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Kinderschutz

Kinder von Häftlingen: Wenn Schweigen kein Gold ist

Es ist ein Thema, was oft und gern verschwiegen wird, denn es verursacht ein Stigma, das man nicht mehr los wird: Eltern, die im Gefängnis sitzen. Schätzungen zur Folge betrifft das in Deutschland derzeit rund 100.000 Kinder. Die Verschwiegenheit führt jedoch dazu, dass es für diese Kinder sehr wenige Möglichkeiten gibt, sich darüber mit jemandem auszutauschen.
Ein Onlineangebot der Caritas in Zusammenarbeit mit der Katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft Straffälligenhilfe schafft Abhilfe. Ein Perspektivwechsel, der nicht nur betroffene Kinder aufklärt.

Veröffentlicht von Tanja Johannsen am 11. Mai 2021

Wie sieht Dein Tag im Gefängnis aus? Hast Du eine eigene Zelle? Sind die Leute nett zu Dir? Typische Fragen, die sich Kinder stellen, wenn ein Elternteil im Gefängnis sitzt. Die Sorge darüber, ob es ihnen gut geht ist für ein Kind oftmals sehr belastend. Gerade in Corona-Zeiten ist ein Besuch im Gefängnis extrem eingeschränkt oder sogar untersagt. Die Sorge um den Vater oder die Mutter ist deshalb umso größer. Wie der Alltag eines inhaftierten Elternteils aussieht ist zudem kaum fassbar. Umso wichtiger ist es, Kinder in ihrer Unsicherheit und Sorge abzuholen und sie über das Leben hinter Gittern aufzuklären.

Seit 2014 sorgen dafür der Deutsche Caritasverband und die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft Straffälligenhilfe mit der Website besuch-im-gefängnis.de. Neben den Informationen zum Leben hinter Gittern, ist es das Ziel, Kinder auch auf den Besuch eines Elternteils im Gefängnis vorzubereiten. Erstaunlich: Die Website ist das einzige Angebot dieser Art im deutschsprachigen Raum und wird durchschnittlich von etwa 200 Menschen am Tag angeklickt.

Nach Relaunch: Angebot in sechs Sprachen

Seit Ende März dieses Jahres erscheint die Website in überarbeiteter Form. Das altersgerechte Angebot steht nun in sechs Sprachen zur Verfügung. Neben Deutsch sind das Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch und Russisch. Ergänzt werden die schriftlichen Infos rund um den Alltag in einer Haftanstalt und den Vorbereitungen eines Besuches durch Youtube-Videos, die aktuell allerdings nur auf Deutsch verfügbar sind. Unter dem Titel „Lilli und Selman fragen nach“, wird der Gefängnisalltag hier in verschiedenen Gesprächen mit Inhaftierten und Justizpersonal beleuchtet. Das Besondere daran: Die Fragen werden von Kindern für Kinder gestellt.

In einem Audio-Bereich wird den Kindern zudem gezeigt, dass sie nicht die einzigen sind, die mit so einer Situation zurechtkommen müssen. In Form von kurzen Hörbeiträgen schildern betroffene Kinder und Jugendliche ihre Erlebnisse und geben beispielsweise auch Tipps zum Umgang mit den Eltern, wenn sie entlassen werden.

Neben Interviews mit Betroffenen und Erfahrungsberichten von Gleichaltrigen stellt die Seite aber auch Anregungen und Informationen zur Verfügung, wo weitere Unterstützung zum Umgang mit der Situation gefunden werden kann. So bietet beispielsweise die Caritas selbst Angehörigen von inhaftierten Menschen Rat und Unterstützung in Form einer Online-Beratung an.

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