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Kinderschutz

Sternstunden am Chiemsee

Es ist immer wieder schön, wenn wir von neuen Projekten der einst mit dem HanseMerkur Preis für Kinderschutz ausgezeichneten Initiativen erfahren. So aktuell von der Stiftung „Ein Platz für Kinder“, dem Hauptpreisträger des Jahres 2014. Ab Herbst 2021 entsteht im Klostergut Mitterndorf in Südostoberbayern das „Therapeutische Internat Mattisburg Sternstunden am Chiemsee“, erstmals in eigener Trägerschaft. Diese besondere Schule gibt es bislang in Deutschland nicht. Ein Meilenstein in der Traumapädagogik.

Veröffentlicht von Heinz-Gerhard Wilkens am 20. Januar 2021

Die Stiftung „Ein Platz für Kinder“ hat seit 2008 in Hamburg, Hannover und Halle an der Saale Facheinrichtungen für traumatisierte Kinder gebaut. Diese „Mattisburgen“ sind für schwersttraumatisierte Jungen und Mädchen im Alter zwischen fünf und elf Jahren ein Schutzraum auf Zeit. Ihre Schicksale sind verstörend; sie sind Opfer von Vernachlässigung, sexueller, physischer oder psychischer Gewalt geworden. In den durchschnittlich zwei Jahren, die junge Opfer in der Einrichtung verbleiben, werden die Kinder mit der individuellen Unterstützung ausgebildeter Traumapädagogen und -pädagoginnen und Therapeuten stabilisiert und auf ein Leben nach der Einrichtung vorbereitet. Doch reguläre Schulbesuche sind nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich.

Daher ließ Stifterin Johanna Ruoff der Besuch der britischen Einrichtung The Mulberry Bush nicht mehr los, da in England schon 1948 ein Internat geschaffen wurde, das nicht nur therapeutisch das Geschehene weiter aufarbeitet, sondern das den jungen Opfern als Anschlusseinrichtung an ein Traumahaus dient, wo sie den häufig in erheblichem Maße nachzuholenden Schulstoff nach ihren ganz speziellen Bedürfnissen bewältigen können. Für diesen „Zugang zu Schule und traumasensibler pädagogischer und therapeutischer Betreuung“ konnte Johanna Ruoff viele Mitstreiter begeistern, darunter den Münchner Sternstunden e.V., der die vollstationäre Jugendhilfeeinrichtung nebst einer Ersatzschule am Chiemsee mit einer Fördersumme von 1,75 Mio. Euro unterstützt.

Johanna Mayer OSB, Äbtissin der Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth am Chiemsee, zeigt sich erfreut, dass alle Mitglieder des Konvents das Projekt einstimmig angenommen haben und dass das seit mehr als 25 Jahren leerstehende Schülerheim Mitterndorf jetzt für eine neue Bestimmung, die bundesweit eine Leuchtturm-Funktion hat, umgebaut werden kann: „Wir hoffen, dass in Zukunft viel Segen auf dem Haus, den Kindern, den Therapeuten, den Lehrern und allen Begleitpersonen liegen wird. Wir im Inselkloster werden die Einrichtung immer betend begleiten.“

Schirmherrin des therapeutischen Internats ist Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags. Sie begrüßt den Startschuss für das Haus „Mattisburg Sternstunden“: „Es entsteht nun am Chiemsee eine deutschlandweit einmalige Einrichtung, in der die Kinder die Möglichkeit erhalten, seelisch und körperlich zur Ruhe zu kommen. Sie werden Fürsorge erhalten, Geborgenheit sowie individuelle therapeutische, pädagogische und menschliche Zuwendung.“

M.Johanna Mayer (2.v.l.), Äbtissin in Frauenwörth, studiert mit Stifterin Johanna Ruoff (2.v.r.) die Umbaupläne auf dem Gelände des Inselklosters
Foto: Ein Platz für Kinder
Schule Chiemsee: Herrlicher Blick auf den Chiemsee vom Internatsgelände aus

Foto: Ein Platz für Kinder

One thought on “Sternstunden am Chiemsee”

  1. Mein Respekt an das gesamte Team der neuen Mattisburg am Chiemsee, solche Initiativen braucht es für die Kinder. Chapeau für alle Anstrengungen zur Entwicklung eines guten und transparenten Konzeptes, in dem die spezifischen Bedürfnisse traumatisierter Kinder, das fachliche Verstehen ihres oft herausforderndes Verhaltens und der Einsatz für ihren Schutz und gute Lebensperspektiven im Zentrum stehen.
    Dank auch an die Hanse-Merkur Stiftung, die uns Preisträger untereinander in fachlichen Austausch gebracht hat und weiter bringt!

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