkünften des Winternotprogramms argumentiert. Einzig und allein durch Spenden von Privatpersonen oder Firmen kann für einige Menschen eine Einzelunterkunft ermöglicht werden. So spendete das Unternehmen Reemtsma bereits zum zweiten Mal 300.000 Euro und sorgt so für die Unterbringung von rund 60 obdachlosen Menschen von Dezember bis April in Hotels. Das „CaFée mit Herz“ hatte von Privatleuten Spenden erhalten, wodurch sie nun 20 Obdachlose bis Ende März unterbringen können. 40 obdachlose Menschen dürfen dank des Vereins Straßenblues zur Zeit in der Jugendherberge Stintfang wohnen.

Der aktuelle unhaltbare Zustand, der eigentlich umgehend von der Sozialbehörde der Stadt Hamburg gelöst werden müsste, wird also wieder einmal durch das Engagement von Firmen, Privatpersonen und gemeinnützigen Initiativen abgemildert. Kelting bringt es schließlich auf den Punkt: „Die Menschen tun schon eine ganze Menge, um zu helfen. Und je mehr Privatpersonen helfen, desto weniger hilft die Stadt.“

Wenn Sie helfen möchten und nicht wissen wie, sprechen Sie uns gerne an. Zudem freuen sich Vereine, wie Leben im Abseits, die Alimaus, das Café mit Herz, das JesusCenter und die Obdachlosenhilfe des Deutschen Roten Kreuzes immer über Spenden.

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