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Ethik & Gesellschaft

Leben im Abseits

In Deutschlands Großstädten sehen wir sie überall und trotzdem nehmen wir sie oft nicht wahr. Sie scheinen weit weg, im Abseits eben.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 18. Mai 2018

860.000 Wohnungslose meldete die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe Ende 2017, für das Jahr 2018 prognostizierte sie 1,2 Millionen. Ob diese Zahl sich bestätigt, werden wir Ende des Jahres sehen. Allein in Hamburg wird die Zahl der Obdachlosen auf 2.000 – 2.500 geschätzt. Diese statistischen Werte sind Schätzungen. Die Dunkelziffern werden um ein vielfaches höher liegen.

Unsere Gesellschaft neigt dazu, schnell die Nase zu rümpfen. Wir gehen davon aus, dass der Bettler an der Ecke durch Drogen, Alkohol oder Faulheit selbst Schuld an seiner Situation ist. Allerdings wird niemand obdachlos geboren und meist gibt es Gründe dafür, warum jemand auf der Straße landet. Menschen, die durch einen schweren Schicksalsschlag den Boden unter den Füßen verlieren, in eine Abwärtsspirale geraten und nicht in der Lage sind sich Hilfe zu suchen.

Jemand, der nicht wegsieht und auch nicht die Nase rümpft ist die Hamburger Journalistin Susanne Groth. Gemeinsam mit dem Fotografen Markus Connemann hat sie im Jahr 2016 den Bildband ABSEITS – Vom Leben am Rande der Gesellschaft in Hamburgs Mitte erstellt. Hierfür wurden die Gäste der Einrichtung CaFée mit Herz interviewt und fotografiert. Bei diesen Menschen handelt es sich um Bedürftige, Obdachlose, Senioren und Hartz IV-Empfänger. Sie erzählten von ihren Leben, Wünschen, Ängsten und Träumen.

Im Rahmen dieser Arbeit knüpfte Groth enge Kontakte zu Obdachloseneinrichtungen, den zuständigen Behörden und Verbänden. Ihr wurde schnell klar, dass es eine Menge Einrichtungen für Obdachlose gibt, die aber personell und finanziell so schmal aufgestellt sind, dass sie kaum Kapazitäten für Öffentlichkeitsarbeit oder zur Vernetzung haben. Erschwerend hinzu kommt, dass Menschen ohne festen Wohnsitz nun einmal schwer zu erreichen sind.

Im März 2017 gründete Susanne Groth gemeinsam mit Christian Eckhoff und Doris Glass kurzerhand den Verein Leben im Abseits e.V., um das fortzusetzen, was mit dem Bildband begonnen hatte: Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit zu den Themen Obdachlosigkeit, Armut und Randgruppen zu leisten. „Nicht nur der alltägliche Kampf ums Überleben, auf der Straße, sondern auch psychische Probleme und Resignation hält sie oftmals davon ab, weiter zu kämpfen. Nichtbeachtung oder gar Verachtung, die sie stets durch ihre Mitmenschen erfahren, ist für sie meist noch schlimmer zu ertragen, als die Obdachlosigkeit oder die soziale Notlage.“, schreibt Groth auf ihrer Website. Was sie und ihr Team außerdem antreibt und bewegt, erfahren Sie in dem Film des Vereins.

Falls Sie auch nicht wegsehen möchten:
Die Fotografien von Markus Connemann können Sie sich im Rahmen der Hamburger Ausstellung noch bis zum 8. Juni im Kulturladen St. Georg in der Alexanderstraße 16 ansehen.

Den Bildband zur Ausstellung gibt es noch im CaFée mit Herz.

Außerdem wird es bald eine neue Ausstellung geben: „Schattenseiten in den Städten“ läuft vom 25.5. bis 28.7. im Cafe du Port in der Hein-Hoyer-Straße in Hamburg.

Und falls Sie sich nun engagieren und Susanne Groth und ihr Team des Leben im Abseits e.V. unterstützen möchten, finden Sie hier alle nötigen Informationen.

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