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Ethik & Gesellschaft

Sprache bedeutet Wandel. Sind wir dafür bereit?

Sprache ist neben Mimik und Gestik das Hauptkommunikationsmittel der Menschen. Wir sind durch das gesprochene Wort fähig, Themen anzusprechen, zu betonen, anzugehen oder gewollt zu umgehen. Sie ist im ständigen Wandel belebt durch äußere Einflüsse und die Menschen, die sie sprechen. Nicht jede Entwicklung oder Änderung ist gut oder nachvollziehbar für alle, aber sollte man deswegen die Veränderung ablehnen?

Veröffentlicht von Pia Kracke am 20. Juli 2021

Wie oft haben Sie schon die Aussage: „Deutsche Sprache, schwere Sprache“ gehört? Als Kind habe ich mich immer gefragt, warum die Menschen deutsch sprechen so schwer finden. Meine Gedanken, meine Träume, meine gesprochenen Worte waren alle auf Deutsch und ich konnte mir nicht vorstellen, dass es bei anderen anders ist. Dabei gibt es auf der Welt so viele unterschiedliche Sprachen und Dialekte, die unsere eigene Sprache beeinflussen, bereichern, manchmal vereinfachen aber auch erschweren können. Durch die voranschreitende Internationalisierung schaffen es immer mehr Fremdwörter in den täglichen Wortgebrauch der Deutschen und geben uns die Möglichkeit, unseren Wortschatz zu erweitern.

Die immer stärker werdende Du-Ansprache, die in englisch-sprachigen Ländern vorherrschend ist, weil es dort die Sie-Form, wie wir sie nutzen, nicht gibt, ist nicht für alle eine Bereicherung. Das „Du“ bringt oft eine direktere, plumpere Ansprache und es fällt auf, dass die Wahrung der gesellschaftlichen Distanz für viele immer schwerer wird. Es ist beinah egal, in welcher Branche man sich befindet, das „Du“ wird immer öfter unternehmerisch festgelegt und soll den kollegialen, freundschaftlichen Umgang zwischen den Mitarbeitern und Kunden stärken. Die Modernisierung auf die Du-Form ist aber nicht für alle einfach und nachvollziehbar. So ist meinen Großeltern aufgefallen, dass sich der Radiomoderator nur mit seinem Vornamen vorstellt und auch die Menschen am Telefon immer duzt. Neben einer leichten Empörung wurden auch Bedenken geäußert: „Früher war das Du ein Beweis für Freundschaft oder erlangtem Vertrauen. Nicht jeden haben wir geduzt, das musste man sich verdient haben und hatte einen höheren Stellenwert. Selbst wenn wir uns unter den Kolleginnen geduzt haben, haben wir vor den Kunden im Laden das Sie gewahrt. Dadurch konnten wir die Distanz aufrecht erhalten und ein „Sie Blödmann“ kam weder den Kunden noch uns über die Lippen.“ In dem Punkt kann ich als Frau nur zustimmen. Ich bin ein absoluter Fan der Du-Bewegung, es ist jung, modern und dynamisch allerdings birgt sie auch Gefahren und Risiken. Vielen Menschen, gerade Männern fällt es schwer die gesellschaftliche Distanz zu wahren. Ein „Du“ ist keine Einladung zum Flirt, keine Freundschaftsanfrage und vor allem kein Grund, jemandem körperlich näher zu kommen, ohne dass es vom Gegenüber gewollt ist.

Doch das „Du“ ist nicht die einzige Schwachstelle der deutschen Sprache, die mir im Laufe meines Lebens aufgefallen ist. Da sind die Teekesselchen, Sprichworte und Wortzusammenstellungen, die nicht selbst auch bei Muttersprachlern das ein oder andere Mal für Verwirrung, Missverständnisse oder leichte Schmunzler sorgen. Denn ob man einen Stau oder einen Menschen umfährt, hat schon immense Auswirkungen. Nicht zu vergessen die unterschiedlichen Artikel, der Genitiv, der Dativ oder die Fälle. Meine kindliche Naivität habe ich abgelegt und erkenne, dass die deutsche Sprache doch nicht so einfach ist, wie ich dachte. So gibt es auch für Menschen, die sich weder dem weiblichem noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet fühlen, kein offizielles richtiges Personalpronomen oder richtige Bezeichnung. Ob das verwendete „Es“ eine so glückliche Wahl ist, wird bereits stark diskutiert, genauso wie die Ansprache aller Geschlechter. Zum aktuellen Zeitpunkt herrscht noch Uneinigkeit über die richtige Schreib- und Sprechweise, die alle Menschen anspricht, denn wenn man die einen inkludiert (jegliche Geschlechter), dabei aber andere (Blinde) exkludiert, weil die Texte nicht mehr vollständig vorgelesen werden können, ist das kein Fortschritt.

Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft nicht mehr darüber sprechen müssen, wie wir alle Menschen inkludieren, sondern es einfach tun können. Sprache ist ein unfassbares Mittel, das von den Nutzern lebt. Wir sind dazu fähig, Veränderungen anzunehmen, abzulehnen oder nur teilweise in unseren Sprachgebrauch aufzunehmen und egal wie man sich entscheidet, man setzt ein Zeichen. Ich bin gespannt, welche Zeichen als nächstes gesetzt werden und wie die Gesellschaft damit umgeht.

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