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Umwelt & Nachhaltigkeit

Ocean Panel: Aktionsplan für die Ozeane

Es ist nicht neu: Überfischung, Verschmutzung durch Plastik und eine globale Erhitzung bringen unsere marinen Ökosysteme nicht nur aus dem Gleichgewicht, sondern drohen unseren Planeten an den Rand eines Kollapses zu bringen. Denn die Ozeane sind die Lunge der Erde, die Ader des Lebens auf unserem Planeten – auch unseres Lebens. 14 Küstenländer haben sich nun zusammengeschlossen und reagieren darauf mit einem Aktionsplan.

Veröffentlicht von Tanja Johannsen am 3. August 2021

Vielleicht erinnern Sie sich noch an unseren Artikel zu dem Dokumentarfilm Seaspiracy, der auf investigative Art und Weise dem kommerziellen Fischfang und den globalen Zusammenhängen zwischen Regierungen, Industrie, mafiösen Strukturen und Umweltschutzorganisationen nachgeht. Mit diesem Film haben die beiden Macher Ali und Lucy Tabrizi eine weltweite Petition gestartet mit der Aufforderung an die Staats- und Regierungschefs verschiedener Länder Fangverbotszonen in den heimischen Gewässern einzurichten und mindestens 30 Prozent unserer Ozeane bis 2030 zu schützen. Wir haben jetzt entdeckt: Schon vor der Welt-Premiere des Films im März dieses Jahres gab es dazu einige Aktivitäten.

Mit dem Ocean Panel haben sich im Dezember vergangenen Jahres 14 Regierungschef aus Australien, Kanada, Chile, Fidschi, Ghana, Indonesien, Jamaika, Japan, Kenia, Mexiko, Namibia, Norwegen, Palau und Portugal zusammengeschlossen und sich dazu verpflichtet, ihre nationalen Gewässer nachhaltig zu bewirtschaften. Dazu stellte das Gremium einen entsprechenden Aktionsplan vor, der bis 2025 gestartet werden soll. Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 30 Prozent der Meere unter Schutz zu stellen, was laut Wissenschaft nötig ist, um eine Erholung der Ozeane zu erreichen. Gleichzeitig fordern sie weitere Länder auf, sich diesem Aktionsplan anzuschließen.

Gemeinsam verfügen die am Ocean Panel beteiligten Länder über ein Gewässerareal von mehr als 30 Millionen Quadratkilometern, was in etwa einem Gebiet der Größe Afrikas entspricht. Mit einer nachhaltigen Meereswirtschaft möchte man die marine Artenvielfalt schützen, die die Lebensgrundlage für uns alle ist. So habe man laut Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg, Co-Vorsitzende des Ocean Panel, zu lange eine falsche Wahl zwischen Meeresschutz und Produktion getroffen. Heute seien die Meere deshalb durch den Klimawandel, Verschmutzung, illegale Fischerei und den Verlust der biologischen Vielfalt bedroht.

Dabei ist Fisch für Millionen von Menschen die Hauptproteinquelle und mehr als die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, wird von Meerespflanzen produziert. Zudem absorbieren die Ozeane rund 25 Prozent unserer CO2-Emissionen und binden rund 90 Prozent der durch Treibhausgasemissionen zusätzlich erzeugten Wärme. Das sind nur einige Tatsachen, die belegen, wie sehr wir auf die marinen Ökosysteme angewiesen sind. Eine schonende Nutzung der Meere könnte dazu beitragen, nicht nur den weltweiten Bedarf an Nahrungsmitteln, Energie und Transport zu decken, sondern gleichzeitig bis 2050 auch pro Jahr für 21 Prozent der notwendigen Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu sorgen. Ein wichtiger Beitrag, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Diesen Zielen liegt ein umfassender Aktionsplan zugrunde, der mit einem Beraternetzwerk aus 135 privaten Organisationen, NGOs und zwischenstaatlichen Organisationen aus 35 Ländern entwickelt wurde. Er umfasst eine Reihe mutiger, aber pragmatischer Empfehlungen, um den Schutz und die Nutzung der Ozeane zu ändern und letztendlich die Auswirkungen der Menschheit auf ihn zu bewältigen. Dazu wurden fünf Schlüsselbereiche definiert, in denen eine sogenannte Transformation stattfinden soll: Ocean Wealth, ein Schlüsselbereich, der sich auf Nahrung, Energie und Tourismus bezieht, Ocean Health, ein Bereich, der Treibhausgasemissionen sowie den Schutz und die Wiederherstellung von Küsten und marinen Ökosystemen in den Mittelpunkt stellt, Ocean Equity, hier geht um die Förderung von Chancengleichheit der Menschen, um vom Ozean zu profitieren, Ocean Knowledge, ein Bereich der sich mit dem Wissen über und der Wertschätzung des Ozeans beschäftigt, und Ocean Finance, ein Bereich, der sich mit der Finanzierung der Transformationen auseinandersetzt.

Für jeden dieser Bereiche wurden eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, um eine nachhaltige Nutzung der Ozeane zu erreichen. Zusammen sind es 74 vorrangige Maßnahmen, über die die 14 Länder bereits einen Konsens erzielt haben und die bis 2030 umgesetzt werden sollen. Darunter beispielsweise eine emissionsfreie Containerschifffahrt sowie eine Erholung der Fischbestände. Zudem solle bis dato die illegale Fischerei unterbunden sein. Investitionen in ozean-basierte, erneuerbare Energiequellen, wie beispielsweise Wind-, Wellen-, Gezeiten- und Solartechnologie sollen darüber hinaus dafür sorgen, dass die Ozeane zum weltweit wichtigsten Energieversorger werden.

„Die Covid-19-Pandemie hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, auf die Wissenschaft zu hören“, so Tommy Remengesau, Präsident des Inselstaates Palau und ebenfalls Co-Vorsitzender des Ocean Panels. Er ist überzeugt: „Wir müssen uns nicht zwischen Meeresschutz und Produktion entscheiden. Wir können beides haben, wenn wir unsere Auswirkung auf die Meere richtig steuern.“

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