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Kinderschutz

Yagmur Erinnerungspreis 2019 geht an die ARCHE

Es ist zwar schon ein paar Tage her, aber gute Nachrichten kann es doch zum Jahresbeginn gar nicht genug geben: Im Rahmen der fünften Gedenkveranstaltung für Yagmur am 17. Dezember wurde der Verein ARCHE e.V. mit dem Yagmur Erinnerungspreis „Zivilcourage im Kinderschutz“ ausgezeichnet.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 8. Januar 2020

Es war ein bisschen wie Klassentreffen des HanseMerkur Preises für Kinderschutz im großen Festsaal des Hamburger Rathauses: Die Benita Quadflieg Stiftung (Preisträger 2017) gehörte zu den Mitveranstaltern, Frau Prof. Dr. Maud Zitelmann von der Frankfurt University of Applied Sciences (Preisträger 2018, gemeinsam mit der Goethe-Uni Frankfurt) kürte die Referentenliste, die ARCHE zählte 2002 zu unseren Preisträgern und der Unterstufenchor Young ClassX bereicherte schon häufig unser eigenes Rahmenprogramm.

So kamen im großen Festsaal, auf den Stiftungsgründer Michael Lezius wegen der hohen Nachfrage ausweichen musste, heimelige Gefühle auf. Lezius begrüßte die über 300 Teilnehmer und zeigte auf, was sich seit Yagmurs Tod vor sechs Jahren im Kinderschutz bereits verbessert hat. Trotzdem bleibt viel zu tun, weshalb er unermüdlich weiter daran arbeitet, die einzelnen Institutionen besser mit einander zu vernetzen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Justizsenator Dr. Till Steffen gestand in seiner Rede ein, dass die Interessen von Kindern bislang nur unzureichend vor Gericht berücksichtigt wurden. Aus diesem Grund wurde nun ein sechsstelliger Betrag für die Fortbildung von Richtern geplant, die zum Familiengericht wechseln. Ein Baustein dieser Fortbildung ist auch die richterliche Anhörung von Kindern.

Dass der Kinder- und Jugendschutz sowie das Erkennen von Kindeswohlgefährdung längst nicht in allen relevanten Lehrplänen verankert ist, ist vielen nicht bekannt. Dementsprechend entsetzt waren wir vor einem Jahr, als wir von Prof. Dr. Maud Zitelmann und Kollegen erfuhren, dass Jugendamtsbetreuer, Pädagogen, Klinikpersonal, Polizei, Richter und viele mehr nicht darauf geschult werden, wie sie eine Kindeswohlgefährdung erkennen und was dann zu tun ist. In ihrem Vortrag im Rahmen der Gedenkveranstaltung erläuterte sie die Situation und stellte das Frankfurter Modell vor. Mit einer interdisziplinären Vorlesungsreihe, die sie und ihre Kollegen ehrenamtlich ins Leben gerufen haben, schulen und sensibilisieren sie genau diese Berufsgruppen und leisten so einen wichtigen Beitrag im Kinderschutz. Zitelmann äußerte sich dabei auch zu der hohen Belastung, der die Fachkräfte in den Jungendämtern ausgesetzt sind. „30 bis 50 Familien pro Fachkraft sind mehr als genug“, appellierte sie an den Familienpolitischen Sprecher Marcus Weinberg.

Weinberg nahm den Faden auf und betonte in seiner Ansprache die Wichtigkeit der Fortbildung der Richter. Allerdings treibt ihn derzeit noch ein ganz anderes Thema um: die jüngsten Skandale im Bereich der Kinderpornographie in Lügde und dem Bergischen Land haben eine nie da gewesene Dimension, die mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr zu bekämpfen ist. Gemäß dem Motto „Kinderschutz vor Datenschutz“ setzt er sich somit dafür ein, dass sich polizeiliche Ermittler zukünftig mit sogenannten Fake-Fotos Zugang zu einschlägigen Portalen verschaffen können, um Tätern schneller auf die Spur zu kommen.

Zum Ende der Veranstaltung übergab Juryvorsitzender Helge Adolphsen den vierten Yagmur Erinnerungspreis an Susanne Bensel und Tobias Lucht von der ARCHE Hamburg. Der Verein hat mittlerweile über 20 Häuser in ganz Deutschland, davon zwei allein in Hamburg. Neben dem täglichen Mittagstisch bekommen die Kinder hier Hausaufgabenhilfe und viele Freizeitmöglichkeiten. Vor allem aber finden sie hier einen erwachsenen Ansprechpartner, der sich Zeit für sie nimmt und ihnen zuhört.

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