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Kinderschutz

Keine Rechte für Kinder bei der Impfstrategie

In Deutschland war die Impfstrategie von Anfang an klar: Erst die Risikogruppen d.h. Personen über dem 80. Lebensjahr. Hinzu kommen die Personen, die durch ihre tägliche Arbeit mit diesen Personen im Kontakt sind und natürlich das ärztliche Personal, dass sich seit der Ausbreitung des Coronavirus einem großen Berufsrisiko aussetzt. Diese Personengruppe fällt unter die Impf-Priorität eins. Auf vier weitere Prioritätsgruppen verteilen sich Menschen des Alters 80 bis 60 Jahren, Menschen mit Vorerkrankungen und weitere gefährdete Berufsgruppen z.B. Erzieher, Polizisten, Busfahrer etc. Auf diese fünf Gruppen folgt dann der Rest der Bevölkerung, mit ca. 45 Millionen und Einzelfälle. Welche Personengruppe allerdings keine Erwähnung in dieser Liste findet sind Jugendliche und Kinder.

Veröffentlicht von Marie Mävers am 19. Februar 2021

Der Berliner Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske und gleichzeitig Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) findet dafür klare Worte: „Derzeit wird den Kindern nicht nur das Grundrecht auf Bildung beschnitten, sie kommen auch in der Impfstrategie gar nicht vor.“ Dabei geht es nicht darum, die Kinder als erstes zu impfen, zumal bei Kindern der Krankheitsverkauf von Covid-19 zum Großteil milde verläuft. Der BVKJ und einige Eltern appellieren an die Politik, dass die Kinder gar nicht bedacht werden. Die Impfstoffe auf dem Markt sind aktuell erst ab einem Alter von 16 bis 18 Jahren zugelassen – für die Jüngeren fehlen Teststudien. Diese werden zurzeit auch nur von der Firma Pfilzer bei einer Studie von 12- bis 16-jährigen erhoben.

Die Politik beruft sich bislang auf den Fakt, dass Covid-19 bei Kindern meist milde anschlägt, so auch Johannes Hübner, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Dass auch Kinder und Jugendliche Vorerkrankungen haben, die bei einer Covid-19-Infektion gefährlich werden können, bringt Hübner zwar mit der Möglichkeit auf eine zeitigere Impfung in Verbindung, dass dieser Impfstoff dann aber nie an Kindern und Jugendlichen getestet wurde nennt sich „off-Label-Immunisierung“. Also ein Impfstoff, der ohne Test verabreicht wird. Wie bedenklich dieses Vorgehen ist, bleibt im Raum stehen.

Ganz andere Probleme in der Impf-Grundversorgung, die aber ebenfalls die Kinderrechte beschneiden, beschreibt Robin Nandy, Leiter des Impfprogramms der UNICEF. Aufgrund der Pandemie musste die UNICEF ihre Impfprogramme in den Entwicklungsländern aussetzen. Es geht dabei um Impfungen gegen vermeidbare Krankheiten wie z.B. Masern. Diese mussten ausgesetzt werden, weil zu große Gefahren auf eine Covid-Ausbreitung, durch die nicht vermeidbaren Kontakte bei den Impfungen, entstehen würden. Diese temporären Aussetzungen der Massenimpfungen ziehen aber voraussichtlich gravierende Folgen nach sich. Das Fachmagazin „Lancet“ veröffentlichte dazu die Hochrechnung, dass diese Impfunterbrechungen weltweit zwischen 250.000 und einer Million Kindern das Leben kosten könnte.

Und damit nicht genug in der Impfproblematik. Denn die Verfügbarkeit eines Corona-Impfstoffes zieht weitere nach sich. Zunächst geht es darum, wann überhaupt ein Impfstoff in den Entwicklungsländern verfügbar sein wird. Aktuell belaufen sich die Prognosen darauf, dass Ende 2021 20 Prozent der Bevölkerung eines jeden Entwicklungslandes Zugang zu einem Impfstoff haben soll. Angenommen diese Prognose tritt wirklich ein braucht es auch Personal, die diesen Impfstoff verabreichen können. Diese Mehr-Aufgabe an Impfungen macht Nandy große Sorgen, denn in vielen Ländern impft UNICEF als einzige Organisation und dann zum Großteil Kinder gegen vermeidbare Krankheiten: „Müssen wir uns bei den Impfungen gegen Covid-19 so sehr verausgaben, dass wir Impfungen gegen andere vermeidbare Krankheiten gefährden?“ Die Exekutivdirektorin der UNICEF Henrietta Holsmann Fore betont deshalb permanent: „Wir dürfen nicht die eine Gesundheitskrise auf Kosten einer anderen bekämpfen.“ und sieht die einzige Lösung darin, dass es auch am anderen Ende der Welt nicht auf Kosten der Kinder geht, in der Bereitstellung von Personal und Mitteln.

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