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Ethik & Gesellschaft

Gesichter im Abseits

Der NDR hat in seinem Format „Rund um den Michel“ eine neue Reihe: Gesichter der Großstadt. Sie portraitiert Hamburgerinnen und Hamburger, ihre Besonderheit, ihr Leben und ihr Engagement. Und es dauerte nicht lang bis uns das erste Gesicht sehr bekannt vorkam, denn am Ende ist Hamburg vielleicht doch nur ein Dorf.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 9. Oktober 2020

Hamburg ist eine reiche Stadt. Sie hat viele schöne Gesichter. Gesichter mit viel Leben und Gefühl darin. Eines davon gehört Susanne Groth. „Die, die den Obdachlosen eine Stimme gibt“, wie es Redakteurin Anna Lena Temme auf den Punkt bringt.

Mit Gesichtern der Großstadt fing auch für Groth damals alles an. Als sie vor drei Jahren mit ihrem Buchprojekt „Abseits“ startete, traf sie obdachlose Menschen, deren Kurzbiografien und Portraits sie veröffentlichen wollte. Entstanden ist ein wundervolles Buch. Es zeigt viele schöne Gesichter. Gesichter mit viel Leben und Gefühl darin. Gesichter, die die meisten von uns nicht sehen. Einfach, weil wir nicht hinsehen. Aus Scham. Aus Verlegenheit. Manchmal sogar aus Verachtung. Es enthält Geschichten, die wir nicht kennen, obwohl sie unseren so ähnlich sind. „Wenn man guckt, was  denjenigen aus der Bahn geworfen hat, kriegt man ganz schön Angst, denn davon sind wir alle nicht so weit entfernt“, sagt Groth im Interview mit dem NDR. Und trotzdem denken so viele in ihrer täglichen Bahn, dass ihnen so etwas niemals passiert.

Als Groth das Buch damals veröffentlichte, war die Reaktion darauf so groß, dass sie kurze Zeit später den Verein Leben im Abseits gründete. Seitdem vernetzt sie mit ihrem Team Obdachloseninitiativen untereinander, ist mit Streetworkern und den Bürgernahen Beamten der Davidwache unterwegs und sorgt dafür, dass wir endlich hinsehen. In die Gesichter. Die schönen, mit viel Leben und Gefühl darin. Sie gehören Torsten, Dirk, Anna, Heike und vielen anderen. Es sind echte Menschen, die da auf der Straße sitzen. Die Gründerin bezeichnet das Buch heute als ihr lehrreichstes Projekt, denn hier hat sie erstmalig begriffen, was es heißt, obdachlos zu sein.

Leben im Abseits hat seitdem eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte zu verzeichnen. Der Verein ist inzwischen mehrfach ausgezeichnet, Groth hat ihren Job aufgegeben, um sich voll und ganz ihrem Engagement zu widmen, und längst ihr zweites Buch herausgebracht. Es heißt „Unter dem Radar“ und lässt auch die zu Wort kommen, die sich tagtäglich für die Obdachlosen engagieren. Gerade wurde der Online-Shop eröffnet. Der Erlös aus sämtlichen Verkäufen geht natürlich in die Obdachlosenhilfe.

Das jüngste Projekt wird vielleicht eines mit der größten Auswirkung: Die ABSEITS-Fibel gibt einen Einblick in die Thematik der Bedürftigkeit und Obdachlosigkeit in Hamburg. Ursachen, Zahlen, Fakten und Lösungswege werden dargestellt und es wird aufgezeigt, wie wenig es bedarf, obdachlose Menschen wahrzunehmen und was JEDER dazu beitragen kann, ihnen das Leben zu erleichtern.

Wenn Sie also bislang immer weggesehen haben, weil Sie nicht wussten, wie Sie sich verhalten sollen, dann können wir das jetzt ganz einfach ändern! Schreiben Sie uns einfach Ihren Namen, Anschrift und das Stichwort ABSEITS-Fibel. Wir verlosen 10 Fibeln. Alternativ ist die Fibel auch für EUR 4,90 direkt beim Verein erhältlich.

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