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Umwelt & Nachhaltigkeit

„Der Mensch brennt schlecht“

Mit diesem Satz begründet Thomas Engmann, Geschäftsführer der privaten Feuerbestattung Südostbayern, die schlechte Klimabilanz von Feuerbestattungen. Als Pionier der Branche plant er die erste CO2-neutrale Einrichtung. Er will den Tod quasi nachhaltig machen.

Veröffentlicht von Silke Hirschfeld am 15. Februar 2022

Egal, wie nachhaltig Ihre Lebensweise ist. Spätestens, wenn Sie sich für eine Feuerbestattung entscheiden, ist Ihre gesamte Ökobilanz dahin, denn Sie brennen schlecht. Die 30 Tonnen-schweren Gasöfen des Feuerbestatters Thomas Engmann brauchen bis zu 90 Minuten bei 1.100 Grad, um einen menschlichen Körper in Asche zu verwandeln. Viel Energie für den letzten Weg.

Dominikus Bücker, Leiter des Instituts für nachhaltige Energieversorgung an der TU Rosenheim, hat errechnet, dass bei einer Feuerbestattung rund 18,75 Kilogramm Kohlendioxid entstehen. Bei durchschnittlich 8.000 Einäscherungen pro Krematorium kommen so 150 Tonnen pro Jahr zusammen. Da sich 75 Prozent der deutschen Bevölkerung für eine Feuerbestattung entscheiden, produzieren alle Krematorien in Deutschland bis zu 250.000 Tonnen Kohlendioxid jährlich.

Diese Zahlen haben Engmann dazu bewogen, seinen Betrieb klimaneutral zu machen. Die Öfen betreibt er seitdem mit Bio-Methan, das aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Mit der Abwärme werden die angrenzenden Gebäude beheizt. Die Kühlhäuser, in dem die Verstorbenen bis zur Einäscherung aufbewahrt werden, werden nur noch mit Ökostrom betrieben, der zu 100 Prozent aus Wasserkraft gewonnen wird. Die Sargtransporter werden durch Elektrofahrzeuge ersetzt. Für die Dächer sind Fotovoltaik Anlagen geplant.

Mit dem Projekt rennt der Bestatter offene Türen bei seiner Kundschaft ein, denn die Nachfrage nach klimaverträglichen Bestattungsformen und naturbelassenen Öko-Särgen aus der Region steigt spürbar. Und es scheint, dass die Menschen bereit sind, auch für den letzten grünen Fußabdruck mehr Geld auszugeben.

Es bleibt also zu hoffen, dass dieses Projekt deutschlandweit Schule macht. Lassen Sie sich also mit Ihrem Ableben noch etwas Zeit – dem Klima zuliebe.

 

 

 

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