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Ethik & Gesellschaft

„Jüdischsein“ gesellschaftlich normalisieren

Heute ist Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Auch wenn sich diese schrecklichen Verbrechen heute vor über 75 Jahren ereignet haben, ist Antisemitismus leider kein verschwundener Begriff in unserer Gesellschaft. 2032 antisemitische Straftaten wurden 2019 deutschlandweit gemeldet und die Dunkelziffer wird weit höher geschätzt.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 27. Januar 2021

Jeder antisemitische Übergriff ist einer zu viel und deshalb ist es mehr als beachtenswert, dass sich zwei junge Hamburger ehrenamtlich engagieren, um das „Jüdischsein“ gesellschaftlich zu normalisieren. Der 16-jährige Noah Sheffer ist Jude und in Hamburg geboren. Trotzdem hat auch er schon mehrere antisemitische Übergriffe erleben müssen – gegen sich selbst und andere. Ebenso bedauerlich ist, dass vielen Juden diese Angriffe unangenehm sind und die Vorfälle häufig verschwiegen werden oder sie von Anfang an ihre Religiosität für sich behalten. Diese Erfahrungen hat auch die 25 Jahre alte Shelly Meyer gemacht. Sie erwischt sich heute noch selbst dabei, dass sie in der Öffentlichkeit mit ihren Eltern auf Englisch oder Deutsch telefoniert, obwohl bei ihr Zuhause nur Hebräisch gesprochen wird. Mit sechs Jahren ist die junge Studentin nach Hamburg gekommen und musste schon viele Beleidigungen erfahren: „Du Judenschwein“ wurde ihr hinterhergerufen, Hakenkreuze auf ihr Bild gemalt oder Hassnachrichten in den sozialen Medien geschrieben.

Aber Sheffer und Meyer arbeiten aktiv gegen Antisemitismus an: Sie sind zwei von über 300 Freiwilligen, die sich bundesweit bei dem Begegnungsprojekt „Meet a Jew“ vom Zentralrat der Juden engagieren und in Schulen, Unis, Vereinen oder Unternehmen Fragen über ihr Leben und ihren Alltag beantworten. Die Ehrenamtlichen sind immer zu zweit unterwegs und bringen in diesen Begegnungen, durch jüdische Gegenstände und Erzählungen, den Menschen ihre Kultur näher. „Die meisten Vorurteile entstehen, weil viele keine Juden kennen.“, erklärt Sheffer. Das Bild von Juden entsteht häufig nur im Geschichts- oder Religionsunterricht und ist auch für sie nicht die eine richtige Interpretation. Für sie selbst hat das Judentum mehr mit Traditionen als mit ihren religiösen Überzeugungen zu tun und steht für das „Gemeinschaftsgefühl.“. Durch die Arbeit der Ehrenamtlichen finden im Monat zwischen 50 bis 60 Begegnungen statt und zeigen, dass neben den unterschiedlichen Bräuchen, menschlich keine Unterschiede bestehen.

Es ist für Meyer nicht verständlich, wie sich junge Menschen bei ihr für die Verbrechen der Nazis entschuldigen. „Für das, was damals passiert ist, tragen wir heute aber keine Schuld“, sagt sie. „Aber wir tragen Verantwortung für die Gegenwart und dafür, was in Zukunft sein wird.“

Die Mopo hat eine Serie zum Thema „Jüdisches Leben in Hamburg“ veröffentlicht. Die vielen interessanten Beiträge, sind unter diesem Link nachzulesen. 

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