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Kinderschutz

Gerüstet für die Zukunft: Impulse für ein anderes Bildungssystem

Die Bundestagswahl steht vor der Tür. Und mit ihr kommen die verschiedensten Themen auf die Tagesordnung: Klimaschutz, Zuwanderung, Steuererhöhung. Und natürlich auch das Thema Bildung. Ein komplexer Dauerbrenner, der in unseren 16 Bundesländern unterschiedlich organisiert ist. Erst vor Kurzem rauschte durch den digitalen wie analogen „Blätterwald“, dass der Freistaat Sachsen das Bildungssystem in der Bundesrepublik anführt. Festgestellt vom Bildungsmonitor der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Dennoch ist auch hier nicht alles rosarot am Bildungshimmel – Stichwort Digitalisierung. Aber geht es eigentlich immer nur um Digitalisierung? Welche Impulse wären für unser Bildungssystem denn noch sinnvoll?

Veröffentlicht von Tanja Johannsen am 31. August 2021

Ja, es ist keine Frage: Unser Bildungssystem kämpft mit vielen Herausforderungen und neuen Aspekten. Von Lehrkräftemängel, digitalem Unterricht, Ganztagsbetreuung und Förderung für Lernschwache, ganz zu schweigen von der Integration geflüchteter, schulpflichtiger Kinder. Wie aber reagieren die Parteien für die Bundestagswahl im kommenden September darauf? Nun, die einen holen für ein möglichst niedrigschwelliges Bildungsangebot im digitalen Zeitalter die Volkshochschulen ins Boot. Die anderen setzen auf digitale Lernmittelfreiheit im Sinne von Digitalisierung und Bildungsgerechtigkeit. Wieder andere bleiben bemerkenswert unkonkret und sprechen von der Notwenigkeit einer nachhaltigen Entwicklung als Bildungsinhalt. Ja, eigentlich ist das alles bemerkenswert unkonkret – finden Sie nicht? Ich finde, es klingt, als drehe man sich immer wieder im eigenen Saft. Und, als ob man die Zeichen der Zeit auch im Corona -Zeitalter, einfach immer noch nicht erkannt hat. Was ist mit Aspekten wie die Art des Lernens, dem Auswendiglernen, den „weichen“ Skills, die systemimmanent wirken, wie Leistungsorientierung, ich nenne es auch gern das „Höher, schneller, weiter-Prinzip“, oder auch gesellschaftsorientierten Aspekten, die an unser Miteinander oder unserer Umwelt angelehnt sind? Grund genug, sich einmal auf die Suche nach Bildungseinrichtungen zu machen, die unserem System – sagen wir einmal – zumindest einen Impuls geben könnten. Ich habe drei gefunden, die ich Ihnen gern vorstellen möchte.

Tatsächlich sind diese Systeme geprägt von IT-Ausbildung, wenig Konkurrenzdenken und Leistungsdruck – und verpönen sogar das allseits bekannte Auswendiglernen. Stattdessen fördern sie individuelle Interessen. „Befreiung aus dem Korsett der industriellen Verwertungslogik“ – wie es das Gesellschaftsmagazin enorm in einem Artikel zu alternativen Bildungssystemen ausdrückt – scheint dabei im Mittelpunkt zu stehen.

Schule im Aufbruch

Margret Rasfeld, Begründerin der „Schule im Aufbruch“, setzt sich seit Jahrzehnten mit Leidenschaft dafür ein. Ihre Auffassung: „Die Menschheit steht vor existenziellen Herausforderungen. Der Lebensstil des höher, schneller, weiter in Konkurrenz gegeneinander überfordert planetare Grenzen. Eine gesellschaftliche Transformation zu Nachhaltigkeit auf allen Ebenen ist zwingend notwendig und erfordert einen Paradigmenwechsel im Bildungssystem.“

Und so stehen selbstorganisiertes Arbeiten in Lernbüros, das Verständnis von Lehrkräften als Lerncoaches oder die Unterstützung von Kindern mit Migrationshintergrund beim Lernen durch Schüler im Vordergrund. Darüber hinaus gibt es ein Pflichtfach „Verantwortung“, in dem sich die Schüler im Gemeinwesen engagieren – sei es in Seniorenheimen oder Ökoprojekten. Unter dem Stichwort „Herausforderung“ gehen die Schüler zwei bis drei Wochen lang an ihre Grenzen – sei es mit einer körperlichen, sportlichen Herausforderung oder einer geistigen. Und am „Frei Day“ ist die Arbeit mit Organisationen vor Ort angesagt – ob nun zu Umweltthemen oder gesellschaftlicher Unterstützung. „Die Care-Arbeit für Mensch und Planet muss im Zentrum stehen“, sagt Margret Rasfeld und begeistert mit ihrer „Schule im Aufbruch“ bereits weitere 40 Schulen, die in dieser Art Netzwerk dabei sind.

Zukunftsbauer

Das Erlangen von Zukunftskompetenz ist das Ziel der Gründer von „Zukunftsbauer“. Klingt nicht wirklich greifbar? Nun ja – geht mir auch so. Aber diese Initiative entwickelt Fortbildungen und Projektideen mit dem Ziel, Schülern den Umgang mit Unsicherheiten und Komplexität beizubringen und gleichzeitig dabei zu erfahren, inwiefern man selbst etwas bewirken kann, indem man eigene Lösungen entwickelt und damit experimentiert. Die Vernetzung von Schulen mit Praxis und Berufsleben stehen dabei für die Zukunftsbauer im Mittelpunkt.

Umweltschule

Die „Umweltschule in Europa“ ist eigentlich ein Wettbewerb, der auf der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ basiert. Er wurde 1994 in Hamburg gestartet. Dieser Wettbewerb ist der Grund, warum sich bislang rund 1.500 Bildungseinrichtungen in Deutschland mit dem Titel „Umweltschule in Europa – Internationale Nachhaltigkeitsschule“ bezeichnen dürfen. Was sie dafür tun? Sie beschäftigen sich einfach mit Themen wie Klimaschutz, regionalem Konsum oder Biodiversität und haben sich zum Ziel gesetzt, mit einem eigens entwickelten Konzept eine umweltverträgliche Schule zu entwickeln und nachhaltige Bildung zu fördern.

Dies sind nur drei Beispiele für alternative Bildungsansätze, von denen Sie nur vielleicht oder eventuell gehört haben. Ich bin tatsächlich auch durch Zufall auf sie gestoßen und finde, dass sie in unserem doch immer noch recht starren Bildungssystem gelungene Impulse für eine zukunftsfähige Ausbildung setzen könnten. Man muss ja nicht immer gleich eine Revolution anzetteln, sondern gute Aspekte einfach annehmen und integrieren.

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