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Ethik & Gesellschaft

Social Bees

Summ, summ, summ – Bienchen summ herum! Das bekannte Kinderlied haben die Biene Majas und Willis vom Dach der HanseMerkur im vergangenen Jahr sehr wörtlich genommen: 50,8 Kilo Honig haben sie durch ihre Umtriebigkeit zusammengetragen! Das flüssige Gold haben anschließend die Mitarbeiter der HanseMerkur fleißig abgenommen: 6.000 Euro (!) konnte durch den Verkauf des „Alster Honigs“ erzielt werden. Den Erlös spenden die HanseMerkur und ihre Mitarbeiter dem Verein Leben im Abseits e.V.. Mit der Scheckübergabe wird im Rahmen des Projekts „Der Schritt Vorwärts – Ein Weg aus dem Abseits“ die Unterbringung von sechs obdachlosen Menschen für einen ganzen Monat sichergestellt.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 20. Mai 2021

Zum heutigen Weltbienentag zeigen die Mitarbeiter der HanseMerkur und die beiden Bienenvölker auf dem Dach in der Alsterterrasse, dass sie ein starkes Team sind: Sowohl die Honigernte als auch der Verkaufserlös, der durch den internen Verkauf des Alster-Honigs erzielt wurde, sind rekordverdächtig. Die fleißigen Bienchen, die vor gut drei Jahren von dem Bremer Start up Bee Rent gemietet wurden, leisten aber noch mehr: täglich bestäubt jedes Volk rund 20 Millionen Blüten.

Wussten Sie eigentlich, dass 75 Prozent der globalen Nahrungsmittelpflanzen von der Bestäubung durch Bienen abhängig sind? Allein dieser Fakt zeigt, wie wichtig das gelb-schwarze Insekt für uns ist. Doch nach wie vor sind die Bienenvölker durch fehlende Nistmöglichkeiten in Folge von Flächenversiegelung, Monokulturen in der Landwirtschaft, Pestiziden und Schädlingen wie der Varroamilbe bedroht. Ihre Rettung ist für uns überlebenswichtig, denn langfristig kann der Schutz und Nutzen der Bienen dazu beitragen, eine gesunde Umwelt und Artenvielfalt zu erhalten und sogar Armut und Hunger zu verringern. Letzteres haben sie – vielleicht nicht ganz im Sinne der Natur – mit ihrem Honigertrag gerade unter Beweis gestellt.

„Housing First“ – der Weg in ein neues Leben

Seit Jahren macht sich Susanne Groth, Gründerin des Vereins Leben im Abseits e.V.,  für das Konzept Housing First stark: Obdachlose Menschen bekommen ohne Bedingungen eine Wohnung gestellt und können zur Ruhe kommen. Durch die engmaschige Betreuung von Sozialarbeitern lernen sie ihren Alltag zu strukturieren, ihren Haushalt zu führen und nehmen eine Arbeit auf. Sie finden Schritt für Schritt ins Leben zurück.

Mit dem Projekt „Der Schritt Vorwärts – Ein Weg aus dem Abseits“ ist es Groth nun zum 1. Mai gelungen, eine Vorstufe von Housing First in Hamburg auf die Beine zu stellen.

Unterstützung erhält sie dabei von dem Hotel Schanzenstern Altona: Fünf Zimmer kann der Verein durch Fördergelder finanzieren, ein sechstes Zimmer gibt das Hotel gratis dazu. Bereits seit Beginn der Pandemie erhielten obdachlose Menschen hier Schutz und Rückzugsmöglichkeiten. „Wir sind sehr froh, ein kleines bisschen gegen die Situation der Obdachlosen tun zu können und es ist für uns auch ein Gewinn. Alle, die hier arbeiten, sind sehr froh, dass die Menschen bei uns sind und wir auch mit ihnen ins Gespräch kommen“, sagt Gunhild Abigt, Inhaberin des Hotels. Sie zeigt dabei eine bemerkenswert klare Haltung, denn die Zimmer stehen auch nach Aufhebung des aktuellen Beherbergungsverbots zur Verfügung. Gäste, die das abschreckt, werden dann freundlich aufgemuntert, sich andere Übernachtungsmöglichkeiten zu suchen.

Während der Einzelunterbringung in den Hotelzimmern können Sozialarbeiter der Diakonie und der Caritas die Zeit nutzen, um mit den Menschen eine Zukunftsperspektive zu erarbeiten, und den Einzug in eine eigene Wohnung, Wohnunterkunft oder therapeutische Einrichtung ermöglichen. Dass das funktioniert, zeigte sich bereits nach 14 Tagen, als der erste Gast wieder auszog, weil er eine Wohnung gefunden hatte.

Bedingungslose Hilfe und eine Wohnung – Finnland macht es vor

Nach Angaben der EU stieg die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 70 Prozent – wirtschaftliche Krisen und steigende Mieten  sorgen dafür, dass das Problem größer und nicht kleiner wird. Nur in Finnland ist die Entwicklung rückläufig. Dort wird das Konzept seit vielen Jahren erfolgreich angewandt. Das Land konnte so die Zahl der obdachlosen Menschen innerhalb von zwei Jahren von 1.900 auf 1.000 reduzieren. Juha Kaakinen, ist Geschäftsführer von Y-Säätiö, einem der vier größten Wohnungsanbieter in Finnland. Der gemeinwohlorientierten Stiftung gehören aktuell mehr als 17.000 Wohnungen. Im Interview mit dem SPIEGEL sagt er: „Wir haben früh erkannt, dass es nichts bringt, Menschen in Not unter Druck zu setzen. Sie brauchen bedingungslose Hilfe und eine Wohnung. Das klassische Modell funktioniert meist so, dass man erst einen Entzug überstehen oder Arbeit finden muss, bevor man eine Wohnung bekommt. Wie auf einer Treppe. Doch das schaffen viele nicht, sie fallen immer wieder runter. Wir gehen deshalb mit »Housing First« den umgekehrten Weg. Als wir dann die ersten Wohnungen anboten, merkten wir schnell, dass uns das doppelt hilft: Unser Konzept senkt die Kosten für die Allgemeinheit, weil es weniger Notfälle und Chaos gibt. Gleichzeitig gibt es den Menschen ihre Würde zurück. Wir behandeln sie wie normale Mieter, nur dass sie eben mit Sozialhilfe oder Wohngeld bezahlen. 2008 hat die Regierung aus diesem Konzept dann eine offizielle Strategie für ganz Finnland gemacht.“

Dass das Thema Obdachlosigkeit immer stärker in das Bewusstsein unserer Gesellschaft rückt, zeigt auch die Liste der renommierten Förderer von Leben im Abseits. Den Projektstart förderten die Reimund C. Reich Stiftung, die Peter Jensen Stiftung, die VINCI Stiftung, die Heidehof Stiftung sowie die Carl-Toepfer-Stiftung. Die EDEKA Zentrale Stiftung & Co. KG unterstützt dieses Projekt mit Lebensmittelgutscheinen, damit die Versorgung der Menschen im Hotel gewährleistet ist. Der FC St. Pauli stattet die obdachlosen Menschen im Hotel mit notwendigen Hygieneartikel und vielem mehr aus.

 

 

Klein aber fein: Ein Zimmer im Hotel Schanzenstern, der Schlüssel zu einem neuen Leben.
Foto: Leben im Abseits e.V.
Drinnen Essen und Trinken statt draußen auf der Straße sitzen: Der Restaurantbereich macht es möglich.
Foto: Leben im Abseits e.V.
Die Sozialarbeiter der Caritas und der Diakonie sind bereit für die neue Aufgabe
Foto: Leben im Abseits e.V.

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