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Ethik & Gesellschaft

Express zu Silvester: Bio-Böller

Bunte Farben, außergewöhnliche Lichter und aufregende Geräusche – Silvester ist für die ganze Familie ein spannender Tag, bei dem jeder seine ganz eigenen Vorlieben hat und so manch Erwachsener wieder zum Kind wird. Ohne Ihnen die Vorfreude zu verderben heute noch ein paar kleine Hinweise rund um den Jahreswechsel, damit sie sicher und mit gutem Gewissen ins neue Jahr rutschen können.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 30. Dezember 2019

Verwunderlich ist die Frage nach Bio-Böllern nicht, eher dass es sie noch nicht zu kaufen gibt. Denn wenn an Silvester jährlich mehrere Millionen Tonnen Müll durch die plastikbehafteten Feuerwerkskörper entstehen und zusätzlich durch Feinstaub und Schwarzpulver Mensch und Umwelt belastet werden, sollte eine ökologische Alternative auf der Hand liegen.

Die Feinstaubbelastung steigt in der Silvesternacht auf bis zu 4.000 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Luft. Zum Vergleich: Die Höchstgrenze für Feinstaub liegt in Städten eigentlich bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Vor allem für Asthmatiker oder Allergiker ist das problematisch, aber auch für gesunde Menschen ist diese Zahl gefährdend. Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden deutschlandweit in der Silvesternacht 5.000 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Das entspricht etwa 17 Prozent der im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge eines ganzen Jahres.

Außerdem entsteht, wenn das Schwarzpulver in der Rakete verbrennt, Kohlendioxid, Schwefeldioxid sowie Ruß, der als Feinstaub in der Luft bleibt. Die Folgen für unser Klima sind aber Gott sei dank gering. Ruß wirkt nämlich vor allem tagsüber klimaschädigend, wenn die dunklen Partikel die Sonnenstrahlen absorbieren und so die Atmosphäre erwärmen. Bis am nächsten Morgen die Sonne aufgegangen ist, ist der meiste Ruß schon wieder zu Boden gesunken.

Dass zeitnah bezahlbare Öko-Böller auf den Markt kommen ist trotzdem sehr unwahrscheinlich. Aktuell investieren im großen Stil nur das US-Militär und Walt Disney zu einer umweltfreundlichen Feuerwerks-Variante. Die US-Navy hat für ihre Soldaten, die regelmäßig Handfackeln als Leuchtsignal verwenden, weniger schädliche Alternativen erforscht. In dem Rauch der Fackeln, die der Pyrotechnik gleichen, befinden sich nämlich giftige Schwermetalle. Durch eine veränderte Bauweise wurde bis heute ein weniger schädlicher Rauch entwickelt, die Materialien sind aber auch zehnmal teurer. Neben dem Militär beschäftigt sich auch Walt Disney mit dem Gesundheitsaspekt des Feuerwerks. In den Freizeitparks wird an mehreren Tagen der Woche ein großes Feuerwerk gezündet. Walt Disney strebt danach es für Besucher und Mitarbeiter, so wenig schädlich wie möglich zu halten.

„Wahrscheinlich wird das Feuerwerk in Deutschland früher verboten als umweltfreundliches Feuerwerk bezahlbar ist,“ meint allerdings Jörg Stiersdorfer, Chemiker an der LMU München. Diese Meinung ist nicht ganz unbegründet wenn man bedenkt, dass ein spezielles Feuerwerk mit wenig Schwarzpulver aktuell nur bei Großveranstaltungen, wie der Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten genutzt wird – der Normalverbraucher könnte sich diese Feuerwerkskörper nicht leisten.

Dass die Freude an einem Feuerwerk nicht nur negative Folgen für Mensch und Umwelt nach sich ziehen, sondern auch mit großer Vorsicht zu gebrauchen sind, weiß jedes Kind – sollte man meinen. Der diesjährige Tag des brandverletzten Kindes am 7. Dezember hat darauf aufmerksam gemacht, dass regelmäßig Kinder und Jugendliche mit schweren Brandverletzungen zu Silvester in die Krankenhäuser kommen. Die Initiative Paulinchen e.V. setzt sich deshalb seit 26 Jahren für Aufklärungsarbeit und Hilfe für brandverletzte Kinder ein.

Die Initiative hat in diesem Jahr eine Liste erstellt, die Tipps rund um den Gebrauch von Feuerwerkskörpern beinhaltet:

  • Nur geprüftes Feuerwerk kaufen. Registriernummer der BAM (0589) + CE-Zeichen. Mehr Infos dazu finden Sie auf der Homepage der Bundesanstalt für Materialforschung und -Prüfung (BAM).
  • Kinder auf die Gefahren durch Feuerwerkskörper aufmerksam machen und nie alleine lassen!
  • Böller niemals in Hosentaschen stecken, sie können sich durch Reibung entzünden.
  • Einen großen Sicherheitsabstand zum Feuerwerk einhalten.
  • Niemals Böller oder Raketen aus der Hand zünden.
  • Silvesterraketen kippsicher aufstellen und nicht von Balkonen oder Fenstern abschießen.
  • Raketen zu keiner Zeit auf Personen richten – Feuerwerk und Alkohol gehören nicht zusammen.
  • Feuerwerkskörper nie selbst basteln oder manipulieren.
  • Äste, Balkone oder andere Hindernisse dürfen nicht in der Flugbahn der Feuerwerkskörper sein.
  • Auf Wunderkerzen für die Kleinen, die sich bis zu 1.200 Grad erwärmen können, verzichten. Knicklichter oder LED-Leuchtstäbe sind genauso lustig.
  • Blindgänger niemals ein zweites Mal anzünden!
  • Funktioniert das Feuerwerk nicht, mindestens 15 Minuten warten und sich in dieser Zeit nicht nähern. Danach kann das Feuerwerk z.B. in einen mit Wasser gefüllten Eimer gelegt und anschließend im Hausmüll entsorgt werden.
  • Das Abbrennen von Feuerwerk in geschlossenen Räumen ist streng verboten.

Kommen Sie sicher ins neue Jahr!

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