HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2021. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2021. Weitere Informationen finden Sie hier.

Ethik & Gesellschaft

Billig, billiger, Fleisch.

Vor einiger Zeit haben wir darüber berichtet, dass aufgrund der Corona-Krise, das Bewusstsein für Lebensmittel und eine gesunde Lebensweise gestiegen ist. Heute müssen wir von der Kehrseite der Medaille berichten. Durch die sinkende Nachfrage kam oder kommt es immer noch zur Überproduktion von tierischen Produkten, die dann für lächerlich günstige Preise im Supermarkt angeboten werden…

Veröffentlicht von Pia Kracke am 23. März 2021

Für diesen Artikel habe ich mich durch die Werbeprospekte der gängigen Supermärkte und Discounter geblättert und muss zugeben, so schlimm hatte ich es gar nicht mehr in Erinnerung. Die Prospekte umfassen in der Regel 40 bis 50 Seiten. Davon werden auf maximal fünf Seiten Obst und Gemüse, auf rund sieben bis zehn Seiten extrem zuckerhaltige Produkte wie Süßigkeiten jeglicher Art und Softdrinks beworben und auf 15 bis 20 Seiten sind Fisch- und Fleischprodukte abgebildet, die für geringstes Geld angeboten werden. In dem Zuge bin ich einmal gedanklich durch die Supermärkte gegangen und finde erschreckende Parallelen.

Die Obst- und Gemüseabteilung befindet sich am Anfang von fast jedem Supermarkt. Dort herrschen bunte Farben, große Vielfalt und angenehme Gerüche. Auf unserem Weg folgen nun Regale im Ladeninneren voller Getreide, Reis und Frühstückscerealien. Eingerahmt von den ersten Kühltheken, die mit tierischen Produkten, vorwiegend Fleisch bestückt sind. Hier reiht sich Salami an Schinken an Mortadella. Eine wirklich große Vielfallt im Sinne des Grundprodukts ist für mich nicht wirklich ersichtlich. Folgen wir dem Gang, finden wir uns an der Frischetheke wieder, die zu 75 Prozent mit Fleischprodukten und maximal 25 Prozent Käse ausgelegt ist. Es folgen weitere Regale mit Fertigprodukten, die auch keinen kleinen Bereich einnehmen anschließend säumen Chips und andere salzige Snacks unseren Weg. Auf der Zielgeraden zur Kasse folgen Gänge mit diversen Softdrinks und Säften, sowie mindestens genauso vielen Regalen gefüllt mit Alkohol. Links und rechts kommen abschließend noch die Süßigkeitenregale, die wir zwangsläufig passieren müssen, um einen Ausgang aus dem Labyrinth Supermarkt zu finden.

Im Grunde ist das Angebot in den Prospekten also ziemlich genauso aufgebaut, wie der Supermarkt selbst. Wenig Obst und Gemüse, viele Kohlenhydrate und noch mehr tierische Produkte jeglicher Art. Der Mensch wird darauf konditioniert, dass Fleisch ein ganz normaler und vor allem großer Bestandteil unserer Lebensmittelkultur ist. In Spielen werden die Deutschen in Lederhose, mit Bier und Würstchen abgebildet. In Restaurants gibt es „normales Essen“ und vegetarisches Essen, wobei die Verteilung in der Regel bei 80/20 liegt. Da ist es kein Wunder, dass SPD-Chefin Saskia Esken mit ihrer sinngemäßen Äußerung: Man müsste schauen, ob man durch einen Verzicht auf Inlandsflüge, geringere Automobilität und vor allem weniger Fleischkonsum, die Umwelt- und Klimaschäden minimieren und somit die Lebensqualität der Bürger steigern könne, in die Kritik geriet. Wenn man bedenkt, dass der Handel allein 2020, 11 Prozent mehr Anzeigen als im Vorjahr für Schweinebraten geschaltet hat, finde ich den Vorschlag mehr als berechtigt. Warum wird so viel Werbung für Produkte gemacht, die mit Leid und Qualen für die Tiere, für Gesundheitsrisiken und geringe Löhne für die Schlachthofbeschäftigten, Existenzsorgen und moralisch schwer vertretbare Bedingungen für die Beschäftigten der Landwirtschaft und allen Konsumenten verbunden sind? Warum ist das Gefühl des Verzichts größer als das Gewissen? Und warum werden insgesamt „Lebensmittel“ beworben, ja ich setze es absichtlich in Anführungszeichen, die dem Menschen in dem Maße, wie es beworben wird nicht gut tun? Ich spreche hier nicht nur von tierischen Produkten, die in der Verpackung ganz appetitlich aussehen, in Wirklichkeit aber oft Abfallprodukte sind, sondern auch von den Produkten, die zum Großteil aus Zucker bestehen und den Verbrauchern auf lange Sicht hin schaden. Ich würde mich freuen, wenn das Bewusstsein weiterhin steigt und es nicht darum geht, am meisten Fleisch für den geringsten Preis zu ergattern. Es geht um unseren Körper und da sollten wir uns selbst mit guten Produkten auch etwas Gutes tun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*