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Ethik & Gesellschaft

Eine berührende Begegnung

Damit kennt sie sich gut aus: Susanne Groth hatte schon viele berührende Begegnungen. Einige davon hat sie festgehalten in Fotos, auch um sie denen zu zeigen, die sonst eher wegsehen. Heinz-Gerhard Wilkens und ich trafen sie am Freitag anlässlich der Ausstellungseröffnung „Schattenseiten in den Städten“.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 29. Mai 2018

Elf Städte in Deutschland hat Susanne Groth zuvor besucht und sich gemeinsam mit Christian Eckhoff, Isabel Busch und Henning Stüben auf die Suche nach Schlafstätten von Obdachlosen gemacht. Denn genau darum geht es in der Ausstellung: Die Fotos zeigen die „Platten“ der Obdachlosen in Deutschland. „In einigen Städten war es einfach, in anderen Städten mussten wir fast detektivisch suchen. Aber wir haben in allen besuchten Städten die Schattenseiten gefunden.„, erklärt uns Groth.

Die freie Journalistin hat viele Jahre hauptsächlich über Menschenrechtsverletzung im Nahen Osten berichtet, bis sie eines Tages beim Journalistenstammtisch gefragt wurde, warum sie eigentlich nichts über Deutschland macht. Schnell entwickelte sich die Idee, eine Fotoserie über Hamburgs Wohnungslose zu machen, daraus entstand die Fotoausstellung Leben im Abseits – Vom Leben am Rande der Gesellschaft in Hamburg Mitte und der dazugehörige Bildband, kurz darauf wurde der Verein Leben im Abseits e. V. gegründet, der sich vor allem dafür einsetzt, Öffentlichkeitsarbeit für Menschen zu machen, die keiner sehen will.

Bei ihrer beruflichen Laufbahn sollte Groth eigentlich hartgesotten sein, wenn es um unwürdige Lebensumstände von Menschen geht. Aber während sie uns von den Begegnungen ihrer Deutschlandreise  oder den Schicksalen der Hamburger Obdachlosen erzählt, zu denen sie regelmäßig Kontakt hält, ringt sie dabei oft um Fassung – und wir mit ihr. Unvorstellbar ist es für uns, dass betrunkene „Partypeople“ sich auf der Reeperbahn einen Sport daraus machen auf schlafende Obdachlose zu urinieren oder sie anzuzünden. Sprachlos sind wir, als wir erfahren, dass Menschen – oder nennen wir sie in diesem Fall lieber Monster – gezielt mit Schlägern losziehen, um Obdachlose zu jagen und sie krankenhausreif zu schlagen. Fassungslos macht es uns, dass Nonnen einen ruhig schlafenden Obdachlosen auf einem öffentlichen Platz resolut wach rütteln und ihn verscheuchen, damit „so etwas hier gar nicht erst anfängt“ – christliche Nächstenliebe wurde mir einmal anders erklärt.

Diese Liste lässt sich endlos fortsetzen. Doch auch die Geschichten, die ohne den Einfluss anderer, einfach aufgrund der schwierigen Lebenssituation geschehen, berühren uns sehr. Zum Beispiel die von dem Mann, der im Winter so schlimme Erfrierungen erleidet, dass ihm beide Beine und die Finger abgenommen werden müssen und der nun in einem Pflegeheim wohnt – weit weg von seinem bisherigen sozialen Netz. Die von der Frau, der ein Fuß entfernt werden muss und die nach kurzer Zeit wieder auf „ihrer Platte“ ist, weil sie ihren Hund nirgendwo mit hinnehmen darf, der seit Jahren aber ihr einziger Vertrauter ist.

Aber wir erfahren an dem Tag auch Geschichten, die Hoffnung wecken. Zum Beispiel die von dem Polizisten der Hamburger Davidwache, der einem Obdachlosen EUR 10 schenkt, damit er zu der Beerdigung seiner Freundin am anderen Ende der Stadt fahren kann. Die Beamten der Davidwache haben generell ein wachsames Auge auf ihre Schützlinge. Susanne Groth arbeitet eng mit ihnen zusammen.

Dies ist nur ein Bruchteil der Dinge, die wir Freitag erfahren haben. Aber wir werden hier weiter über das Engagement des Vereins Leben im Abseits e. V. berichten. So ein Verein beeindruckt nicht nur durch die Dinge, die er tut, sondern auch durch die Menschen, die es tun. Wir haben mit Susanne Groth und ihrem Team Menschen kennengelernt, die sich mit sehr viel Empathie und Herz engagieren – für Menschen im Abseits.

Die Ausstellung „Schattenseiten in den Städten“ können Sie noch bis zum 28. Juli in Café du Port in der Hein-Hoyer-Straße 56 in Hamburg besuchen. Der Eintritt ist frei.

 

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