HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2021. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2021. Weitere Informationen finden Sie hier.

Sport & Gesundheit

Diagnose: Broken Heart – wenn Liebeskummer krank macht

Wer Liebeskummer für eine Lappalie hält, sollte den Begriff dringend einmal bei Google eingeben. Ein gebrochenes Herz kann ernsthafte gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Grund genug für das Gesundheitswesen, sich des Themas anzunehmen. In Berlin und Hamburg gibt es sogar eine Liebeskummer-Praxis.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 4. Januar 2021

Beim Stichwort Liebeskummer neigen wir dazu, die etwas kitschige Herz-Schmerz-Schublade ganz weit zu öffnen. Etwas Hollywood, etwas Drama, eine Packung Kleenex und eine Schachtel Pralinen, dann wird das schon wieder.

Ein Trugschluss, denn die Folgen von Liebeskummer können fatal sein: so kann er Angstzustände, Magenprobleme und Depressionen auslösen, die bis zum Suizid reichen. Zudem leiden schätzungsweise 2 Prozent aller Patienten, die mit einem Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus kommen, an dem sogenannten Broken-Heart-Syndrom. Eine Verkrampfung des Herzens, die durch besonderen emotionalen Stress ausgelöst wird. Die Symptome ähneln exakt denen eines Herzinfarkts. „Das ist in Deutschland seit Jahren anerkannt“, weiß Silvia Fauck. Sie ist geprüfte Psychologische Beraterin, Coach, Buchautorin und Mediatorin. Im März 2001 eröffnete sie ihre Praxis für Psychologische Beratung in Hamburg. Inzwischen ist sie mit über 50 Partnerinnen aktiv, um Menschen in ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz bei ungeklärten Problemen im privaten Bereich zu helfen. Seit 2006 arbeitet Silvia Fauck in ihrer Berliner Praxis. Rund 90 Prozent ihrer Klienten suchen sie wegen Liebeskummer auf.

Die Zeit nach der Trennung teilt sie in fünf Phasen auf. Nach Verleugnung (1) und Wut (2) kommt die Phase des Verhandelns (3) – der Moment, in dem man auslotet, ob die Liebe nicht doch noch eine Chance hat. Wenn dies nicht funktioniert – und das ist leider oft so – gewinnen die psychischen und physischen Auswirkungen meist überhand. Nicht selten wird dann medizinische oder therapeutische Unterstützung notwendig. In Phase 4, der Akzeptanz, entsteht gleichzeitig ein neues Selbstwertgefühl. „Da fallen dann so Sätze wie ‚Das Arschloch kann bleiben, wo es ist, ich will jetzt weiterleben'“, berichtet Fauck in einem Interview mit der WELT von ihrer täglichen Arbeit. Der Heilungsprozess dauert meist ein Jahr: „Wer sofort aufsteht und weitermacht, da kommt der Hammer irgendwann von hinten.“

Männer und Frauen verarbeiten Liebeskummer meist völlig unterschiedlich. Frauen nehmen sich eher Zeit, den Kummer und den Schmerz zuzulassen. Sie suchen Fehler bei sich (z. B. bei der falschen Partnerwahl). Und wenn sie erst einmal bei Phase 4 angekommen sind, nehmen sie sich meist die Zeit, sich zu erholen, das Leben ohne Verpflichtungen zu genießen und sich an erste Stelle zu stellen. Und wie läuft das bei Männern? „Ganz anders. Wenn sie verlassen wurden, ist das wie eine Niederlage für sie. Männer haben den Wunsch, so schnell wie möglich irgendein Häschen ins Bett zu kriegen. Nicht, weil sie es lieben, sondern weil sie durch den sexuellen Akt Selbstwertgefühl gewinnen. Das heißt nicht, dass Männer nicht leiden. Aber sie lenken sich durch Arbeit, Sport und Tinder-Dates eher ab.“ Viele Männer suchen Fauck meist nur wenige Male auf, bleiben dann weg, weil sie eine neue Beziehung haben. Die hält dann nur drei Monate. Dann kommen sie wieder in die Praxis und wollen Hilfe. Dieser Prozess kann sich über Jahre ziehen, weil sie die eigentliche Trauerarbeit weggedrückt haben,

Fauck tröstet aber nicht nur, sie analysiert mit ihren Klienten auch, was eigentlich schiefgelaufen ist. „Zum Beispiel schreiben wir auf große Karten, was alles wichtig in einer Beziehung ist. Worte wie Vertrauen, Sex, Familie. Das legen wir auf den Boden und dann erlebe ich oft, wie die Klienten sagen: ‚Verdammt, das gab es bei uns alles gar nicht‘.“ Im Alltag scheint hierfür oft das Bewusstsein verloren zu gehen.

Hören Sie – auch Ihrer Gesundheit zu liebe – nie auf miteinander zu sprechen. Oder, um es mit Shakespeare zu sagen:

„Der Kummer, der nicht spricht, nagt am Herzen, bis es bricht.“

Wir wünschen Ihnen für das neue Jahr vor allem Gesundheit und alle(s) Liebe!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*