HanseMerkur

Achtung: Neue Bewerbungsfrist!

Bewerben Sie sich schon jetzt für den HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2021. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2021. Weitere Informationen finden Sie hier.

Kinderschutz

Sesame Workshop: Kinder für eine bessere Welt vorbereiten

Ernie und Bert, Grobi, das Krümelmonster oder Oskar aus der Mülltonne – wer kennt sie nicht, die Helden unserer Kindheit aus der Sesamstraße, die auch heute noch unsere Kinder begeistern? Was wohl aber die wenigsten wissen: Die Sesamstraße basiert auf einer Non-Profit Organisation, die in 150 Ländern der Welt aktiv ist, um Kindern zu helfen, weltweit gewandter, stärker und einfach freundlicher heranzuwachsen. Die Rede ist vom Sesame Workshop. Und der Name ist Programm! Zum heutigen Internationalen Kindertag wollen wir diese Organisation einmal näher beleuchten.

Veröffentlicht von Tanja Johannsen am 1. Juni 2021

Der Internationale Kindertag ist in vielen Kulturen ein Feiertag für Kinder. Er geht auf eine internationale Konferenz zum Wohlergehen der Kinder im Jahr 1925 zurück, in der 54 Staaten die Genfer Erklärung zum Schutze der Kinder verabschiedeten. Heute ist er nicht nur ein Feiertag, sondern auch ein politischer „Kampftag“, der die Kinderrechte und die Bedürfnisse von Kindern in das öffentliche Bewusstsein rücken soll.

Ende der 60er-Jahre machten sich dies auch die TV-Produzentin Joan Ganz Cooney und der Psychologe und Philanthrop Lloyd Morrisett in den USA zur Aufgabe. Damals besaßen rund 97 Prozent der amerikanischen Haushalte ein TV-Gerät und Vorschulkinder sahen im Schnitt 27 Stunden Fernsehen pro Woche. Bildungsforscher hatten bereits damals festgestellt, dass eine gute Vorbereitung auf die Schule bessere Noten und ein effektiveres Lernen zur Folge hatte. Einkommensschwache Haushalte konnten dafür jedoch weniger Ressourcen aufbringen als Einkommensstarke. Joan Ganz Cooney und Lloyd Morrisett stellten sich daher aus heutiger Sicht eine recht simple Frage: Könnte das Fernsehen dabei helfen, benachteiligte Kinder auf die Schule vorzubereiten?

Mit dem Sesame Workshop, ursprünglich bekannt als Children´s Television Workshop (CTW), gründeten die beiden US-Amerikaner am 20. Mai 1968 eine Non-Profit-Organisation. Sie sollte das Dach für die Produktion einer TV-Serie sein, die Kindern – speziell aus ärmeren Verhältnissen – helfen sollte, sich auf die Schule vorzubereiten. Die Sesame Street, unsere Sesamstraße, war geboren!

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit, in der pädagogische Berater, Forscher, Fernsehproduzenten, Künstler und andere Visionäre befragt und die Serie entwickelt wurde, feierte die Kultsendung am 10. November 1969 im amerikanischen Fernsehen Premiere. Von da an eroberte das erfolgreiche Format die Welt und kam im Jahr 1973 in synchronisierter Fassung auch nach Deutschland. Bis heute ist sie eine der erfolgreichsten Fernsehserien für Kinder im Vorschulalter und die älteste und am längsten ausgestrahlte Kindersendung im amerikanischen Fernsehen.

Wenn Ernie, Bert und Grobi lebendig werden….

Was im Fernsehen vorgemacht wird, setzt Sesame Workshop aber auch im realen Leben dort um, wo Familien eine vertraute Hand zur Hilfe der Kleinen gebrauchen können, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen können. Überall dort, wo Kinder lernen und spielen, setzt sich die Organisation mit ihren beliebten Puppen-Protagonisten über Shows, soziale Initiativen, Forschung und Innovation, Schulen oder Live-Entertainment für die Vermittlung von Bildung und Erfahrungsaustausch ein.

So gibt es beispielsweise das Projekt „Zusammenkommen“ zum Thema Rassengerechtigkeit, das Familien mit Wissen und Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit dem Thema ausstattet. Ein weiteres Projekt bezieht sich auf das Thema Autismus: Unter dem Motto „Das Besondere in jedem Kind sehen“ werden Kinder und Familien mit Tipps zum Umgang und Verhalten bei Autismus unterstützt. Unter der Maxime „Caring for each other“ wird Kindern und Familien weltweit dabei geholfen, auch in schwierigen Zeiten – wie durch die aktuelle COVID 19-Pandemie verursacht – ein gewisses Maß an Stabilität und Normalität zurückzubekommen.

Das Prinzip des Sesame Workshops ist es dabei, den Kindern aktuelle Situationen und Ereignisse auf Augenhöhe näher zu bringen. Und das, indem die Sesamstraßenfamilie durch entsprechende Charaktere ergänzt wird, sei es beispielsweise durch die sechsjährigen Zwillinge Noor und Aziz, die ersten Rohingya Sesamstraßenfiguren, die dabei unterstützen, Bildung auf kindgerechte Art und Weise im Rohingya-Flüchtlingslager in Bangladesh zu vermitteln. Oder durch die Autistin Julia, die als Freundin von Elmo in der Sesamstraße zeigt, was es heißt, als Autist durch die Welt zu gehen. Rassengerechtigkeit, Gleichstellung der Geschlechter oder Gesundheit und Hygiene sind nur einige weitere Themen, denen sich der Sesame Workshop annimmt.

Und das Konzept hat Erfolg: Laut einer gemeinsamen Studie der amerikanischen Universität Maryland und dem Wellesley College haben kleine Sesamstraßen-Fans eher das Zeug dazu, in der Schule altersgerechte Leistungen zu zeigen als andere Kinder. Besonders würden Jungen sowie Kinder aus afroamerikanischen Familien oder sozialen Brennpunkten von der Fernsehsendung profitieren.

Eine Wirkung ist in jedem Fall gegeben. Die Organisation selbst nennt es den Sesam-Effekt. Das passiert, wenn man die Kraft der Medien und der Sesame Street-Puppen kombiniert: Die Welt wird einfach ein bisschen lustiger, bunter und freundlicher!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*